Die Statements des an den Finanzmärkten viel beobachteten Netzwerksausrüsters Cisco Systems reihten sich gestern Abend nahtlos ein in ähnliche Aussagen von Schwergewichten im Dow Jones Index. Demnach ist es um die wirtschaftliche Lage weitaus weniger gut bestellt als es uns die US-Regierung und Federal Reserve Glauben machen wollen. Eine Vielzahl von Unternehmen hat die Berichtssaison zum 2. Quartal dazu genutzt, um vor einer wachsenden Unsicherheit zu warnen, den Ausblick zu senken oder Anleger gar auf fallende Gewinne einzustimmen.

Nun, liebe Leser, warum überrascht uns das nicht? Ganz einfach deshalb nicht, weil wir auf dieser Welle seit Dezember 2012 davor warnen, dass der Gewinnentwicklungszyklus im Unternehmenssektor – und bitte beachten Sie hierbei, dass die meisten dieser Gewinne durch die QE-Maßnahmen der Notenbanken stark inflationiert wurden – seinen Wendepunkt erreicht zu haben scheint. Aussagen und Statements dieser Art haben wir in den sich an die Berichterstattung anschließenden Telefonkonferenzen in Hülle und Fülle erhalten. Oder wie liest sich in diesem Zusammenhang selbst die Gewinnwarnung durch das stark von Zyklen abhängige deutsche Chemieunternehmen BASF?!

Nachbörslich geriet die Aktie von Cisco System deutlich unter Abgabedruck. Die Aussagen von Cisco könnten im heutigen Handel auf dem gesamten Technologiesektor lasten.

Hinzu kommt, dass die Berichtssaison in nicht gerade wenigen Fällen enttäuschte. Selbst die bereits durch Analysten tief gestapelten Erwartungen wurden in einigen – viel beachteten – Fällen nur mehr schlecht als recht überboten oder blieben sogar darunter. Doch Sorgen sollte einem eher machen, dass die Unternehmen nicht gerade allzu positiv in Bezug auf ihren zukünftigen Gewinnentwicklungsausblick sind. Wie verträgt sich das mit durch billigem Kapital aufgepumpten Aktien- und Junkbondmärkten?! Cisco-Chef John Chambers erklärte gestern Abend, dass die Lage im gesamten Technologiesektor mit einer hohen Unsicherheit behaftet sei. Und genau das wollten Analysten und Investoren an den Finanzmärkten eben nicht hören.

Diesen Chart hatte ich Ihnen bereits am 4. April in „USA: Hype lass nach; weiterer Blick unter die Kruste“ präsentiert. Dieser Chart zeigt den S&P 500 Index auf inflationsbereinigter Basis. Wie man schön sieht, hat der S&P 500 auf dieser Basis aktuell gerade einmal sein Niveau aus dem Jahr 1997 erreicht. Was sagen eigentlich unsere „Aktien-Experten“ dazu, die sich dem Motto verschrieben haben, mit einer Buy and Hold Strategie über Jahre nichts falsch machen zu können?! Ich hatte es im März geführten Gespräch mit Frank Meyer schon erwähnt. Manche Leute scheinen den Unterschied zwischen real und nominal nicht zu kennen.

Resultat ist, dass die Aktie von Cisco im nachbörslichen Handel ein Rausch in die Tiefe antrat (siehe Abbildung 1). Chambers rundete seine Ausführungen ab, indem er vor einem anhaltend herausfordernden Weltwirtschaftsumfeld und einem inkonsistenten makroökonomischen Umfeld warnte. In einer Telefonkonferenz mit Analysten setzte Chambers noch einen drauf, indem er erklärte nicht davon auszugehen, dass sich daran in absehbarer Zukunft etwas ändern werde. Diese wirtschaftliche Erholung sei weitaus inkonsistenter als alle anderen, die er bislang erlebt habe. Ja muss man sich denn darüber wundern, wenn sich in einem globalen System die faulen Schulden stapeln, die lediglich durch eine rücksichtslose Geldpolitik und Zinsmanipulationen der Notenbanken bis dato vor einer Implosion bewahrt wurden?

