So steht es tatsächlich in der Überschrift: „Pech für Putin“.

Dabei müsste man doch meinen , wenn man die deutschen Lei(d)tmedien liest, ganz vorne mit dabei natürlich wieder der „Spiegel“, dass es ein Glück für Putin sei, diesen aufrechten Kämpfer für Demokratie und persönlichen Widersacher  losgeworden zu sein.

Wer war Boris Nemzow?

Wer war Boris Nemzow denn nun eigentlich?

Boris Jefimowitsch Nemzow wurde am 09.10.59 in Sotschi geboren. Von 1991 bis 1997 war er Gouverneur der Oblast Nischni Nowgorod.

1997/98 war er Vize-Ministerpräsident unter Jelzin und Verfechter marktwirtschaftlicher Reformen.

In der von ihm regierten Oblast trieb er Privatisierungen voran, wie kein anderer. Staatsbetriebe wurden zu Aktiengesellschaften, Kolchosen wurden private Agrarbetriebe, Dienstleistungen und Handel wurden privatisiert.

Nach der Russlandkrise 1998 und der Entlassung Nemzows gründete er die politische Bewegung „Junges Russland“. Mit anderen Reformkräften bildete er eine neue liberal-demokratische Koalition. 2000 wurde er zum Vorsitzenden der Partei in der Duma gewählt.

Abgesackt in die politische Bedeutungslosigkeit

Bei den russischen Parlamentswahlen 2004 halbierte sich der Stimmanteil seiner Partei auf nur noch 4 % und verpasste somit den Einzug in die Duma.

Seither befand er sich in der politischen Bedeutungslosigkeit.

2004 unterstützte er die „Orange Revolution" in der Ukraine und wurde Wirtschaftsberater des ukrainischen Präsidenten Juschtschenko.

Öffentlich bekämpfte er ab 2010 immer wieder die Politik Putins, jedoch vollkommen erfolgslos.

Nicht-System-Organisationen

In Russland haben diese Nicht-System-Organisationen, denen auch Nemzow angehörte, einen Rückhalt in der Bevölkerung von etwa 5 %.

Nach Wahlergebnissen sogar noch weniger.

Fakt ist, dass diese Organisationen für die russische Öffentlichkeit bedeutungslos sind. Nach den Erfahrungen, die die Bevölkerung dort unter dem daueralkoholisierten, amerikafreundlichen Ausverkäufer Jelzin machen musste, ist es kein Wunder, dass Putin soviel Zustimmung aus der Bevölkerung bekommt wie nie zuvor.

Subtile Propaganda der deutschen Massenmedien

Pavel Lokshin schreibt im Spiegel am 28.02. wörtlich: Mit dem Mord an Boris Nemzow bricht für Russlands Oppositionelle eine neue Ära an, eine Ära der Angst. Nemzow, 55, war ein scharfer Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin.“

Damit impliziert er, dass der Kreml ein Interesse an der Beseitigung Nemzows hätte.

Dann geht es flott weiter mit: „Putins Pressesprecher Dmitri Peskow bezeichnete den Mord als eine "große Provokation" - ganz so, als stecke die Opposition oder der Westen selbst hinter der Tat, um den Mord dem Kreml in die Schuhe zu schieben. Das russische Ermittlungskomitee hat angekündigt, den Fall rasch aufzuklären - man wird die Täter finden, jedenfalls vermeintliche.“

Lokshin will uns offensichtlich damit sagen, dass egal, wer als Täter identifiziert wird, es sich ohnehin um eine Lüge handeln wird.

Am Schluss seines subtilen Hetzartikels kommt dann noch der Satz: „Wer wirklich dahintersteckt, wird wohl für immer das Geheimnis des korrupten russischen Sicherheitsapparats bleiben.“

Aha! Das bedeutet also, dass der russische Geheimdienst wissen muss, wer der Täter ist. Impliziert wird dabei subtil und sehr geschickt, dass der Geheimdienst selbst dahintersteckt.

Lokshin würde wohl nur akzeptieren können, wenn Putin öffentlich erklärt, er habe Nemzow erschießen lassen oder noch besser, er habe ihn gleich selbst erschossen.

Wem nutzt Nemzows Tod!

Nutzt der Tod Nemzows Putin wirklich?

Sicher nicht. Nemzows Organsition war politisch bedeutungslos. Die weit überwiegende Mehrheit der russischen Bevölkerung wollte davon nichts wissen.

Gleichzeitig war er aber ein brauchbares Ventil für ein paar Unzufriedene. Psychologisch durchaus hilfreich; hilfreich für Putin.

Wenn man dann so liest, schaut und hört, was unsere Medien daraus machen (ich will hier auf Artikel in der Welt und Tagesschausendungen gar nicht eingehen, es ist schade um die Zeit), dann kann man jedenfalls konstatieren, dass der Vorfall massiv zum Nachteil Putins ausgeschlachtet wird.

Friedensnobelpreisträger und Drohnenkiller Obama hat sich schnell zu Wort gemeldet und erklärt, wie tief beeindruckt er von Nemzow war, die hinlänglich als russophob bekannte EU-Ratspräsidentschaft Litauen hat das russische Volk aufgerufen, aufzuwachen, der erfolgreichste Präsident, den die Ukraine je hatte, Poroschenko weiß, dass Nemzow in Kürze Beweise für russische Truppen in der Ukraine vorlegen wollte.

Ich frage mich, warum um Gottes Willen wurde so stümperhaft gehandelt und Nemzow auf dem Tablett der Weltöffentlichkeit vor dem Kreml erschossen?

Wollte hier jemand den Westmedien eine Steilvorlage für weitere Kriegspropaganda liefern?

Oder steckt jemand anderes dahinter?

Cui bono? Wem nützt es? Putin?

Warum hat der russische Geheimdienst, wenn er dahinterstecken würde, wie Lokshin im Spiegel es impliziert, den guten alten Nemzow nicht morgens um vier aus seiner Wohnung abgeholt und sonst wohin verfrachtet, anstatt ihn publikumswirksam auf einer Brücke vor dem Kreml zu erschießen. Platz hätte man in Russland genug.

Dass das Abholen aus der Wohnung in Russland auch in der Vergangenheit gut klappte, kann ich aus eigener Familienhistorie bestätigen. Nach einem Besuch des sowjetischen Geheimdienstes verschwand mein Großvater im Jahr 1938 und ward bis heute nicht mehr gesehen.

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