Teil I: Als die Chinesen Afrika entdeckten

Die Militäroperation in Mali ist nur die Spitze eines riesigen afrikanischen Eisberges. AFRICOM wurde Ende 2007 vom damaligen Präsidenten George W. Bush ins Leben gerufen. AFRICOM hat primär die Aufgabe, den stark wachsenden politischen und wirtschaftlichen Einfluss der Chinesen in Afrika zu kontern. Die Alarmglocken in Washington schrillten im Oktober 2006, als der chinesische Präsident zu einem historischen Gipfel nach Peking lud, dem Forum für China-Afrika-Kooperation (FOCAK). Knapp 50 afrikanische Staatschefs und Minister wurden so mit dem chinesischen Kapital zusammengebracht. Im Jahre 2008, kurz vor einer zwölftägigen Reise durch acht verschiedene Länder in Afrika – die dritte Reise dieser Art seit der Amtsübernahme 2003 – stellte Hu Jintao, der chinesische Präsident, ein Dreijahresprogramm für Afrika mit Hilfen und Krediten in der Höhe von drei Milliarden Dollar zusammen. Zuvor waren schon zusätzlich fünf Milliarden Dollar an Darlehen und Exportkrediten angekündigt worden.

Der Handel zwischen China und Ländern in Afrika explodierte daraufhin in den vier Folgejahren, während der Einfluss Frankreichs und der Vereinigten Staaten auf dem Kontinent eher schwand. Chinas Handel mit Afrika schwoll (chinesischen Quellen nach) 2011 auf 166 Milliarden Dollar an. Afrikanische Exporte nach China steigerten sich innerhalb von zehn Jahren von 5,6 Milliarden auf 93 Milliarden Dollar. Im Juli 2012 bot China dann ein Kreditpaket mit rund 20 Milliarden Dollar für die nächsten drei Jahre an und verdoppelte damit die Menge, die in den drei vorhergehenden Jahren bereits in Aussicht gestellt wurde. [1]

Teil II: Eine militärische Antwort wird erforderlich

Washington machte es sich zur dringenden geopolitischen Priorität, AFRICOM so schnell wie möglich operationsfähig zu kriegen. Die Arbeit wurde am 1. Oktober 2008 in der Zentrale in Stuttgart aufgenommen. Seit die Regierung Bush-Cheney die Direktive zu AFRICOM im Februar 2007 unterschrieb, stellte sie eine direkte Antwort auf Chinas erfolgreiche Afrikadiplomatie dar.

Die Mission von AFRICOM ist wie folgt definiert: „Das Afrikakommando besitzt die administrative Verantwortung für die militärische Unterstützung der US-amerikanischen Regierungspolitik. Diese beinhaltet die Militärbeziehungen zu 53 Nationen in Afrika.“ Außerdem gestatten sie die enge Kooperation mit den amerikanischen Botschaften und Außenämtern in Afrika – eine eher ungewöhnliches Privileg, welches auch USAID mit einschließt: „Das Afrikakommando der USA stellt Personal und Logistiksupport für Aktivitäten zur Verfügung, die von den Außenämtern (englisch State Departments) getragen werden. Das Personal des Kommandos arbeitet eng mit den Botschaften in Afrika zusammen, um Trainingsprogramme zu koordinieren, welche die Sicherheitskapazitäten der Nationen in Afrika verbessern.“ [2]

In seiner Rede an die internationale Peace Operations Association in Washington D. C. am 27. Oktober 2008 definierte General Kip Ward, Commander von AFRICOM, die gemeinsame Mission als folgendermaßen: „Zusammen mit anderen US-Regierungseinrichtungen und internationalen Partnern [sollen] erweiterte Sicherheitsmaßnahmen durch Militärkooperationen oder militärisch unterstützte Aktivitäten und sonstige Militäroperationen koordiniert werden, um in Afrika eine sichere und stabile Umwelt zu schaffen, welche die amerikanische Außenpolitik begünstigt.“ [3]

