Vor 50 Jahre mussten Informationen vom Journalisten – Analysten gab es damals in Deutschland noch kaum - mühsam herangeschafft werden. Und die Informationsbeschaffung brauchte Tage, heute im IT-Zeitalter oft nur Sekunden. Zudem war die Bereitschaft zur Information äußerst schwach ausgeprägt. Bei guter Geschäftslage sprudelten die Unternehmen, bei mauen Geschäften wurde gemauert. Und die angegebenen Gewinne wurden Jahr für Jahr mit unterschiedlichen Bewertungsansätzen zurechtgezimmert. Wer das erlebt hat, dem erscheinen die heutigen Informationsmöglichkeiten und die Bereitschaft der Unternehmen zur Information nahezu paradiesisch. – Aber für den Journalisten bedeutet das heute, schneller zu arbeiten, mehr zu arbeiten, tiefere Einsichten zu erarbeiten und damit bessere Bericht zu verfassen.

Vor 50 Jahren, startete der Schreiber dieser Zeilen seine Tätigkeit als Wirtschaftsjournalist, im Laufe der Jahre dann immer mehr spezialisiert zum Finanzjournalisten. Damals war Journalismus etwas völlig anderes als heute. Die Informationsbeschaffung war wesentlich schwieriger. Das lag nicht nur daran, dass es keine IT gab, Informationen also nach oft langen Telefonaten vervielfältigt und dann herbei gekarrt werden mussten; das lag vor allem auch daran, dass die Informationsbereitschaft in den Unternehmen, aber auch in den Behörden, Verbänden, Organisationen und auch in der Politik etc. bei weitem nicht so ausgeprägt war wie heute. Die Manager in den Unternehmen zierten sich einfach, Geschehnisse und Abläufe in den Unternehmen genauer zu erläutern und den Betrachter, sei es nun Journalist, oder der dann im Laufe der Jahre hinzukommende Finanzanalyst, genauere Auskünfte zu geben und damit sauberere Werturteile über das Unternehmen und damit über die Bewertung seiner Aktien zu ermöglichen.

Gut informieren nicht nur bei guter Ertragslage

Heutzutage im Zeitalter einer ausgeklügelten IT stehen die Informationen, zum Beispiel in gut geführten Unternehmen, quasi sekundenschnell auf Knopfdruck zur Verfügung. Und wenn es wenig Arbeit macht, Informationen zur Verfügung zu stellen, dann neigen Manager auch dazu, diese Informationen raus zu rücken. Zumindest dann, wenn diese Informationen gut sind. Genau das war ein Problem, das es in langen Jahren zu überwinden galt, quasi durch Jahr für Jahr hartnäckiges Nachbohren seitens der Journalistenschar. Denn es hatten sich Tendenzen angedeutet, dass die Informationspolitik gut war, wenn es dem Unternehmen gut ging; andererseits ließ die Auskunftsfreudigkeit drastisch nach, wenn es im Unternehmen nicht so gut lief. Deshalb war es gut, dass die Unternehmen im Verlauf der Jahre zu Zwischenberichten gezwungen wurden. Der eingerückte Kommentar des Autors aus dem Jahre 1970 ( Zeitschrift das Wertpapier) umreißt die damalige Lage:

Zwischenberichte waren keine Selbstverständlichkeit

Nun waren das damals, in den sixties, ausgesprochen schwierige Zeiten. Denn soeben war das neue Aktiengesetz von 1965 verabschiedet worden, das das alte, bis zum 31.12. 1965 geltende „Gesetz über Aktiengesellschaften und Kommanditgesellschaften auf Aktien“ vom 30. Januar 1937 ablöste. Und da gab es für alle Beteiligten, für die Unternehmen,  di Aktionäre und ihre Vertreter, für Verbände, Behörden und Organisationen umfangreiche Lernprozesse durch zu machen und auch oft erst mal von den Gerichten klare Entscheidungen zu strittigen Fragen herbeiführen zu lassen.

Und was IT oder sonstige technische Hilfsmittel anging, erinnert sich der Schreiber an sein erstes Aufnahmegerät, ein Uher Tonbandgerät im Gewicht von 7 oder 8 Kilo, das er soeben vom Speicher gerettet hat und demnächst bei ebay anbieten wird, incl. alter Interviews und Aufzeichnungen. Damals leistete es ihm hervorragende Hilfe, denn eines seiner ersten Interviews war in einem Kölner Hotel mit einem schnell sprechenden Amerikaner aus Texas. Da war es sehr nützlich, sich die Ausführungen dieses Herrn noch einige Male zu Gemüte führen zu können, um überhaupt die Inhalte zu begreifen. Heutzutage wiegt ein solches Aufnahmegerät einige Gramm, ist zehn mal besser in der Tonqualität und spielt auch zehn mal länger. Auch hier also ganz neue Hilfsmittel, die die Arbeit des Medienmenschen, des Journalisten, mächtig vereinfachen. Den nächsten technischen IT-Hilfsschritt bildet nun ein soeben erworbener Linear PCM Recorder, der das gesprochene, bzw. diktierte Wort sofort in Schrift umwandeln soll. Für einen Erfahrungsbericht hierüber ist es jedoch noch zu früh.

