Ein hoch-volatiler Handel setzte sich am heutigen Handelstag an Chinas Festlandbörsen fort. In diesem Zuge legte der Shanghai Composite Index nach anfänglichen Verlusten von rund 2,5% bis zum Handelsschluss um fast 2% zu, sich ein wenig von den gestrigen Kursverlusten erholend. Inwiefern die Suspendierung der erst vor Kurzem eingeführten Circuit Breaker, die ab Indexkursverlusten von 7% an einem Handelstag greifen, zu der technischen Erholung beigetragen haben mögen, muss sich in den nächsten Handleswochen erst noch zeigen. Vieles weist darauf hin, dass die Probleme in Chinas Wirtschaft sehr viel schwerwiegender zu sein scheinen, als es die offiziell verlautbarten Zahlen hergeben.

Auftrieb verlieh Chinas Festlandbörsen im heutigen Handel auch ein marginal höheres Fixing des Yuan-Außenwerts versus des US-Dollars durch die People´s Bank of China im Vergleich mit dem gestrigen Handelstag. Immerhin fiel das Fixing in Bezug auf Chinas Landeswährung in den letzten acht Handelstagen niedriger aus.

Auch die Meldung, dass chinesische Staatsfonds ihre Aktienkäufe erhöhen, trug zu einer sich leicht aufhellenden Stimmung bei. Wie dem auch sei. Es sind die unzähligen Interventionen der Pekinger Staatsregierung und der People´s Bank of China, welche die Situation an den heimischen Festlandbörsen erst in dieser Weise mit haben eskalieren lassen.

Ich hatte zu diesem Thema bereits gestern einen Bericht verfasst und auf diesen Umstand hingewiesen. Staatsfonds betreiben nach dem herben Einbruch am gestrigen Handelstag ganz offensichtlich einmal mehr ein wenig Kurspflege, indem diese Institutionen verstärkt die Dividendenpapiere von heimischen Banken und anderen Blue Chips aufkauften, um die Indizes an den Festlandbörsen bis Handelsschluss in positives Terrain zu hieven.

Analysten zeigten sich mehrheitlich davon überzeugt, dass staatlich kontrollierte Institutionen auch in nächster Zeit an den Festlandbörsen als Käufer auftreten werden, um die Kurse auf dem aktuellen Niveau zu stabilisieren. Im August des letzten Jahres kam es schon einmal zu einer solchen Entwicklung, ohne dass der Kursverfall auf längere Sicht aufgehalten werden konnte, wie sich jetzt zeigt. 

Die zu Jahresbeginn zu beobachtenden Kurseinbrüche an den Festlandbörsen lassen immer mehr Investoren, Analysten und Ökonomen an den durch die Pekinger Staatsführung ausgegebenen Wachstumszielen zweifeln. Zumal sich ohnehin abzeichnet, dass die Daten zum BIP-Wachstum in einigen Regionen des Landes in den vergangenen Jahren tatsächlich geschönt beziehungsweise gefälscht wurden.

Auch an den Rohstoffmärkten ging der Ausverkauf zu Jahresbeginn größtenteils weiter. Nicht nur Rohöl setzte seinen Preiseinbruch fort, sondern auch der Kupferpreis sackte auf das niedrigste Niveau seit dem Finanzkrisenjahr 2009 ab. Wie in meinem Bericht Große asiatische Aktienmärkte am Rande eines Bärenmarktes vom 27. November 2015 ausgeführt, sind es nicht mehr nur die chinesischen Festlandbörsen, über die ein neuer Bärenmarkt hinweg zu fegen droht.

Auch der Hongkonger Hang-Seng-Index rutschte in den vergangenen Tagen auf ein neues Tief ab und befindet sich technisch gesehen nicht mehr weit entfernt vom Einsetzen eines Bärenmarktes. Im Laufe des vergangenen Jahres hatte sich der Hongkonger Aktienmarkt, an dem vorwiegend Auslandsinvestoren handeln, noch recht veritabel schlagen können im Vergleich mit den Festlandbörsen.

Doch auch dieser Nimbus scheint nun aufgezehrt, nachdem der Shanghai-Composite-Index allein in der ersten Handelswoche des neuen Jahres um rund 10% an Marktkapitalisierung einbüßte. Investoren stoßen die zahlreichen Restriktionen bitter auf, die im Zuge des seit Juni 2015 anhaltenden Crashs an Chinas Aktienbörsen eingeführt wurden.

Dazu gehört unter anderem auch eine Regel, laut der Investoren im Rahmen eines Handelstags nicht ein und dieselbe Aktie gleichzeitig kaufen und verkaufen dürfen. Dies gilt vor allem für Papiere, die im Laufe dieses Handelstags auf Kursverluste von 10% blicken. Ferner ist das Handelsvolumen an dem einst weltweit aktivsten Indexfutures-Markt in den letzten Wochen gegenüber dem Hoch um fast 99% eingebrochen (ich berichtete).

Investoren und Hedgefonds wird es auf diese Weise immer schwieriger, sich gegen die enorm hohe Volatilität und Kursschwankungen entsprechend abzusichern. Zudem unterliegen Auslandsinvestoren nun festgesetzten Quoten, die den lokalen Handel durch diese Investoren limitieren sollen. Die gestern durch Chinas Wertpapieraufsichtsbehörde bekannt gegebene Einstampfung der erst kürzlich eingeführten Circuit Breakern zeigt, dass die Staatsführung sich auf einem Experimentierfeld befindet.

Hektische Markteingriffe erwecken wenig Investorenvertrauen...

Doch hektische Improvisationen und Markteingriffe durch staatliche Behörden gehören nicht zu den Maßnahmen, um unter Investoren wieder Vertrauen in die Funktionsweise der heimischen Börsenplätze herzustellen. Analysten beklagen, dass es nun schon nahezu täglich Regeländerungen hagele, die aus Peking an die Märkte durchdrängen.

In einem solchen Umfeld seien Investoren nicht dazu bereit, sich abermals an Chinas Börsenplätzen zu engagieren oder an diese zurückzukehren. Vielmehr suchten Investoren verstärkt das Weite, da die Investitionsrisiken momentan kaum übersehbar seien. Die dieswöchigen Kursabschläge wurden vor allem auch durch das Yuan-Fixing der People´s Bank of China hervorgerufen, die die heimische Währung gegenüber dem US-Dollar weiter abwertete.

Während ein günstigerer Außenwert des Yuan Chinas Exporte in die Welt verbilligen würde, wachsen auf der anderen Seite die Risiken unter den zahlreichen chinesischen Kreditnehmern, die sich auf Basis von Auslandswährungen wie dem US-Dollar verschuldet haben. Zumal die Spekulationen an den internationalen Märkten zunehmen, laut denen die Probleme in Chinas Wirtschaft größer zu sein scheinen, als es die offiziellen Daten hergeben...