Der Cashkurs-Leser Lucas hat eine Frage gestellt, die für jeden von Ihnen wichtig sein kann – unabhängig davon, ob Sie wie Lucas Student oder Angehöriger anderer Berufe sind.  

hali am 19.05.2015 um 20:41 Uhr

Hallo Jack Black,

ich bin Student (23) und mir wurde von meinem Versicherungsmakler eine BU (Berufsunfähigkeitsversicherung, Anm. des Autors) als Zusatz zu einer kapitalbildenden, fondsbasierten Rürup Basisrente der Alten Leipziger empfohlen. Besonders lobte der Berater dabei den erheblichen steuerlichen Vorteil aufgrund der staatlichen Förderung. Mit eingebaut ist ein "Airbag", sprich eine beitragsfreie Dynamik i.H.v. 10% im Falle der Berufsunfähigkeit.

Bei allem Vertrauen in meinen Berater stelle ich mir die Frage ob eine solche Koppelung (BU & Rentenversicherung) für mich als (baldiger) Berufseinsteiger als sinnvoll zu erachten ist. Neben der nicht-Kapitalisierbarkeit des angesparten Guthabens bereitet es mir Bedenken was passieren würde wenn ich aufgrund von evt. finanziellen Engpässen den Sparvertrag aussetzen würde.

Sehen Sie den steuerlichen Vorteil als eine USP dieses Versicherungskonstrukts, oder erachten Sie persönlich eine eigenständige "solo"-BU als sinnvoller?

Besten Dank für Ihre Antwort

Lucas


Hallo Lucas,

vielen Dank für Ihre Frage!

1. Ein BU-Rentenleistung aus einem Rürupvertrag wird wie eine Rüruprente versteuert. Das bedeutet: Werden Sie 2016 berufsunfähig, sind 72% der BU-Rente steuerpflichtig. Beantragen Sie also eine BU-Rentenleistung die noch versteuert werden muss, werden Sie weniger zum Leben haben, als Sie verdienen.  Besonders wenn Sie später Ihren Lebensstandard an Ihren Verdienst anpassen muss die BU-Rente eine ausreichende Höhe haben, die den Steuerabzug progressiv ansteigen lässt. Sie dürfen aber nicht mehr BU-Rente absichern, als Sie Netto verdienen, um die durch den Steuerabzug entstandene Lücke zu schließen. Es gibt nämlich ein Bereicherungsverbot, welches besagt, dass man sich nicht über dem Nettoeinkommen versichern darf.

Dagegen wird die Rentenleistung aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung – ohne Beantragung als Rürup –nur mit dem Ertragsanteil versteuert. Der Ertragsanteil richtet sich dabei nach entweder nach dem Alter des Leistungsempfängers oder nach der tatsächlichen Leistungsdauer. Selten werden dabei 40% Ertragsanteil überschritten. Bei einer BU-Rente von 2.500 € beträgt der Ertragsanteil 1.000 €, welcher als zu versteuerndes Einkommen herangezogen wird. Der Steuerabzug ist damit sehr gering.

Der Steuerabzug übrigens steigt bis 2040 auf 100% an, ausgehend vom ersten Jahr der Rentenzahlung.

2. Der Beitragsanteil der BU-Rente darf 50% des Gesamtbeitrages nicht überschreiten. Wahrscheinlich werden Sie als Student einen eher geringen monatlichen Betrag  aufwenden können. Die versicherte BU-Rente wird wahrscheinlich nicht sehr hoch sein. Stellen sie sich vor, Sie würden berufsunfähig und würden diese BU-Rente bekommen. Würde der Betrag zum Leben reichen? Wenn nicht, was tun Sie? Mal angenommen, Sie gehen zur Agentur für Arbeit und beantragen ALG I, später ALG II. Sie werden immer gefragt, ob Sie noch andere Einkünfte haben. Das Amt würde die Leistung um die BU-Rente kürzen und Sie hätten Beiträge dafür bezahlt, dass die Agentur für Arbeit Geld spart.

3. Es gibt keine beitragsfreie Dynamik bei Berufsunfähigkeit. Ist die Dynamik einer laufenden Rente – ob BU oder Altersrente -  vereinbart, garantiert die Gesellschaft, dass die laufende Rente steigt. Das lässt sie sich durch einen höheren Beitrag bezahlen. Was Sie wahrscheinlich meinen, ist eine Erhöhung von Beitrag und Leistung in Höhe von 10%. Das ist sinnvoll, da Sie aufgrund der anstehenden Einkommenserhöhung Ihre BU-Rente anpassen sollten. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten ohne eine erneute Gesundheitsprüfung machen zu müssen:  die Nachversicherungsgarantie und eine hohe Dynamik. Fällt die Beitragserhöhung irgendwann zu hoch aus, widersprechen Sie der Dynamik zwei Jahre in Folge und nehmen Sie sie nur alle drei Jahre an. Damit haben Sie auch den Verbraucherpreisanstieg annähernd ausfinanziert.

Vereinbaren Sie aber auch gleichzeitig eine garantierte Rentenanpassung in Höhe von 2 oder 3%. Diese sorgt auch im BU-Rentenbezug für eine steigende Rente.  

4. Technisch gesehen ist die BU in Ihrem beschriebenen Fall ein Zusatzbaustein, eine so genannte Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (BUZ). Damit gelten Willenserklärungen die den Rürupvertrag betreffen meistens auch für  die Berufsunfähigkeitsversicherung. Wollen Sie den Vertrag bei finanziellen Engpässen beitragsfrei stellen, betrifft dies also auch die Berufsunfähigkeitsversicherung. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung lässt sich aber nur bei gleichzeitigem Verzicht auf die Leistung beitragsfrei stellen – wenn überhaupt. Manche Gesellschaften erlauben noch nicht mal eine Beitragsfreistellung.

Fazit

Mit dem Versicherer machen Sie nichts falsch. Aber beantragen Sie beide Produkte losgelöst voneinander, vor allem die BU als alleinstehenden privaten Vertrag. 

Kann es sein, dass ich aus Ihrer Frage noch heraushöre, dass Sie mit dem Thema Rürup nicht warm sind? Wieso nicht?