Gute Information als asset musste erst gelernt werden

Als weiterer Hemmschuh für eine bessere Publizität, die der Journalist gerne dem  Lesern und Anlegern weiter gegeben hätte, war die noch nicht vorhandene Bereitschaft und Einsicht in eine verbesserte Publizität und Transparenz in den Unternehmen, aber auch bei vielen anderen Anlaufstellen wie Verbänden, Behörden Organisationen etc. Die Informationen mussten oft den Gesprächspartnern aus der Nase gezogen bzw. musste der Gesprächspartner mit dummdreisten Behauptungen übertölpelt werden. Das war damals auch die Zeit, als viele rechtliche Unsicherheiten hinsichtlich der Interpretation vieler neuer Bestimmungen im AktG von 1965 bestanden. Das führte auf den Hauptversammlungen in punkto strittiger Auskunftsrechte bzw. Veröffentlichungspflichten oft zu stundenlangen Diskussionen und Fragestellungen, die anschließend zur Klarstellung oft an die Gerichte weiter gegeben wurden.

Aus dieser Zeit entstand auch der erste Kontakt des Schreibers zu dem damaligen Hauptversammlungsschreck, dem Darmstädter Kohlenhändler Erich Nold. Sicher wurde er oft als HV-Schreck und als äußerst lästiger Aktionär gescholten, vor allem von den Gesellschaften selbst. Doch muss auf der anderen Seite auch ganz klar konstatiert werden, dass Nold viele wichtige Entscheidungen im Interesse des Aktionärs durch sein Auftreten und seine Hartnäckigkeit und das anschließende Anrufen der Gerichte herbeigeführt hat. Aber in Sachen IT war damals noch eine weitgehend IT-lose Zeit.

Heute sind Informationen für die Unternehmen Bring-Schulden

Mit den zunehmenden Einsichten hinsichtlich einer fortlaufenden ständigen Information der Aktionäre (Zwischenberichte, Quartalsberichte, Ad Hoc-Publizität) wurde die Transparenz in die Arbeit der Unternehmen verbessert, was auf Seiten des Journalisten zu mehr Arbeit führte. Doch kam ihm da die IT zu Hilfe. Die Informationsbeschaffung wurde einfacher, auch aufgrund der Einsicht und Bereitschaft in den Unternehmen etc, von sich aus aktiv zu werden und zudem die Informationen auch besser aufzubereiten. Information wurde quasi zu einer Bringschuld. Und die Informationen kamen zudem schneller bzw. dann, wenn was wichtiges zu vermelden war (ad hoc). Aber IT, sagen wir anfangs also Fernschreiben, FAX und e-mail, bewirkten auch eine Minimierung der Fehlerquellen auf der Informationsschiene. Der Schreiber erinnert sich an einen aus Helsinki von einer Tagung per Telefon nach Frankfurt durchgegebenen Bericht, der ihn beim späteren Sichten im Blatt ob der vielen, oft auch sinnentstellenden Schreibfehler die Schamröte ins Gesicht trieb. Per e-mail wäre derartiges eben nicht passiert.

Die IT kam sukzessive. Heute ist jeder Schreiber froh, dass er derart tolle IT-Hilfen zur Verfügung hat, er also heutzutage für die Anleger schnell und umfänglich recherchieren, bewerten und einordnen kann. Allerdings bringt das automatisch auch den Zwang mit sich, die Dinge, die Zusammenhänge schneller zu erkennen, Inhalte schneller zu verarbeiten und in sich aufzusaugen und umzusetzen in eine sachgerechte Darstellung, damit der Leser/Anleger sich eine fundierte Meinung bilden kann. Unter der notwendigen Schnelligkeit darf dann allerdings nicht die Neutralität und Objektivität leiden.

Schneller darf eben nicht oberflächlicher sein, darf nicht, und das ist sicher eine gewisse Gefahr, dazu führen, dass er enthaltene Werbebotschaften der Informationsgeber übernimmt und kommentarlos weiterreicht.

Neue Informationsbedürfnisse im IT-Zeitalter

Andererseits bedeutet diese zunehmende Geschwindigkeit in allen Bereichen der „Informationsberieselung“ auch, dass einerseits bei den Zeitungen der Redaktionsschluss ständig weiter in den Abend bzw. die Nacht gewandert ist. Sicher auch nicht jedermanns Sache. Andererseits hat sich auch die Zielgruppe der Informationsempfänger so an die neuen Geschwindigkeitsmöglichkeiten gewöhnt, dass das Warten auf ein Print-Produkt am nächsten Morgen viel zu spät erscheint. Und da liefern die neuen Medien jedem, der die Infos vorab haben will, viele Möglichkeiten.  Kurz, knapp und bündig, oft aber auch dann mit Links oder Hinweisen auf Helfer und Sponsoren (sponsored content), die diese kostenlosen Dienste ermöglichen. IT hat eben die Welt und den Menschen verändert. Und Gazetten, die überleben wollen, liefern dementsprechend auch heute schon am Vorabend – quasi als Existenzsicherungsprogramm -  ihren Abonnenten wichtige news, Kommentare und Börsenberichte per e-mail oder eigener App am Vorabend. Das volle Programm folgt dann am nächsten Morgen. Wird dann aber augenscheinlich nur noch von den Lesern/Anlegern konsumiert, die wirklich in die Tiefe gehen.