Der heftige Absturz der Öl- und Gaspreise frisst sich erwartungsgemäß vom Energiesektor in andere Bereiche der amerikanischen Wirtschaft vor. Darauf weisen nicht nur die jüngsten Aussagen Caterpillars, dem weltweit größten Hersteller von Baumaschinenausrüstung, hin. Der seit einigen Quartalen mit Abwärtsprognoserevisionen daher kommende Konzern wird abermals 200 Mitarbeiter entlassen. Zudem wurde Caterpillar nun auch durch eine Reihe von Analystenhäusern – allen voran JPMorgan – in seiner Bonität herabgestuft. Doch dies ist nur die Spitze des Eisbergs. 

Selbstverständlich findet sich der Hauptgrund für diese Herabstufungen in den engen Bindungen Caterpillars zur Öl-, Gas- und Minenindustrie. Nahezu zeitgleich mit dem Einbruch des Ölpreises ist auch die Aktie von Caterpillar letztendlich unter signifikanten Abwärtsdruck geraten.

Beobachter hatten seit längerer Zeit davor gewarnt, den Preiseinbruch der Ölpreise nicht zu unterschätzen. Es sei absurd davon auszugehen, dass es nach einem Ölpreisabsturz von mehr als 50% seit Juni letzten Jahres nicht auch in anderen Wirtschaftsbereichen zu teils massiven Problemen kommen würde, wie es vielerorts hieß. Caterpillar ist nur eines der Beispiele für die Tatsache, auf welche Weise sich der Ölpreiseinbruch langsam aber sicher auch in andere Bereiche der US-Wirtschaft hineinfrisst.


Dies zeigen insbesondere die stark nachlassenden Aktivitäten im Bereich der Bohr- und Energieexplorationsindustrie (ich berichtete gestern). Fracking-Unternehmen sind nur ein Teil davon. In der gesamten Industrie ist es zu einem Umdenken gekommen, spätestens seitdem mit WBH Energy das erste größere Pleiteopfer in den USA zu beklagen ist. Zurzeit werden die Modelle – die in meinen Augen aufgrund von oftmals realitätsfernen Parametern ohnehin nicht allzu viel taugen – industrieweit angepasst, wie Energieexperten mitteilten.

Der Druck auf das weltweite Finanzsystem wird wachsen, falls es nicht recht zügig zu einer nachhaltigen Trendwende im Öl- und Gassektor kommen sollte. Und danach sieht es nach der gestrigen Ankündigung der OPEC, in absehbarer Zeit keine Förderkürzungen vornehmen zu wollen, nicht unbedingt aus. Nicht nur die Wirtschaften der großen Rohstoffexporteure wie Russland, Brasilien, Australien oder Kanada blicken ernsthaften Problemen und immens hohen Steuerausfällen entgegen.

Auch in den USA steht die mit Schulden überfrachtete Fracking-Industrie auf tönernen Füßen. Hoffnungen auf Unterstützung durch die OPEC-Länder wurden in den USA in dieser Woche einmal mehr enttäuscht. Vielmehr weisen Ölexperten darauf hin, dass die amerikanischen Öl- und Gasförderer selbst bekannt geben müssten, ihre Produktion deutlich zu drosseln, um den anhaltenden Einbruch der Ölpreise zu stoppen.

Doch wie soll das gelingen, wenn das Gros der Firmen seine prognostizierten Förderquoten den Banken zur Schuldenrückzahlung verpfändet hat? Selbst große Analystenhäuser wie Morgan Stanley rechnen bereits damit, dass Rohöl der Marke WTI seinen Absturz noch lange nicht hinter sich haben könnte. Aktuell um die Marke von $48 pro Fass pendelnd, werden nun gar Preisziele von $20 pro Barrel ausgegeben.

Dass sich die aktuelle Entwicklung auch desaströs auf die Gewinnentwicklung unter den Zulieferern der Öl- und Gasindustrie auszuwirken beginnt, ist keine Frage. Mancherorts wird bereits gemunkelt, dass es vielleicht zu einer großen Insolvenz- und Bereinigungswelle in der amerikanischen Energieindustrie kommen müsse, bevor sich die Preise an den Rohöl- und Gasmärkten wieder stabilisieren werden.

Nun, wer ginge als „Gewinner“ aus dem aktuell geführten Ölkrieg hervor? Die USA, die einer signifikanten Schrumpfung ihrer noch jungen Fracking-Industrie – wie einst durch Wladimir Putin vorausgesagt – entgegenblicken, oder Russland, dessen Wirtschaft im kommenden Jahr nun wohl definitiv in die Rezession abdriften wird?

Wer einen weiteren Denkanstoß in dieser Richtung benötigt, sollte ebenfalls die Meldung berücksichtigen, dass der Konzern U.S. Steel in dieser Woche bekannt gab, 750 Mitarbeiter in zwei Werken – in denen Stahlröhren für die Ölindustrie produziert werden – auf die Straße zu setzen. Weitere Meldungen dieser Art dürften folgen...