Jüngst publizierte Konjunkturdaten hatten bereits darauf hingewiesen, dass sich Chinas Wirtschaft immer stärker abkühlt. Nicht nur die zuletzt weit unter den Erwartungen liegenden Industrieproduktionsdaten, sondern vor allem auch die Strom- und Energieerzeugungsdaten gaben darauf abermals eindeutige Hinweise. Auch die Ergebnisse aus einer neuen Umfrage unter CEOs von amerikanischen Konzernen und Unternehmen, die in China geschäftlich vor Ort aktiv sind, blasen in dasselbe Horn.

Der Optimismus zur chinesischen Konjunktur- und Wirtschaftsentwicklung hat sich unter amerikanischen Konzernen und Unternehmen, die in Festlandchina geschäftlich aktiv sind, in den letzten Monaten als deutlich rückläufig erwiesen. Dies liegt nicht nur an einem zunehmend mörderischen Wettbewerb, sondern auch an einer durch Peking und dessen Behörden forcierten Privilegierung von heimischen Unternehmen gegenüber ausländischen Konkurrenten.

Ich hatte über viele dieser Entwicklungen in der Vergangenheit berichtet, insbesondere auch über die Tatsache, dass die Unterauslastung in Chinas Stahlindustrie – einem der wichtigsten Schlüsselindikatoren zur Prognostizierung der wirtschaftlichen Entwicklung – am Boden liegt. Natürlich hat sich dieser Faktor, neben signifikant rückläufigen Immobilienpreisen, einer im August unter allen Erwartungen liegenden Industrieproduktion und einer deutlich sinkenden Strom- und Energieerzeugung, bereits negativ auf die weltweite Rohstoffnachfrage ausgewirkt.

Resultat ist, dass große Rohstoffländer wie Brasilien, Kanada oder Australien ebenfalls unter Druck geraten, da der Export von Rohstofferzeugnissen in diesen Ländern einen hohen Anteil am nationalen Bruttoinlandsprodukt ausmacht. Brasilien rutschte gar wieder in die Rezession, was auf wirtschaftsfacts ebenfalls schon vor über einem Jahr vermutet wurde. Laut Ergebnissen aus einer neuen Umfrage durch ein amerikanisch-chinesisches Handelsgremium – die sich auf Einschätzungen zur wirtschaftlichen Entwicklung in China unter mehr als 250 hochrangigen Firmenmanagern stützt – wird sich die Ökonomie in Festlandchina in den nächsten 5 Jahren weiter abkühlen.

Es sind alles andere als gute Aussichten für ein Land, das seinen Boom in der vergangenen Dekade wie kein anderer Staat über das andauernde Einpumpen von billigem Geld und horrenden Schulden finanzierte. Die Pekinger KP-Führung, die der grenzenlosen Korruption unter Behörden und Parteifunktionären nicht Herr wird, hat längst erkannt, dass sie schon bald politisch mit dem Rücken zur Wand stehen könnte, falls sie den ökonomischen Abschwung nicht in den Griff bekommen sollte und aus der allseits erhofften weichen Landung der Wirtschaft am Ende dann tatsächlich doch ein harter Aufprall samt möglicher Bankenkrise werden sollte.

Erinnerungen an 2008

Nicht nur, dass es im Angesicht der aktuellen Proteste in Hongkong, dessen Bürger nach einem Mehr an Demokratie, Freiheit und einer schärferen Abgrenzung zu Festlandchina rufen, zu einem Einsatz des chinesischen Militärs gegen die eigene Bevölkerung kommen könnte. Viele Leser werden sich sehr wahrscheinlich noch an das Jahr 2008 zurückerinnern, in dem es aufgrund der im Zuge der globalen Finanzkrise einbrechenden Wirtschaft Chinas ganz schnell zu Massenprotesten, Aufruhr und sozialer Unruhe unter den so genannten Wanderarbeitern gekommen war, die damals in der Produktion zu Millionen ihre Jobs verloren.

Sollte es bald wieder zu ähnlichen Entwicklungen in Festlandchina kommen, darf man gespannt sein, auf welche Weise der chinesische Parteiapparat auf diese Dinge reagieren wird. Laut Aussagen amerikanischer Unternehmenslenker werde das ökonomische Umfeld in China nicht erst seit gestern durch eine zunehmende Unsicherheit geprägt. Eine Unsicherheit, die wöchentlich zunimmt, da vor allem auch immer mehr reiche Chinesen nach Wegen suchen, um ihr Land in Richtung überseeisches Ausland zu verlassen.

Immerhin wurden im Zuge der neuesten Datenerhebung unter anderem auch Unternehmen wie IBM, Google, Wal-Mart oder Chevron befragt. Somit also das Who is Who unter den amerikanischen Konzernen. Woran US-Konzernlenker zurzeit den meisten Anstoß finden, ist die Tatsache, dass deren chinesische Konkurrenten – egal ob in privatem oder in staatlichem Besitz – seitens der Regierung und Behörden teils signifikante Subventionen erhielten, für die sich ausländische Wettbewerber per se nicht qualifizieren könnten.

Dazu gehört beispielsweise die Möglichkeit, dass chinesische Unternehmen gegenüber ausländischen Wettbewerbern in einer privilegierten Weise ihre Buchhaltung und Bilanzen führen dürfen und Steuererleichterungen erhalten, die ausländischen Unternehmen versagt bleiben. Interessant ist zudem die Aussage, dass der mörderische Wettbewerb durch Chinas Unternehmen forciert wird, indem diese ihre Preise weiter senken. Ausländische Konzerne hätten diese Möglichkeit kaum, weil die Input-Kosten im Allgemeinen immer noch steigen, was durch chinesische Unternehmen allerdings oftmals durch besagte Subventionen seitens des Staates kompensiert werde.

CEOs besorgt über Chinas Anti-Monopolgesetze

All diese Dinge lasteten zunehmend negativ auf der Umsatz- und Gewinnentwicklung unter amerikanischen Firmen, die in Festlandchina aktiv sind. Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Punkt. Danach gaben sich 90% aller befragten CEOs teils sehr besorgt über die in China gültigen Anti-Monopolgesetze.

Es herrscht unter ausländischen CEOs ganz offensichtlich mehrheitlich die Ansicht vor, dass diese Anti-Monopolgesetze durch chinesische Aufsichtsbehörden verstärkt Anwendung finden, um ausländische Konkurrenten aus dem heimischen Wettbewerb zu drängen. Zurzeit ermitteln Chinas Aufsichtsbehörden gegen Dutzende von ausländischen Firmen, denen vorgeworfen wird, den heimischen Wettbewerb durch vermeintliche Preisabsprachen und Kartellisierungsversuche manipuliert zu haben (ich berichtete). Hinzu kommt, dass mehr als ein Drittel aller befragten CEOs von ausländischen Unternehmen fürchtet, auch bald selbst ins Fadenkreuz solcher Ermittlungen zu geraten.