Die Systemmedien favorisieren im französischen Wahlkamp Emmanuel Macron. In meinem Beitrag vom 10.04. wies ich darauf hin, dass trotz der bisherigen Umfrageergebnisse das Rennen noch längst nicht entschieden ist.

Dazu passt wie nun wie die Faust aufs Auge, dass quasi aus dem Nichts Jean-Luc Mélenchon von der Linkspartei gewaltig aufholt und Emmanuel Macron in die Suppe spuckt.

Im Moment ist es wegen Mélenchon sogar fraglich, ob Macron es in die zweite Wahlrunde schafft.

So schnell kann sich das Blättchen wenden, wenn die Umfrageinstitute die 40 Prozent unentschlossenen Wähler permanent ignorieren.

Mélenchon, der Anti-Kapitalist

Jean-Luc Mélenchon ist am 19. August 1951 in Tanger geboren. Er hat die Linkspartei Parti de Gauche gegründet, deren Vorsitzender er bis 2014 war. Nun ist er Kandidat bei der Präsidentschaftswahl 2017 im Namen der von ihm dafür gegründeten Partei La France insoumise (Frankreich unterwirft sich nicht). Man munkelt, er habe seine Partei mit Unterstützung Oskar Lafontaine’s gegründet.

Die Meinungsforschungsinstitute sehen ihn jetzt als möglichen Anwärter für den entscheidenden Wahlgang am 7. Mai. Den angeschlagenen rechtsbürgerlichen Kandidaten François Fillon (17 Prozent) hat Mélenchon (18 Prozent) überholt und an Emmanuel Macron und Marine Le Pen (beide 24 Prozent) ist er dicht dran.

Mélenchon führt den Wahlkampf für sein antikapitalistisches Projekt mit antideutscher Stimmungsmache.

Anti-Merkel-Rhetorik

Als Angriffsziel hat er sich Angela Merkel ausgesucht.

Bekannt ist sein Twitter-Zuruf an Merkel, nachdem die Kanzlerin die bisherigen Reformanstrengungen in Frankreich und Italien als unzureichend eingestuft hatte: „Maul halten, Frau Merkel! Frankreich ist frei. Kümmern Sie sich lieber um Ihre Armen und um Ihre ruinierte Infrastruktur.“

Nach dem Referendum in der Griechischen Staatsschuldenkrise  sagte er, dass für die Verschärfung der Krise in erster Linie die „rechte deutsche Regierung“ verantwortlich sei.

Dabei erklärt er jedoch ausdrücklich, nicht antideutsch zu sein, gleichwohl er die rechte deutsche Regierungspolitik verabscheue.

Mélenchon widmete Deutschland ein eigenes Buch mit Titel „Bismarcks Hering – Das deutsche Gift“. Die Idee zu dem Titel kam ihm, weil die Bundeskanzlerin dem französischen Präsidenten bei dessen Besuch an der Ostsee Bismarckheringe schenkte. Für Mélenchon war das Gastgeschenk eine Anspielung auf den Reichskanzler, der den deutsch-französischen Krieg gewonnen habe. „Der Hering hat Gräten, die einem im Hals steckenbleiben. Bismarck war der Angreifer Frankreichs. Nach seinem Sieg hat er den ersten Kaiser der Deutschen im Spiegelsaal des Königsschlosses von Versailles krönen lassen“, schrieb Mélenchon.

NATO ist provokatorisch

In der Krimkrise 2014 kritisierte er die Ukraine-Politik der USA und der EU. Das Vorhaben, die NATO-Grenzen näher an Russland zu verschieben, sei inakzeptabel, dumm, verantwortungslos und provokatorisch. Die USA bezeichnete er in diesem Zusammenhang als „nordamerikanische Marionettenspieler“ und Teile der neuen ukrainischen Regierung als „pro-europäische Nazis.

7-fach präsent

Mélenchon ist ein begnadeter Redner. Um an mehreren Orten gleichzeitig präsent zu sein, setzt er modernste Hologrammtechnik ein. Am 18. April wird er dank seiner Hologramme an gleich sieben Orten Kundgebungen abhalten.

Raus aus der Atomkraft, raus aus der EU, raus aus der NATO

Sein Wirtschaftsprogramm will er durch „Neuverhandlung“ aller europäischen Verträge durchsetzen. Sollten die EU-Partner bei seinen Vorstellungen über eine über Schulden finanzierte Ausgaben- und Umverteilungspolitik nicht mitspielen, hat er in einem „Plan B“ den Frexit vorgesehen. Die EU-Kritik verbindet er mit einem ehrgeizigen Umweltprogramm. Er verspricht den Atomausstieg.

In Marseille ließ sich Mélenchon als „Friedenspräsident“ feiern. Er verspricht, Frankreich aus der NATO zu führen, um nicht an kriegerischen Handlungen mitwirken zu müssen. „Frankreich muss seine Unabhängigkeit wiedererobern“, sagte er. Außerdem dürfe sich Frankreich keinesfalls weiterhin der deutschen Regierung unterordnen.

Meine am 11.04. an dieser Stelle getroffene Aussage, Marine Le Pen sei bisher die einzige Konstante in den Umfragen, bestätigt sich nun mit der Verschiebung von Emmanuel Macron zu Jean-Luc Mélenchon.