Wer sagt denn, dass es der Finanzmainstream in den USA nicht peilen würde. Bloomberg hat sich nun in einem Bericht dazu bekannt, dass Amerikas eingehende Wirtschaftsdaten schon seit einiger Zeit die enttäuschendsten auf der ganzen Welt seien. Nun, dem lässt sich mit Fug und Recht zustimmen. Auch wir hatten nicht nur manche dieser Wirtschaftsdaten, sondern auch die gleichzeitig deutlich nach unten revidierten Gewinnprognosen im amerikanischen Unternehmenssektor zuletzt wiederholt unter die Lupe genommen.

Es seien nicht nur die jüngst publizierten Daten zum amerikanischen Verbrauchervertrauen oder die im Monat Februar weiter sinkenden Verkäufe im US-Einzelhandel (ich berichtete), die Ökonomen und Analysten auf dem falschen Fuß erwischt haben, wie es in einem Bericht von Bloomberg heißt.

Vielmehr ließe sich feststellen, dass die in den letzten Wochen aus den Vereinigten Staaten eingehenden Wirtschaftsdaten in den meisten Fällen die Konsenserwartungen unter den zuvor befragten Analysten teils deutlich unterboten hätten. Ja, werte Leser, es ist gar so, dass diese Erwartungen mit der höchsten Abweichungsrate seit mehr als 6 Jahren einhergehen.

Doch selbstverständlich ist diese Entwicklung neben einem merklich Rückgang im Bereich Margin Debt (ich berichtete) dazu angetan, Dow Jones & Co. in luftigen Höhen zu halten, während große und viel beachtete Konzerne wie Caterpillar, UPS, FedEx, IBM oder zuletzt auch Intel teils deutliche Abwärtsrevisionen zu ihren Gewinnprognosen vornahmen.

Bloombergs eigens berechneter Überraschungsindex namens ECO U.S. Surprise Index, der den Verlauf abbildet, inwieweit Konsensprognosen an den Finanzmärkten übertroffen oder unterboten werden, sank jetzt auf das niedrigste Niveau seit dem Jahr 2009, in dem sich die USA nach dem Bankencrash in einer der schlimmsten Rezessionen seit 100 Jahren befanden. 

Es gibt eigentlich nur eine Ausnahme, wenn es um die jüngst aus den USA eingehenden Wirtschaftsdaten geht. Und diese Ausnahme bildet der Arbeitsmarkt, der laut offizieller Statistik des Bureau of Labor Statistics (BLS) im Februar 295.000 neue Stellen schuf. In den vergangenen vier Monaten wurden laut offizieller Daten knapp 1,3 Millionen neue Jobs in der amerikanischen Wirtschaft geschaffen.

So weit, so gut. Wir alle wissen jedoch, werte Leser, auf welche Weise diese Daten zustande kommen. Einerseits gehören rund zwei Drittel der monatlich durch das BLS gemeldeten Arbeitsplatzschaffungen dem Bereich der McJobs an oder werden vordergründig im Niedrig- und Teilzeitsektor geschaffen.

Andererseits fallen immer mehr Menschen und Arbeitslose aus der Statistik heraus, weil ihnen das Anrecht auf den Bezug von Arbeitslosenhilfe ausgelaufen ist oder sie die Suche nach einem Arbeitsplatz schlichtweg aufgegeben haben. In den Statistiken des BLS gibt es diese Arbeitslosen dann einfach nicht mehr, puff, in Luft aufgelöst.

Diese Tatsache drückt sich vor allem darin aus, indem die Partizipationsrate an der Erwerbsbevölkerung im freien Fall ist und Werte erreicht hat, die zuletzt vor 35 Jahren markiert wurden. Doch wie sieht es im Hinblick auf andere wichtige Konjunkturdaten aus? Antwort: alles andere als erbaulich!

Nicht nur die nun seit drei Monaten in Folge gesunkenen Einzelhandelsabsätze, sondern auch schwache Daten zur Einkommensentwicklung und den Ausgaben der Amerikaner, die durch das ISM publizierten Daten zur Industrieproduktion, die Eingänge langlebiger Auftragsgüter, die Fahrzeugabsätze, und, und, und, erwiesen sich in den letzten Wochen teils deutlich schlechter als zuvor erwartet.

In einem jüngst publizierten Bericht zur aktuellen Lage in Kanada stimmte ich Sie schon einmal darauf ein, damit zu rechnen, dass die Wirtschaft der USA in absehbarer Zeit in die Rezession abdriften könnte. Warum? Allein schon deswegen, weil Kanada der größte Handelspartner der USA auf der Welt ist und sich die Wirtschaft im Ahornland mit enormer Geschwindigkeit abkühlt (ich berichtete).

Die Citigroup berechnet ihren eigenen Überraschungsindex, der ebenfalls zu wenig schmeichelhaften Resultaten kommt. Vielmehr zeigt sich, dass die aus den Vereinigten Staaten eingehenden Konjunkturdaten schon seit einiger Zeit die am meisten enttäuschenden in der Welt sind. Auf den Plätzen folgen Lateinamerika und – welch Wunder – Kanada.

Manche Analysten sind aufgewacht und mahnen die Washingtoner Regierung, weniger das schleppende beziehungsweise rückläufige Wirtschaftswachstum in Europa oder China zu kritisieren, sondern sich lieber Gedanken über die zukünftige Entwicklung im eigenen Land zu machen.

Man sollte den Verlauf des Überraschungsindex´ keineswegs unterschätzen, da es sich hierbei in der Vergangenheit stets um einen zuverlässigen Indikator handelte, der frühe Stadien einer Trendwende an den Märkten relativ gut prognostizierte. Frage wird sein, ob und wann die Federal Reserve vor diesem Hintergrund tatsächlich so verrückt sein wird, um in den USA in diesem Jahr die Zinsen anzuheben. 

Wundern braucht einen dies trotz allem nicht, falls es denn geschehen würde. Man muss nur in die Vergangenheit zurückblicken, um zu erkennen, welchen Schlamassel Alan Greenspan und Ben Bernanke durch ihre jeweilige Zinspolitik in den USA anrichteten, und welch teils haarsträubende Fehleinschätzungen der Federal Reserve zu einer Verschärfung der eigens verursachten Krisen führten. 

Unterdessen werden die Schätzungen zum Wachstum der US-Wirtschaft im 1. Quartal dieses Jahres weiter gesenkt. Selbstverständlich ist wieder einmal das Wetter hauptsächlich an dieser Entwicklung schuld. Insbesondere die Prognosen der regionalen Fed of Atlanta sollten in diesem Kontext nicht außer Acht gelassen werden.

Erst kürzlich senkte die Fed of Atlanta ihre BIP-Prognose für die US-Wirtschaft im 1. Quartal erneut von zuvor 1,2% auf nur noch 0,6%. Anteil daran hatte vor allem der grottenschlechte Bericht zur Entwicklung der amerikanischen Einzelhandelsverkäufe. Die weit unter den Erwartungen liegenden Häusermarktdaten aus dieser Woche könnten selbst diese Prognose noch zu einer gewagten Prognose machen!