In Brasilien ist es zur größten Firmeninsolvenz in der Geschichte des Landes gekommen. Wie das Unternehmen Oi SA, viertgrößter Mobilfunkanbieter in Brasilien vor drei Tagen bekannt gab, sei dem Konzern nichts anders übrig geblieben als einen Insolvenzantrag einzureichen.

Die seit rund zwei Jahren anhaltende Rezession in Südamerikas größtem Wirtschaftsraum hat Banken ohnehin bereits unter verstärkten Druck gesetzt. Die Insolvenz von Oi SA wird diese Situation im Bankensektor des Landes intensivieren.

Analysten sind gerade damit beschäftigt, die Auswirkungen auf die Kreditgeber des Konzerns abzuschätzen. Sehr wahrscheinlich werden neben der Banco do Brasil auch Itau Unibanco und eine ganze Reihe von anderen Kreditgeber stark von der Insolvenz betroffen sein.

Deren enorme Verluste auf gehaltene Anleihen des Konzerns sowie auf einstmals vergebene Kredite dürften zudem Zahlungsverpflichtungen im Derivatebereich auslösen, die sich auf rund 15 Milliarden US-Dollar belaufen könnten.

Die Insolvenz von Oi SA erfolgt, nachdem im Jahr 2015 bereits eine rekordhohe Anzahl von brasilianischen Unternehmen in die Insolvenz gegangen ist. Langsam aber sicher werden die Auswirkungen der schlimmsten Rezession seit mehr als 80 Jahren für jedermann sichtbar.

Brasiliens Unternehmen leiden nicht nur unter einer Intensivierung der nun bereits seit rund zwei Jahren anhaltenden Rezession, sondern auch unter steigenden Zinsen und einem Absturz der internationalen Rohstoffpreise.

Dieser gefährliche Mix hatte sich in den vergangenen Monaten äußerst nachteilig auf die Entwicklung des brasilianischen Reals ausgewirkt. Nachdem die Insolvenzanträge in 2015 um 55% gegenüber dem Vorjahr zugelegt hatten, erfolgte im Mai nochmals eine Verdopplung.

Schon nachdem es zum Bankrott des Ölbohrunternehmens Sete Brasil gekommen war, sahen sich heimische Banken wie Itau Unibanco und Banco Bradesco dazu gezwungen, deren finanzielle Reserven drastisch zu erhöhen.

Oi SA sah sich vor drei Tagen nicht mehr dazu in der Lage, den ausstehenden Schuldenberg von umgerechnet $19 Milliarden zu bedienen, nachdem die Unternehmensspitze sich mit seinen Gläubigern nicht auf eine Restrukturierung der ausstehenden Schulden einigen konnte.

Das Management von Oi SA macht Hedgefonds und Investoren wie Aurelius Capital für die Einreichung des Insolvenzantrags verantwortlich, da sich die Gläubiger des Konzerns gegen das Angebot eines Debt-for-Equity-Swaps gestemmt hätten.

Wie aus dem Insolvenzantrag des Konzerns hervorgeht, entfallen rund $12,5 Milliarden der ausstehenden Schulden auf Bank- und Anleihekredite. Der Rest verteilt sich auf Lieferanten des Unternehmens und andere Zahlungsverpflichtungen. 

Analysten sehen die Insolvenz von Oi SA kritisch, da der Konzern nicht über ausreichend Masse und Vermögenswerte verfüge, um alle Gläubiger zufrieden zu stellen. Daher werde das Unternehmen sehr wahrscheinlich in Häppchen aufgeteilt, die meist bietend verkauft würden.

Laut Angaben auf der Oi-Webseite befinden sich unter den größte Aktionären des Konzerns die portugiesische Holdingfirma Pharol, der Lehrerpensionsplan der kanadischen Provinz Ontario, der Anlageverwalter BlackRock sowie die staatliche Entwicklungsbank BNDES.

Schwache Performance bei sehr hohem Fremdfinanzierungsanteil

Laut Analsten habe es sich im Fall von Oi SA um einen viel zu sehr fremdfinanzierten Konzern mit einer armseligen operativen Performance gehandelt. Die zweijährige Rezession habe dem Konzern letztendlich vollends den Garaus bereitet.

Nun, Feststellungen mit Blick auf die Kredithebelung beziehungsweise Fremdfinanzierung im Konzernsektor dürften wohl auf mehr als zwei Drittel aller börsengelisteten Großunternehmen zutreffen.

In welchem Umfang der Bankensektor Brasiliens unter Abschreibungen und der Auslösung von Kreditderivaten zu leiden haben wird, bleibt abzuwarten.