Der Preisrutsch im Eisenerzsektor setzt sich fort. Dies hat auch einen guten Grund, nachdem neue Daten zeigen, dass die Lagerbestände in den chinesischen Hafenmetropolen immer noch ansteigen. Trotz dieser massiven Überkapazitäten fördern Abbaukonzerne wie Rio Tinto & Co. Eisenerz nach wie vor in rauen Mengen. Das Überangebot an den globalen Märkten ist gewaltig, viele im Sektor aktive Unternehmen werden in den nächsten Monaten das Zeitliche segnen. Den Brancheriesen kann das nur recht sein, weil durch das potenzielle Ausscheiden von Wettbewerbern eine Chance auf die Steigerung der eigenen Marktanteile besteht.

Analysten: Chinas Hafenlager zum Bersten gefüllt

Die Australia & New Zealand Banking Group geht in Bezug auf deren Analystenprognosen davon aus, dass sich die Lage an den Eisenerzmärkten in den kommenden Quartalen noch weiter verschärfen wird. Diese Ansicht wird auch durch die Bank Macquarie geteilt. Primärer Grund für den an den Tag gelegten Pessimismus sind die bis zum Bersten gefüllten Lager in Chinas Hafenmetropolen.

Laut ANZ weisen die jüngsten Sektorproduktionszahlen darauf hin, dass die Eisenerzvorräte in China in den nächsten Monaten noch weitaus deutlicher ansteigen werden. Nachdem der Preis für eine metrische Tonne Eisenerz unter die Marke von $50 rutschte, dürfte aus diesem Grund in den nächsten Wochen mit einem sich fortsetzenden Preisrückgang zu rechnen sein.

Steigende Lagerhaltung - sinkende Preise

Unter Bezugnahme auf in der vergangenen Woche publizierte Daten von Shanghai Steelhome sind die Eisenerzlagerbestände in China in der letzten Oktoberwoche um 1% auf knapp 85 Millionen metrische Tonnen geklettert. Damit erfolgte der dritte Wochenzuwachs in Folge. Allein in dieser Periode legten Chinas Eisenerzbestände um weitere 5,32% zu.

Der Eisenerzpreis sank im Monat Oktober erneut um mehr als 11%, woran insbesondere die anhaltende Flutung der Eisenerzmärkte durch kostengünstig produzierende Konzernen wie Rio Tinto, Vale do Rio Doce & Co. einen erheblichen Anteil hatte. Hinzu kommt, dass sich Chinas Nachfrage deutlich am Abkühlen ist.

In diesem Kontext empfiehlt sich auch das Lesen meines vor Kurzem publizierten Berichts Baosteel-Chef prophezeit nationaler Stahlindustrie dramatischen Einbruch. Hier berichtete ich, dass Chinas Stahlindustrie vor einem jahrelangen Abschwung – ähnlich wie seinerzeit Japan oder die Vereinigten Staaten – zu stehen scheint, der mit einem Einbruch der nationalen Rohstahlproduktion von 20% oder mehr einhergehen dürfte.

Einkaufsmanagerindex für Stahl signalisiert weiterhin deutliche Kontraktion

Jedenfalls wird eine solche Entwicklung unter Chinas Stahlindustriebaronen auf eben jene Weise an die Wand gemalt. Der zu Beginn dieser Woche publizierte Einkaufsmanagerindex für Chinas produzierendes Gewerbe gibt ebenfalls recht wenig Anlass für Hoffnung auf eine bevorstehende Kehrtwende.

Nicht nur, dass der Gesamtindex im Oktober den dritten Monat in Folge schrumpfte. Auch der Subindex für die heimische Stahlindustrie rutschte von 43,7 Punkten weiter auf 42,2 Punkte ab. Damit liegt dieser extrem wichtige Subindex weit unterhalb der Marke von 50 Punkten, die Wachstum von einer Kontraktion der Aktivitäten trennt.

Chinas Stahlnachfrage lässt im bislang beispiellosen Tempo nach...

Momentan lässt sich beobachten, dass Chinas Stahlnachfrage weiterhin in einem nicht zuvor gesehenen Tempo am Sinken ist. Die meisten der im Reich der Mitte aktiven Stahlmühlen und Stahlhersteller fahren zurzeit teils hohe Verluste ein, weil es längst zum Ausbruch von hart geführten Preiskämpfen an den Heimatmärkten gekommen ist. Darauf wurde in der letzten Woche auch in einem neuen Bericht der China Iron & Steel Association eingegangen.

Zu Beginn dieser Woche rutschte der Preis für Eisenerz mit einem Reinheitsgrad von 62% um weitere 0,8% auf $49,51 pro metrische Tonne ab. Nach einer kurzen Erholungsphase, die eher technisch bedingt gewesen ist, rutschte der Eisenerzpreis damit erneut unter die Marke von $50 pro metrische Tonne.

Im Juli dieses Jahres wurde ein Rekordtief erreicht, nachdem der Preis bei $44,58 einen temporären Boden ausgebildet hatte. China ist der größte Stahlhersteller der Welt und steht für rund die Hälfte der globalen Stahlproduktion Pate. Trotz der deutlich sinkenden Nachfrage legten die Stahl- und Eisenerzimporte im September dennoch signifikant zu.

...mit Folgewirkungen für Vorlieferanten

Australiens Eisenerzausfuhren, die im August ein Rekordhoch von knapp 34 Millionen Tonnen erreichten, lagen im September mit 33,81 Millionen Tonnen nur knapp unterhalb dieses im Vormonat erreichten Rekordwerts. Auch Brasiliens Eisenerzexporte nach China beliefen sich im September auf 35,62 Millionen – und somit den höchsten Wert in diesem Jahr.

Komisch ist diese Entwicklung allemal, da die meisten Stahlmühlen in China ihre Produktion aufgrund der äußerst schwachen Stahlpreisentwicklung weiter drosseln. Zudem lässt sich absehen, dass Chinas Stahlproduktion in den Wintermonaten noch deutlicher sinken dürfte, weil die im Norden des Landes gelegenen Stahlmühlen aufgrund der Wetterbedingungen ihre Produktion normalerweise komplett aussetzen.