Verschiedene Quellen in Washington gestehen öffentlich ein, dass AFRICOM als Antwort auf die wachsende Präsenz Chinas in Afrika und deren zunehmenden Erfolg geschaffen wurde, um langfristige Wirtschaftsabkommen zum Rohstoffabbau mit den Afrikanern zu sichern – im Austausch für gemeinsam mit China betriebene Projekte und entsprechende Beteiligungen. Geht es jedoch nach informierten Quellen, sind die Chinesen viel zu raffiniert dafür. Anstatt nämlich, dass sie menschenfeindliche Sparprogramme wie der IWF diktieren und wirtschaftliches Chaos anrichten wie der Westen, bieten die Chinesen großzügige und milde Kredite in hohen Summen an, womit Straßen und Schulen gebaut werden und freundliche Absichten auch Teil der Strategie sind.

Dr. J. Peter Pham, waschechter Washington-Insider und Berater sowohl des Verteidigungs- als auch des Außenministeriums, gibt offen bekannt, dass unter den Zielen des neuen AFRICOM auch der Auftrag ist, „den Zugang zu fossilen und anderen strategischen Rohstoffen, wovon Afrika Unmengen besitzt, zu beschützen […] Die Aufgabe besteht daraus, die Bodenschätze gegen äußere Gefahren abzusichern und außerdem sicherzustellen, dass keine dritte Interessenspartei, wie China, Indien, Japan oder Russland, eine bevorzugte Behandlung oder gar Monopole erlangt.“

In einer Anhörung vor dem US-Kongress zur Unterstützung der Schaffung von AFRICOM im Jahr 2007, äußerte  Pham, der sehr stark verbunden ist mit dem neo-konservaitven Think Thank Foundation for Defense of Democracies , Folgendes:

„Dieser natürliche Reichtum macht Afrika zu einem beliebten Ziel für die Aufmerksamkeit der Volksrepublik China, deren dynamische Wirtschaft in den letzten beiden Jahrzehnten im Durchschnitt um neun Prozent jährlich gewachsen ist und die einen unstillbaren Durst nach Öl besitzt, sowie nach anderen Rohstoffen und Bodenschätzen. China importiert momentan täglich rund 2,6 Millionen Barrel Rohöl, beinahe die Hälfte ihres Verbrauchs [...] grob ein Drittel der Importe stammen aus afrikanischen Quellen [...] vielleicht fordert keine andere fremde Macht Pekings Ziel eines nachhaltigen strategischen Interesses in Afrika in den vergangen Jahren ernsthaft heraus [...]

Viele Analysten erwarten, dass Afrika – speziell entlang der ölreichen Westküste – zunehmend zu einem Schauplatz der strategischen Auseinandersetzung zwischen den USA und ihrem einzig ernstzunehmenden Konkurrenten auf der globalen Bühne, China, wird, da beide Länder danach streben, jeweils ihren Einfluss und sicheren Zugang zu Ressourcen zu erweitern.“ [4]

Wird in Teil 3+4/4 fortgesetzt…

William Engdahl heißt Sie außerdem auf seiner neuen Homepage www.williamengdahl.com willkommen.

Fußnoten und Verweise:

[1] Joe Bavier, French firms must fight China for stake in Africa—Moscovici, Reuters, 1. Dezember 2012, via http://news.yahoo.com/french-firms-must-fight-china-stake-africa-moscovici-152558606--sector.html

[2] AFRICOM, US Africa Command Fact Sheet, 2. September 2010, unter http://www.africom.mil/fetchBinary.asp?pdfID=20101109171627

[3] Ibid.

[4] F. William Engdahl,  NATO’s War on Libya is Directed against China: AFRICOM and the Threat to China’s National Energy Security, 26. September 2011, via http://libyaagainstsuperpowermedia.com/2011/09/26/natos-war-on-libya-is-directed-against-china-africom-and-the-threat-to-chinas-national-energy-security/

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