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Teil III: Kampf gegen China mit Hilfe französischer Strategie

Um den Einfluss der Chinesen in ganz Afrika einzudämmen, hat Washington die wirtschaftlich geschwächten und politisch zerrütteten Franzosen mit ins Bott geholt und ihnen versprochen, beim Wiederaufbau ihres früheren Kolonialreiches in dieser oder jener Form unterstützend tätig zu sein. Die gemeinsame Strategie besteht darin, ethnische Kriege und Fehden unter Berbern, Arabern und anderen Volksgruppen in Nordafrika heraufzubeschwören  – so viel sollte nach dem gemeinsamen Einsatz von Al-Qaida-Terroristen beim Sturze Gaddafis in Libyen und dem neuen Chaos in der Sahara, ausgehend von Mali, klar sein. Teile und herrsche, so das Motto.

Es sieht sogar ganz danach aus, als würde ein alter französischer Plan zur Erlangung direkter Kontrolle verwendet. In einer bahnbrachenden Analyse stellte der kanadische Geopolitik-Analyst Mahdi Darius Nazemroaya Folgendes heraus:

„Die Landkarte, die von Washington zum Kampf gegen den Terror in der Pan-Sahel-Initiative eingesetzt wird, sagt eine Menge aus. Der Einflussbereich der Terroristen laut Washington innerhalb Algeriens, Libyens, dem Niger, dem Tschad, Mali und Mauretanien ist dem Grenzverlauf eines Kolonialgebiets sehr ähnlich, welches die Franzosen im Jahr 1957 in Afrika erhalten wollten. Dieses Gebiet wurde zusammen mit der Algerischen Küste in der zentralen westlichen Sahara als französisches Departement geplant, also einer Provinz, die direkt an das Staatsgebiet Frankreichs annektiert werden sollte.“ [5]  

Die Franzosen nannten das damals OCRS – Organisation Commune des Régions Sahariennes. Die OCRS umfasste die inneren Grenzen in der Sahel-Zone und der Sahara der Staaten Mali, Niger, Tschad und Algerien. Paris benutzte sie zur Kontrolle dieser rohstoffreichen Länder und zum Zwecke der Ausbeutung kostbarer Bodenschätze wie beispielsweise Öl, Gas und Uran. Dieser Plan wurde leider im Kalten Krieg zunichte gemacht, als Algerien und andere Staaten ihre Unabhängigkeit von Frankreich erklärten und bittere Kriege auslösten, sozusagen der „Vietnamkrieg der Franzosen“.  1962 musste Frankreich die OCRS auflösen, aufgrund der Unabhängigkeit Algeriens und der allgemein antikolonialen Einstellung der Afrikaner. [6]

Die neokolonialistischen Ambitionen der Grand Nation sind damit jedoch nicht einfach so verschwunden.

Abb. 1+2: Französische Karte der Sahara von 1958 verglichen mit einer Karte der Terrorbedrohung in der heutigen Sahara der USAFRICOM Pan-Sahel-Initiative. (Quelle: Globalresearch.ca)

Washington hatte mit Sicherheit dieses rohstoffreiche Gebiet vor Augen, als die Bereiche Afrikas abgesteckt wurden, die von vermeintlichen Terrorzellen „gesäubert“ werden müssten. Wenigstens hatte AFRICOM jetzt einen „Plan“ für die Umsetzung der neuen Afrikastrategie. Das französische Institute for Foreign Relations (Institut français des relations internationales, IFRI) sprach in seinem Bericht vom März 2011 von eben diesem Zusammenhang zwischen den Terroristen und den rohstoffreichen Regionen. [7]

Die Landkarte Washingtons zur Bekämpfung des Terrorismus im Zuge der Pan-Sahel Initiative des Pentagon zeigt einen Aktivitätsbereich der Terroristen innerhalb von Algerien, Libyen, Niger, Tschad und Mali. Die Trans-Saharische Counter-Terror-Initiative (TSCTI) wurde vom Pentagon bereits 2005 eingeleitet. Mali, Tschad, Mauretanien und der Niger wurden so um die Länder Algerien, Marokko, Senegal, Nigeria und Tunesien erweitert, um den Ring der Militärkooperation mit dem Pentagon zu komplettieren. Am 1. Oktober 2008 wurde die Befehlsgewalt über die TSCTI an AFRICOM in Stuttgart übertragen. [8]

