[Link Teil 1]

2011 beendete China den Bau einer zweiten eurasischen Landbrücke, die vom chinesischen Hafen in Lianyungang am Ostchinesischem Meer, durch Druzhba in Kasachstan und weiter nach Zentralasien, Westasien, Europa und mehreren europäischen Zielen und schließlich zum Rotterdamer Hafen in Holland an der Atlantikküste verläuft. Diese zweite eurasische Landbrücke, die von China nach Druzhba in Kasachstan fertiggestellt wurde, ist eine neue Eisenbahn, die den Pazifik und den Atlantik verbindet. Die neueste Landbrücke von Eurasien führt im Westen Chinas durch sechs Provinzen – Jiangsu, Anhui, Henan, Shaanxi, Gansu und Xinjiang, eine autonome Region, welche jeweils an die Provinzen Shangdong, Shanxi, Hubei, Sichuan, Qinghai, das Autonome Gebiet Ninxia der Hui–Nationalität und an die Innere Mongolei angrenzt. Das umfasst etwa 360.000 Quadratkilometer, also ungefähr 37% der gesamten Landfläche Chinas. Circa 400 Millionen Menschen leben in diesen Regionen, was ungefähr 30% der Gesamtbevölkerung des Landes ausmacht. Außerhalb von China deckt die Landbrücke über 40 Länder und Regionen in Asien und Europa ab und ist besonders wichtig für die Länder in Zentral- und Westasien, die keinen Ausgang zum Meer haben.

Der chinesische Vizepremierminister Wan Qishan hat 2011 angekündigt, eine neue Hochgeschwindigkeits-Bahnverbindung innerhalb von Kasachstan zu bauen, die die Städte Astana und Almaty vernetzt, und die 2015 fertig sein soll. Die Astana-Almaty Linie, die eine Gesamtlänge von 1050 Kilometer hat und bei der Chinas fortschrittliche Bahnbautechnologie verwendet wird, wird Hochgeschwindigkeitszügen eine Geschwindigkeit von 350 Kilometern pro Stunde erlauben.

DB Schenker Rail Automative transportiert jetzt Autoteile für BMW von Leipzig nach Shenyang, was im Nordosten Chinas gelegen ist. Züge, die vollgeladen mit Teilen und Bauelementen sind, verlassen den DB Schenker Umladebahnhof in Leipzig für eine dreiwöchige, 11.000 Kilometer lange Reise zu der BMW-Fabrik in Shenyang, in der Provinz Liaoning, wo die Bauteile für die Fertigung von Fahrzeugen der Marke BMW gebraucht werden. Ab Ende November 2011 verließen Züge, die für Shenyang bestimmt waren, Leipzig einmal am Tag. „ Mit einer Wegezeit von 23 Tagen, sind die Direktzüge zweimal schneller als der Seetransport, gefolgt vom Überlandtransport ins chinesische Hinterland“, so Dr. Karl-Friedrich Rausch, ein Mitglied der des Vorstands der Abteilung für Transport und Logistik der DB Mobility Logistics AG. Die Route erreicht China über Polen, Weißrussland und Russland. Die Container müssen zweimal per Krahn in verschiedene Spurbahnen überführt werden; als erstes in die russische Breitspurbahn an der polnisch-weißrussischen Grenze und dann zurück in die Normalspurbahn an der russisch-chinesischen Grenze in Manjur. [5]

Im Mai 2011 wurde zwischen dem Hafen von Antwerpen, welcher der zweitgrößte europäische Hafen ist, und Chongqing, das industrielle Zentrum im Südwesten Chinas, ein täglicher, direkter Bahnfrachtverkehr gestartet. Das beschleunigte den Zugfrachtverkehr durch Eurasien nach Europa enorm. Verglichen mit den 36 Tagen, die für den Seetransport von ostchinesischen Häfen nach Westeuropa benötigt wurden, dauert der Bahnfrachtverkehr von Antwerpen nach Chongqing jetzt 20 bis 25 Tage; Ziel ist auf 15 bis 20 Tage zu reduzieren. Fracht, die in Richtung Westen versendet wird, beinhaltet Automobil- und technische Güter, Verschiffungen in Richtung Osten sind hauptsächlich Chemikalien. Das Projekt hatte für den Hafen von Antwerpen und die belgische Regierung in Zusammenarbeit mit China und anderen Partnern hohe Priorität. Der Service wird vom Schweizer intermodalen Logistikversorger Hupac, dessen russischen Partner Russkaya Troyka, sowie Eurasia Good Transport ausgeführt. Die Strecke, die länger als 10.000 km ist, beginnt am Hafen von Antwerpen, führt durch Deutschland und Polen, sowie durch die Ukraine, Russland und die Mongolei, bevor sie Chongqing in China erreicht. [6]