Auch diesen Chart präsentierte ich Ihnen bereits am 4. April. Stetig sinkende Löhne und Gehälter, Entlassungen, Kostenreduzierungen, Sparprogramme, Produktivitätszuwächse, Bilanztricksereien und Aktienrückkäufe waren in den letzten Jahren die primären Faktoren für die stark wachsende Profitabilität unter US-Unternehmen. Doch diese Aktivitäten sind nicht endlos fortfahrbar, weshalb das Gewinnwachstum einen Rollover nach erreichtem Höhepunkt erleben wird. Dieser Zeitpunkt scheint nun da zu sein. Während die Einkommen der Verbraucher durch den enormen Lohn- und Gehaltsdruck sowie die rekordniedrigen Zinsen kannibalisiert wurden, müsste die Bevölkerung weiter wachsen, um neues Absatzwachstum zu generieren. 

Nun, berücksichtigt man, dass auch die Zinsen an den Bondmärkten weiter steigen, braut sich da gerade ein doch recht explosives Gemisch zusammen. Es wird sich zeigen, wie lange sich die Aktien- und Hochrisikoanlagemärkte dieser bedenklichen Entwicklung entgegenstemmen können. Nun, sicher ganz interessant, was Mark Hulbert zuletzt zum Gewinnausblick im US-Firmensektor zu berichten wusste. Seinen Berechnungen zufolge sei nicht auszuschließen, dass Konzerne in den Vereinigten Staaten einer Periode mehrerer Dekaden mit rückläufigen P/E Ratios entgegenblickten. Diese Ansicht deckt sich übrigens mit unserer Berichterstattung in den letzten Monaten. Ausschlaggebend für eine solche Prognose seien laut Hulbert vor allem historische Beobachtungen zur Korrelationen zwischen der Zinsentwicklung und den P/E Ratios im Unternehmenssektor.

Langsam zeigt sich, dass inflationierte Unternehmensgewinne in großer Anzahl viel weniger auf organischem Wachstum als vielmehr auf einer voranschreitenden Technologisierung und Automatisierung und Entlassungen basierten. Wie schon zuvor zu dieser Entwicklung berichtet, lässt sich aus den Mitarbeitern nun jedoch kaum mehr etwas herausquetschen. Folge ist, dass der Gewinnentwicklungszyklus überschritten ist. Ein weiterer Aspekt, den es in diesem Zusammenhang zu beachten gilt, ist der weiterhin auf sich warten lassende Aufschwung der Kapitalinvestitionen im Unternehmenssektor – wenn man von den in den letzten Jahren getätigten Investitionen in Technologieneuerungen zum Mitarbeiterabbau einmal absieht.

Ich bin auf dieses Thema unter anderem in

 oder

eingegangen.

Und auch diesen Chart präsentierte ich Ihnen bereits am 4. April. Mit Blick auf den Crestmont PE/Ratio Generator, der die Korrelation von Firmengewinnen und Inflation abbildet, bedanke ich mich bei Doug Short für diesen nützlichen Indikator. Schauen Sie sich selbst an, wo wir – im historischen Verlauf betrachtet – gerade stehen.

Neueste Daten zeigen, dass sich auch diese Ansicht als richtig erwiesen zu haben scheint. Denn laut einer neuen Studie der Ratingagentur S&P sei damit zu rechnen, dass die Kapitalinvestitionen (CAPEX) im Unternehmenssektor sowohl in diesem als auch dem nächsten Jahr rückläufig sein werden. Ja aber genau auf den gegenteiligen Meinung sollte doch der Beginn eines neuen Superbullenmarktes basieren. Laut S&P würden Hoffnungen enttäuscht, die auf Basis von potenziell wachsenden Kapitalinvestitionen mit einer Ankurbelung der ökonomischen Erholung rechneten. Nun, eine Absage an diese Hoffnungen hatte ich Ihnen bereits im März dieses Jahres in obigen Berichten erteilt!

Ganz im Gegenteil haben sich die Kapitalinvestitionen im Unternehmenssektor im Jahr 2012 abgeschwächt, wie S&P ausführte. Im laufenden Jahr sei mit einer Schrumpfung von weiteren 2% zu rechnen, während es in 2014 sogar zu einem Rückgang von –5% kommen soll. Nun, lieber Leser, was sind denn unter Berücksichtigung dieser deutlich schrumpfenden Kapitalinvestitionen unter den Unternehmen und tendenziell rückläufigen Firmengewinnen bei teils astronomischer Verschuldung die Eckpfeiler, auf dem dieser herbeigebetete neue Superbullenmarkt basieren soll? Geht bei Ihnen gerade ein Licht auf?