Teil IV: Involvierte Dschihadisten verbreiten den Terror

Die Franzosen machen keinen Hehl daraus, dass sie dem wachsenden Einfluss Chinas in Afrika alarmiert gegenüber stehen. Letzten Dezember sagte der französische Finanzminister Pierre Moscovici in Abidjan, dass französische Konzerne offensiv gegen den Rivalen China vorgehen müssten, um auf den zunehmend umkämpften Märkten in Afrika eine starke Position zu behalten:

„Es ist nicht zu leugnen, dass China in Afrika immer präsenter wird. […] [Französische] Konzerne, welche die Möglichkeit haben, müssen in die Offensive gehen. Sie müssen vor Ort präsenter sein. Sie müssen kämpfen.“ [9]

Offensichtlich hatte Paris auch schon eine Militäroffensive im Kopf, als Moscovici zur wirtschaftlichen Offensive der französischen Konzerne in Afrika aufrief. Bislang sind jedoch die Ergebnisse des franko-amerikanischen Rohstoffkrieges gegen den wachsenden chinesischen Einfluss in Afrika bestenfalls mäßig.

Die chinesischen Ölkonzerne haben ihre Wetten in Libyen als Folge ihrer Unterstützung Gaddafis verloren. Auch der weit größere Wetteinsatz auf die Ölfelder im südlichen Sudan ist in der Schwebe, nachdem eine gemeinsame Kampagne von AFRICOM und der NATO dort einen neuen Staat auskoppelten, die grotesk unzulängliche Republik Südsudan, wo das meiste Öl zu holen ist. Mittlerweile sind Verhandlungen angelaufen, um die Pipelineroute für südsudanesisches Öl auf eine neue Pipeline zu verlegen, die das Öl in das US-amerikanisch dominierte Kenia lenkt, anstatt wie bisher nach Norden nach Port Sudan, wo die Chinesen ihre Hafenterminals errichteten. China wird dadurch in Sachen Ölversorgungssicherheit um Einiges anfälliger. Algerien, ein weiteres Zielland von AFRICOM, wird derweil immer tiefer in das Spinnennetz des Terrorismus gezogen. Ende Januar kam es an der Grenze zu Mali zu einer Krise, als Terroristen dort Geiseln nahmen.

Im ölreichen Nigeria gab es seit 2009 einen dramatischen Anstieg an terroristischen Angriffen auf Zivilisten und Kirchen, ausgehend von der fanatischen salafistischen Dschihad-Organisation Boko Harem. Die nigerianische Terrorgruppe, welche gemäß informierter Quellen im US-Militär von französischen Spezialeinheiten ausgebildet wird, sitzt im Nordosten Nigerias und versucht von dort aus, aus Nigeria einen Gottesstaat nach dem Gesetz der Scharia zu errichten. General Carter Ham, der dem AFRICOM vorsteht, vermutet, dass Boko Harem zu Al-Qaida in Mali in Verbindung steht. Die beiden Gruppen sollen angeblich Sprengstoff und Geldmittel austauschen. Beide Gruppen werden außerdem des Kokainschmuggels von Südafrika nach Europa bezichtigt. AFRICOM warnt eindringlich davor, dass die Terrorgruppen in Afrika gemeinsame Sache machen könnten. [10]

In Somalia, wo gigantische Ölvorkommen von China beäugt werden, treibt eine Gruppe namens Al-Shabab ihr Unwesen. 2012 wurde sie ein offizielles „Franchise“ von Al-Qaida. Sie kontrollieren weite Teile im Süden des Landes, wo sie strikte Scharia-Gesetze durchsetzen.

Schritt für Schritt und Drohnenbasis für Drohnenbasis verwandelt AFRICOM mit Hilfe der Franzosen und diversen ausgebildeten afrikanischen Kampftruppen den gesamten Schwarzen Kontinent in ein riesiges Kriegsgebiet. Doch das „Hauptziel“ der Operation ist und bleibt China.

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Fußnoten und Verweise:

[5] Mahdi Darius Nazemroaya und Julien Teil, Americas Conquest of Africa: The Roles of France and Israel, GlobalResearch, 6. Oktober 2011, via http://www.globalresearch.ca/america-s-conquest-of-africa-the-roles-of-france-and-israel/26886

[6] Ibid.

[7] Ibid.

[8] Ibid.

[9] Joe Bavier, French firms must fight China for stake in Africa—Moscovici, Reuters, 1. Dezember 2012, via

http://news.yahoo.com/french-firms-must-fight-china-stake-africa-moscovici-152558606--sector.html

[10] Mark Doyle, Africa's Islamist militants 'co-ordinate efforts', BBC, 26. Juni 2012, http://www.bbc.co.uk/news/world-africa-18592789