Hagen, den 5.11.2013

Mein lieber Frank,

ein wenig war ich zunächst doch erschrocken und ziemlich irritiert, als gerade Du mir am Telefon – beinahe ein wenig schamhaft – erklärtest, Du hättest etwas angestellt. Oder sagtest Du „ausgefressen“? Im ersten Moment hatte ich fast damit gerechnet, Du hättest in den Sack gehauen. Hättest Deinen Job beim Fernsehen aufgegeben, weil Du den täglichen Wahn- und (Un)Sinn an den Finanzmärkten und in der Politik nicht mehr ertragen konntest. Tatsächlich hatte ich Angst, Du könntest für immer nach Mallorca ausgewandert sein, weil Du einfach nicht mehr darüber berichten wolltest, was Notenbanken und Banken in heiliger Allianz mit unseren Volks(ver)tretern tagtäglich verzapfen.

Doch vielleicht - dachte ich mir - war der Grund auch nur, dass Du einfach keine Lust mehr hattest, Dich in Euro bezahlen zu lassen. Ja, genau! Das hätte ich Dir zugetraut! Vor meinem geistigen Auge sah ich Dich vor Deinem Chef stehen, der einfach nicht verstehen wollte, dass Du zukünftig auf eine Bezahlung in harten Unzen - nicht nur Wert legst, sondern - unabdingbar bestehst. „Lasst mich doch endlich in Ruhe mit euren aus dem Nichts (?) erzeugten Euronen, diesen elektronischen Verrechnungseinheiten, diesem Papier-, Schein- und angeblichen europäischen Friedensgeld mit neuerdings unleserlichen kyrillischen Buchstaben. Gebt mir einfach Unzen, sonst rühr´ ich keinen Finger mehr!“, hörte ich Dich in meiner Phantasie wütend schnauben.   

Doch weit gefehlt. Da habe ich Deine Zähigkeit unterschätzt und mich im Gegenteil sehr gefreut, dass Du der Mattscheibe erhalten bleibst und ich weiterhin Deinen oftmals süffisanten, meistens auch sarkastisch-humorvollen Kommentaren (In Schriftform liebe ich sie fast noch mehr, da noch deutlicher!) lauschen darf und immer schön auf das Nichtgesagte zwischen Deinen Zeilen achte. Und noch mehr war ich entzückt, als Du mir Kund tatest, Du hättest ein Buch - nämlich Dein persönliches MONEY FEST - geschrieben. Ein Buch über den täglichen Wahn und Sinn an den Kapitalmärkten.

Schon einen Tag später hatte ich es im Briefkasten. Und ich wusste ganz genau, was mich erwarten sollte! Ein Buch voller Esprit, schonungsloser Abrechnung, gewaltigem Wortwitz und einer gehörigen Portion – wie soll ich es nur nennen? – positiven, teils defensiven Pessimismus, den Du ja immer gerne und wahrscheinlich richtigerweise als puren Realismus bezeichnest.

Natürlich habe ich gleich angefangen Dein persönliches MONEY FEST zu lesen und bin noch immer gänzlich hingerissen von Deinen vielen politisch höchst unkorrekten Sätzen:

„Wirtschaft und Börse sind gefährliche Angelegenheiten wie Politik und Frauenklatsch.“

„Viel gefährlicher aber sollen 500-Euro-Scheine sein. Sie werden angeblich zum Inhalieren eines weißen Pulvers genutzt – Gerüchten zufolge auch in Banken zur Erhöhung der Effizienz der Mitarbeiter.“

„Ob wir es wollen oder nicht, Brüssel ist das zukünftig zentrale Steuerungselement dieses Kontinents. Mit seinen überbezahlten und in den Sitzungen selten anwesenden Parlamentariern, die selbst in ihren Heimatländern völlig unbekannt sind, machen sie sich darüber her, den Kontinent neu zu ordnen.“ 