Die zweite eurasische Landbrücke ist 10.900km lang, wovon sich circa 4100km in China befinden. Innerhalb Chinas verläuft die Strecke parallel zu einer der alten Straßen der Seidenstraße. Die Bahnstrecke führt weiter durch China nach Druzhba hinein, wo sie mit den breiteren Bahnlinien Kasachstans gekoppelt wird. Kasachstan ist das größte Binnenland der Welt. Seit sich die chinesischen Schienen und Schnellstraßen nach Westen ausgebreitet haben, boomt der Handel zwischen Kasachstan und China. Von Januar bis Oktober 2008 erreichten die Güter, die zwischen den zwei Nationen den Hafen von Khorgos durchliefen, ein Gewicht von 880.000 Tonnen – was, verglichen mit demselben Zeitraum ein Jahr zuvor, einem Wachstum von 250% entspricht. Man vermutet, dass der Handel zwischen China und Kasachstan bis 2013 um das Drei- bis Fünffache zunehmen wird. Im Jahr 2008 wurden nur circa 1% der von Asien nach Europa versandten Waren über den Landweg geliefert, also ist der Raum für Expansion beachtlich. [7]

Von Kasachstan führen die Linien durch Russland und Weißrussland, über Polen zu den Märkten der europäischen Union. Eine andere Linie führt nach Taschkent in Usbekistan, die mit ungefähr zwei Millionen Einwohnern die größte Stadt Zentralasiens ist.

Wieder eine andere Line führt nach Westen in die turkmenistanische Hauptstadt Asgabat und zur iranischen Grenze. Mit ein paar zusätzlichen Investitionen könnten diese Verbindungen, die jetzt mit der riesigen Ausdehnung Chinas und den Märkten Chinas verknüpft sind, neue wirtschaftliche Möglichkeiten in den sehr vernachlässigten Regionen Zentralasiens eröffnen. Die Shanghai Cooperation Organization (SCO) könnte eine geeignete Plattform für die ausgedehnte Koordinierung der eurasischen Bahninfrastruktur darstellen, um diese anfänglichen Bahnverbindungen maximal zu nutzen und auszubauen. Zu den Mitgliedern der 2001 gebildeten SCO zählen China, Kasachstan, Russland, Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan mit dem Iran, Indien, der Mongolei und Pakistan als Länder mit dem Beobachterstatus. [8]

Russlands Landbrücke

Russland ist gut positioniert, um von so einer SCO–Strategie zu profitieren. Die erste eurasische Landbrücke verläuft durch Russland entlang der Transsibirischen Eisenbahn, die 1916 fertiggestellt wurde, um das Russische Reich zu vereinigen. Die Transsibirische bleibt mit 9297 Kilometern die längste, einzelne Bahnstrecke der Welt, was eine Hommage an die Vision des Russen Sergei Witte in den 1890igern darstellt. Die Transsibirische Eisenbahn, auch nördlicher Ost-West Korridor genannt, verläuft vom russischen Far East Port in Wladiwostok nach Europa zum Rotterdamer Hafen und verbindet etwa 13.000 Kilometer. Gegenwärtig ist sie wegen Instandhaltungsproblemen und Maximalgeschwindigkeiten von 55km weniger reizvoll für Fracht, die vom Pazifik zum Atlantik gelangen soll.

Es gibt Versuche, die transsibirische Landbrücke besser zu nutzen. Im Januar 2008 wurde der “Peking-Hamburg-Container-Express“, ein eurasischer Bahnfrachtservice für Langstrecken, erfolgreich von der Deutschen Bahn getestet. Er absolvierte in 15 Tagen die 10.000km lange Reise, die, um die chinesische Hauptstadt mit der deutschen Hafenstadt zu verbinden, durch die Mongolei, die Russische Föderation, Weißrussland und Polen verläuft. Um per Schiff zu denselben Märkten zu gelangen, dauert doppelt so lange oder in etwa 30 Tage. Diese Route, die 2010 mit dem gewerblichen Dienst begann, integriert einen Teil der existierenden Transsibirischen Eisenbahn, welche eine Bahnverbindung ist, die breitere Spurweiten benutzt als entweder chinesische oder europäische Züge, was zwei Umladungen an der chinesisch-mongolischen Grenzen und nochmal an der weißrussischen-polnischen Grenze auf andere Züge bedeutet.

Wäre der Abschnitt der Transsibirischen Eisenbahn durch das russische Eurasien modernisiert und aktualisiert, um den Hochgeschwindigkeits-Güterverkehr beherbergen zu können, würde das eine bedeutende neue Wirtschaftsdimension zur ökonomischen Entwicklung der inneren Regionen Russlands hinzufügen. Die Transsibirische Eisenbahn ist zweigleisig und elektrisiert. Der Aufwand, manche Abschnitte zu verbessern, um eine bessere Integration aller Elemente sicherzustellen und sie damit zu einer attraktiveren Option für eurasische Fracht auf den Weg in den Westen zu machen, ist minimal.

Wird in Teil 3/3 fortgesetzt…

Fußnoten und Verweise:

[5] Joseph O’Reilly, BMW Rides Orient Express to China, Global Logistics, Oktober 2011, via www.inboundlogistics.com/cms/article/global-logistics-october-2011/.

 

[6] Aubrey Chang, Antwerp-Chongqing Direct Rail Freight Link Launched, 12. Mai 2011, via

http://www.industryleadersmagazine.com/antwerp-chongqing-direct-rail-freight-link-launched/

[7] CNTV, Eurasian land bridge, 12. März 2011, via english.cntv.cn/program/china24/20111203/108360.shtml.

 

[8] Shigeru Otsuka, Central Asia’s Rail Network and the Eurasian Land Bridge, Japan Railway & Transport Review 28, September 2001, S. 42-49.