Russland und China intensivieren ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit. In der vergangenen Woche berichtete ich darüber, dass die Entwicklung der neuen Seidenstraße eine Reihe von Fortschritten zu verzeichnen hat.

Zu diesem Zeitpunkt hielt sich Chinas Staatspräsident Xi in Usbekistan auf, um in einer Rede vor dem Parlament in der Hauptstadt Taschkent den Abschluss der Planungsphase dieses Megaprojekts gebührlich zu feiern.

Russlands Staatspräsident traf darauf mit Xi zusammen, um den 15. Jahrestag der „guten nachbarschaftlichen Beziehungen“ zwischen beiden Staaten zu begehen.

Misstrauen weicht Wunsch nach gegenseitigem Beistand

Freunde der Bücher des inzwischen verstorbenen Urgesteins der Geopolitik, Peter Scholl-Latour, haben sich darüber aufklären lassen, dass diese Beziehungen lange Zeit durch Angst und Misstrauen auf beiden Seiten geprägt waren.

Doch die westliche Politik und Haltung gegenüber Russland hat den Kreml nach dem Aufstieg von Wladimir Putin immer stärker in die Arme Pekings getrieben. Es liegt auf der Hand, dass zwei Geächtete ihre Differenzen – zumindest auf absehbare Zeit – beilegen, um sich gegenseitig Beistand und wirtschaftlichen Nutzen zu verschaffen.   

Und dieser wirtschaftliche Nutzen liegt klar und deutlich auf der Hand. Russland hat China alles zu bieten, was das Reich der Mitte an Energie- und Rohstoffeinfuhren benötigt, um den eigenen Fortschritt voranzutreiben.

Modernisierung von Industrie und Infrastruktur

Und Russland darf im Sanktionsstreit mit dem Westen auf einen verlässlichen Verbündeten blicken, der sich zudem als sehr zahlungskräftig erweist und in den Modernisierungsbedarf des russischen Industriesektors zu investieren bereit ist.

Eine Win-Win-Situation, wie es den Anschein erweckt. Und so verwundert es auch nicht, dass beide Länder eine neue Initiative ins Leben gerufen haben, in welche insgesamt $50 Milliarden an gemeinsamen Investitionen auf beiden Seiten der Grenze zwischen beiden Ländern fließen sollen.

Neben einer Modernisierung der eigenen Industrie äugt Russland vor allem auch auf einen Ausbau seiner Infrastruktur. Laut Putin seien Russland und China eine enge wirtschaftliche Kooperation eingegangen.

Konsens in Bezug auf internationale Entwicklungen

China erweise sich als wichtigster Handelspartner der Russischen Föderation, so Putin am vergangenen Samstag weiter. Die Weltwirtschaft sei in vielen Bereichen wie dem Energie- und Währungssektor nicht stabil, wodurch auch Russland getroffen worden sei.

Putin fügte an, dass Russland und China mit Blick auf die internationalen Entwicklungen in den meisten Fällen dieselben Ansichten verträten. Xi nickte zu diesen Ausführungen Putins mit dem Kopf.

Als Xi an der Reihe war, bezeichnete Chinas Staatspräsident Wladimir Putins Besuch als „äußerst früchtetragend“. Chinas und Russlands strategische Partnerschaft werde sich in der Zukunft noch weiter intensivieren.

Die wichtigsten Geschäftsprojekte

Zu den Geschäftsabschlüssen gehörte die Vereinbarung eines Deals zwischen Russlands Top-Ölproduzenten Rosneft und der China National Chemical Corporation (ChemChina). Laut der Vereinbarung wird ChemChina einen Anteil von 40% an dem durch Rosneft zurzeit geplanten Petrochemiekomplex in Russlands fernem Osten erwerben.

Schon in einem Jahr soll dieser Komplex bis zu 2,4 Millionen Tonnen Rohöl an ChemChina liefern. Vereinbart wurde ebenfalls die Zusammenarbeit mit Blick auf ein großes Flugzeugprojekt, das den baldigen Bau eines Langstreckenflugzeugs zum Resultat haben soll.

Dieses 300 Passagiere fassende Flugzeug soll in der Zukunft in Konkurrenz zu Airbus und Boeing treten. Doch neben einer sich intensivierenden Wirtschaftskooperation wollen beide Länder auch auf strategischem Gebiet (sprich der Geopolitik) enger zusammenarbeiten, wie Putin erklärte.

"Belt-and-Road"-Projekt

Mit Blick auf die sich in der Welt darstellende Lage, stimmten Chinas und Russlands Sichtweisen fast in Gänze überein, so Putin weiter. Seit dem Jahr 2013 haben sich Putin und Xi bereits fünfzehn Mal persönlich miteinander getroffen.

China hatte seit dem Jahr 2013 zudem politische Unterstützung zur Umsetzung seines Plans zur Revitalisierung der Seidenstraße gesucht. Das landseitige Belt and Road Projekt beginnt in Westchina und wird sich durch die Länder Zentralasiens und des Mittleren Osten ziehen.

Viele dieser Regionen gehören dem ehemaligen Sowjetgürtel Zentralasiens an. China und Russland haben bereits vereinbart, mit Blick auf dieses Projekt gemeinsam zu kooperieren und mit der durch Russland geführten Eurasisch-Ökonomischen Union zusammenzuarbeiten.