Man hätte eigentlich davon ausgehen können, dass China aufgrund seiner recht geringen Verflechtungen mit dem europäischen Kontinent recht gut positioniert gewesen ist, um die Auswirkungen aus dem Brexit-Referendum an den Finanzmärkten gut zu überstehen.

Doch nicht so schnell, werte Leser. Vielmehr zeigt sich, dass China sich in diesen Tagen im Zentrum der deutlich zunehmenden Volatilität an den internationalen Währungsmärkten zu befinden scheint.

Denn das Brexit-Ereignis hat einmal mehr die relative Stärke des USD gegenüber anderen Währungen angefacht. Der chinesische Yuan ist davon nicht verschont geblieben, sondern wertete in den vergangenen Tagen abermals deutlich ab.

Yuan-Abwertung könnte sich noch beschleunigen

Während Chinas Wirtschaft durch den Brexit nicht sonderlich getroffen werden dürfte, sieht dies auf der Währungsseite jedoch gänzlich anders aus. Der Yuan befindet sich – abgesehen von kurzen Perioden der Aufwertung – seit August des vergangenen Jahres unter Druck.

Damals verkündete die Pekinger Regierung eine überraschende Abwertung des Yuan versus des USD. Im selben Monat brachen die Kurse an Chinas Festlandbörsen um rund 30% ein. In Festlandchina hatte definitiv ein Aktienmarktcrash stattgefunden.

Analysten warnen davor, dass sich die Abwertung des Yuans nun beschleunigen könnte, da viele Investoren im aktuellen Umfeld von Wetten auf riskante Währungen zurückschreckten. Profitieren dürfte davon vor allem der USD.

Brexit als Katalysator?

Nun, Aussagen dieser Art werden Ihnen nicht neu vorkommen, werte Leser. In einer Reihe von Berichten hatte ich Sie seit Sommer des vergangenen Jahres auf die Notwendigkeit einer bevorstehenden Abwertungsspirale in China eingestimmt.

Auch mein Blogkollege Richard Duncan, ehemals in Diensten der Weltbank und des IWF, hatte in seinem Gastbeitrag mit dem Titel Yuan-Abwertung absehbar: Was wären die Folgen? vom 12. November 2015 die globale Lage im Detail unter die Lupe genommen.  

Der Brexit beschleunigt diese Entwicklungen an den internationalen Devisenmärkten sehr wahrscheinlich nur noch. Denn der USD dürfte – egal, ob Fed-Zinsanhebungen oder nicht – stärker werden, da Investoren den Einstieg in „risikolose“ Vermögenswerte suchen.

Warum Edelmetalle UND US-Dollar?

Ich gab hier nur wieder, was sich zurzeit aus der Analystenzunft vernehmen lässt. Sie wissen, dass ich Papierwährungen meide, wie der Teufel das Weihwasser. Trotz allem hatte ich in der Vergangenheit stets und wiederholt darauf hingewiesen, neben Gold auch den USD zu halten.

Und wie kann es auch anders sein? Wer, wie ich, von einem globalen Schuldenbust ausgeht, MUSS – neben Gold oder Silber – im USD investiert sein, da der größte Teil dieser im System kursierenden Schulden in USD denominiert ist.

Was mir mit Blick auf ein Investment in Gold und Silber in einem Umfeld wie dem heutigen stets gefallen hat, ist die Tatsache, dass physisch gehaltenen Gold- und Silberpositionen keine Drittausfallrisiken gegenüberstehen. 

Abwertung, um Exportfähigkeit zu erhalten

Ehrlich gesagt, bin ich dabei – gerade mit Blick auf die letzten zwei bis drei Jahre – nicht schlecht gefahren. Um auf die Entwicklungen an den Währungsmärkten zu reagieren, werde die People´s Bank of China ihre Yuan-Abwertung noch beschleunigen müssen, so Analysten.

Allein schon deshalb, um Chinas Exportwettbewerbsfähigkeit aufrecht zu erhalten. Viele Analysehäuser sehen Chinas Wirtschaft im laufenden Jahr nur noch um 6,4% wachsen. Einer derart stark von Exporten abhängigen chinesischen Wirtschaft wird kaum etwas anderes übrig bleiben als den Yuan in diesem Umfeld weiter abzuwerten.

Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Denn hatte die Pekinger Führung nicht schon vor einiger Zeit verkündet, die eigene Wirtschaft von einem exportgetriebenen Modell auf ein konsumorientiertes Modell umstellen zu wollen? Was ist daraus geworden?

China: Massive Ankurbelung der heimischen Kreditvergabe

Es empfiehlt sich erneut, den zu diesem Thema erschienen Gastbeitrag von Richard Duncan vom vergangenen Samstag aufmerksam zu lesen. Wer nach China blickt, wird erkennen, dass sich die heimische Kapitalflucht im Falle einer sich intensivierenden Yuan-Abwertung noch weiter verschärfen wird.

Inwiefern eine ohnehin schon angeschlagene Wirtschaft und ein angezähltes Bankensystem diesen Schock zu absorbieren in der Lage sein werden, muss sich zu gegebenem Zeitpunkt zeigen. 

Schon in den vergangenen Tagen zeigte sich, dass die Aufwertung des USD gegenüber dem Yuan in China ansässige Unternehmen dazu zwang, in USD denominierte Schulden zurück zu bezahlen.

Chinas Behörden reagierten darauf, indem sie die heimische Kreditvergabe – wie immer – über PBoC und Staatsbanken massiv ankurbelten. Laut Schätzungen der Deutsche Bank AG habe sich die Kapitalflucht aus China allein seit dem letzten Sommer auf umgerechnet $328 Milliarden belaufen.

Chinas Deflationsexport in alle Welt

In der vergangenen Woche kletterte der USD gegenüber dem Yuan fast auf ein 6-Jahres-Hoch. Gleichzeitig setzte sich der Anstieg des USD-Index fort. Manche Analysten sind der Ansicht, dass sich die fortsetzende Yuan-Abwertung als weitaus schwerwiegender erweisen wird als der Absturz des britischen Pfunds.

Grund sei der Status Chinas als weltgrößter Exporteur. Wie zu vielen Anlässen zuvor ausgeführt, exportiert China seine heimische Deflation nach Europa, Japan und die USA. Die sich verbilligenden Importpreise erweisen sich für alle drei Wirtschaftsräume als verheerend.

Die Notenbanken aller drei Wirtschaftsräume haben dieser Entwicklung augenscheinlich nichts mehr entgegenzusetzen. In Japan und der Eurozone bedienen sich die Bank of Japan und die EZB – neben horrendem QE – gar schon Negativzinsen, ohne dass ein Erreichen der eigens gesetzten Inflationsziele von 2% auch nur in Reichweite läge.