Unseriöse Abfindungsangebote verwirren die Anleger

Ein ordentlicher Verkauf ist jederzeit über die Börse möglich

Jetzt kämpfen die offenen Immobilienfonds an zwei Fronten

Klasse, dachten sicher viele Inhaber von Immobilienfonds des Degi Europa, als ihnen Anfang November ein Barabfindungsangebot zu 39 Euro von ihrer Bank übermittelt wurde. Das Angebot stammte von einer unbekannten Gesellschaft namens GE & F Capital UG (haftungsbeschränkt) in 89555 Steinheim, Heckenstraße 2 , Fax 03212/1364059. Allerdings machte dann ein Zusatz ihrer Bank die Anleger dann doch schon wieder nachdenklich. Denn dort hieß es, zum Beispiel bei der Ing DiBa: „Bitte beachten Sie, dass die Entscheidung zu Annahme des Angebotes allein in Ihrem Ermessen liegt. Wir als depotführende Bank kommen nur unserer Informationspflicht laut den AGBs nach und werden hier nicht weiter tätig“. Da grübelten die Informationsempfänger nach, was dies denn nun zu bedeuten habe. War das eine Warnung der Bank?

Immerhin lag dieses Angebot von 39 Euro, wenn es den echt war, deutlich über den damals an den Börsen – die größten Umsätze sind regelmäßig in Hamburg - notierten Kursen von rund 32 bis 33 Euro. Sicher lag der von der Fondsgesellschaft Aberdeen errechnete Anteilspreis mit gut 48 Euro deutlich darüber. Aber da der Fonds geschlossen ist und abgewickelt, also innerhalb von zwei Jahren aufgelöst wird, steht ein solcher „Inventarwert“ derzeit nur auf dem Papier.

Die Verwaltungsgesellschaft des Degi Europa, die Aberdeen Immobilien Kapitalanlagegesellschaft mbH in Frankfurt schrieb dann am 8. November auf ihren Web-Seiten: „ Wir informieren Sie hiermit, dass die Aberdeen Immobilien Kapitalanlagegesellschaft mbH mit dem Kaufangebot der „GE & F Capital UG“ in keiner Weise in Verbindung steht und dieses Angebot auch in keiner Weise unterstützt.

Verbraucherschützer und Behörden, wie die deutsche Finanzaufsicht BaFin, empfehlen dringend, Angebote dieser Art genau zu prüfen und sich gegebenenfalls an Steuer- bzw. Anlageberater zu wenden. Bei diesen Beratungsgesprächen sollten auch die steuerlichen Aspekte / Kosten sowie die Risiken und die Seriösität des Angebotgebers ausführlich besprochen werden.

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Internetseite der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin):

http://www.bafin.de/cln_179/nn721290/DE/Verbraucher...“

Am 12. November berichteten dann die FAZ einspaltig unter der Headline „Dubiose Angebote für Anteile an offenen Fonds“ und auch das Handelsblatt in einem längeren Beitrag unter dem Titel „Offene Immobilienfonds – Vorsicht vor dubiosen Angeboten“. Darin heißt es: “Solche Angebote für Fondsanteile sind für die Anbieter offener Fonds nicht neu. Degi-Kunden waren bereits vor einem Jahr Ziel solcher Offerten – ebenso wie andere Anbieter. ...Zur Zeit sind in den eingefrorenen oder abzuwickelnden neun reinen Immobilienpublikumsfonds rund 24 Milliarden Euro Anlegergelder blockiert, so dass davon auszugehen ist, dass es weitere dieser Angebote geben wird.“

Doch der Knüller kam dann am 15. November, als einige Banken Ihren Kunden mitteilten, dass das Barabfindungsangebot  der GE & F gar kein Barabfindungsangebot war. „Aufgrund einer fehlerhaften Veröffentlichung (von wem?) wurden Sie über das Angebot falsch informiert. Bitte sehen Sie somit das Anschreiben vom 5.11.2010 als gegenstandslos an“, heißt es in einem Anschreiben der IngDiba. Die GE & F Capital UG (haftungsbeschränkt) bietet allen Inhabern der Degi Europa an, ihre Anteile im Verhältnis 1:1 in neue Anteile des SPV AG + CO. KGaA (DE000A0H50R4) umzutauschen.  Die Aktien sind nicht börsennotiert, hatte das Handelsblatt dazu bereits geschrieben, können also nicht ohne weiteres verkauft werden. Auch können die Anleger nicht prüfen, welchen Wert die Aktien dieses Unternehmens wirklich haben.  Also: Finger weg!

Letzter Kurs des Degi Europa an der Börse Hamburg gegen 11Uhr 30 am Dienstag 16. November; 33,77 Euro. Wer also raus will oder muss aus seinem Engagement, der tut sicher besser daran, den Verlust hinzunehmen und über die Börse zu verkaufen. Dann weiß er was er bekommt und der Schrecken hat ein Ende. Bei der Annahme solch dubioser Umtauschangebote besteht hingegen die Gefahr, dass es ein Schrecken ohne Ende wird.

Die Fondsgesellschaften selbst kämpfen nun an zwei Fronten. Zum einen sind sie darum bemüht, nun in den nächsten zwei Jahren bei den aufzulösenden Fonds die vorhandenen Immobilien bestmöglich im Interesse ihrer Anleger und ihres eigenen Image zu veräußern. Zum anderen müssen sie nun noch darauf achten und ihre Anleger laufende informieren, damit diese nicht solchen Bauernfängereien aufsitzen und möglicherweise zusätzliche Vermögenseinbußen erleiden, was dann dummerweise auf ihr eigenes Image zurückschlägt.

Bliebe als P.S. anzumerken, dass nach dem Zusammenbruch des Zweitmarktes für Lebensversicherungen auch auf diesem Sektor zunehmend unseriöse Anbieter ihr Unwesen treiben. Da wird ein bestimmter Rückkaufswert versprochen, der aber dann nur zum Teil ausgezahlt wird. Also auch hier: Vorsicht!