Einfach herrlich! Und sei Dir gewiss: Gerade bei solchen Sätzen ist es erstens überflüssig und zweitens falsch, dass Du glaubst, für mich persönlich gäbe es nichts Neues in Deinem Buch zu entdecken. Da hast Du mich an dieser Stelle völlig überschätzt. Und vor allem konnte ich eine Menge Dinge finden, die mich einmal mehr meinen eigenen derzeitigen Standpunkt überprüfen lassen. Denn wir beide wissen, dass wir natürlich nicht in all den vielen Aspekten, die das Geldwesen betreffen völlig übereinstimmen. Doch natürlich hast Du Recht: Dein Buch dürfte sich gerade für Menschen, die verzweifelt nach einem Sinn suchen und dabei das Gefühl haben zur fetten Beute des Wahnsinns zu werden als äußerst wertvoll erweisen, um nicht völlig durchzudrehen.

Doch natürlich bleiben auch zu Deinem Buch Fragen offen. Für mich einsam Verwirrten jedenfalls. Für andere wahrscheinlich nicht. Zum Beispiel hinsichtlich der Schaffung des Geldes aus dem angeblichen Nichts. Natürlich ist es richtig, dass Währungen früher einen Goldanker hatten. Eine Art Fußfessel gegen hohe Schulden wie Du schreibst, obwohl es auch damals schon Gefängnisse für säumige Schuldner – die Schuldtürme – gab. Doch ist die heutige Geldschöpfung tatsächlich eine Schöpfung von Geld aus dem Nichts, wenn sich doch Banken grundsätzlich das Recht nehmen bei einer Nichtbedienung von Schulden auf bestehende Sach- und sonstige Werte zugreifen zu können? Na ja, – dieses Recht wurde Ihnen wohl gegeben, weil die Experten (Vorsicht, liebe Mitleser! Ein Schimpfwort!) heute größtenteils immer noch überzeugt sind, Banken würden das Geld anderer Leute weiterverleihen.

Doch nichtsdestotrotz stellt sich die Frage, ob das ursprüngliche Prinzip der heutigen Geldschöpfung tatsächlich so furchtbar gruselig und grausig ist. Und ich rede an dieser Stelle ausdrücklich nicht von den Auswüchsen. Beispielsweise von unbesicherten Krediten an Hedgefonds und andere MFIs, um deren Eigenkapital zu hebeln. Oder auch von den gewährten Hypotheken in sechsstelliger Höhe auf amerikanische Holz- oder vielleicht auch nur Hundehütten. Doch trotz allem: Macht es vielleicht doch Sinn, Geld dann zu erschaffen, wenn es gebraucht wird und es wieder zu vernichten, wenn es seinen Dienst getan hat? Macht es wirklich Sinn, Gold erst mühselig aus- und später wieder unter den Straßen New Yorks einzugraben?

Lieber Frank, in Deinem MONEY FEST schreibst Du des Weiteren, dass Geld den Charakter verderbe und überraschenderweise doch nicht frei von Gerüchen sei:

„Geld verdirbt manchen Charakter. Vor allem ist es eines: ekelerregend und schmutzig. Auch der Euro modert und müffelt vor sich hin, wenn auch nicht so schlimm wie die norwegische Krone oder der russische Rubel, wie Untersuchungen der Oxford University zur Verschmutzung der Geldscheine gezeigt haben.“

Ich bin mir bewusst, dass Du im MONEY FEST nicht explizit eine Golddeckung forderst. Und doch lese ich – zwischen den Zeilen – dass Du ein solches Modell favorisieren würdest. Doch liegt der Segen tatsächlich darin, dieses dreckige Geld wieder an einen Goldanker zu ketten? Der dann auch in der Vergangenheit - wie Du selbst schreibst - immer wieder durch Manipulationen, meistens durch Verminderung des Edelmetallanteils in den Münzen ausgehöhlt wurde. Würde ein strenger Goldanker tatsächlich dafür sorgen, dass der Teufel nicht mehr auf den größten Haufen sch...? Denk daran, was Deine Oma Dir erzählt hat! Er tut es immer. Goldgeld ist immer auch Zinsgeld. Und wenn die Zinsen und sonstige Kapitalerträge über kurz oder länger nicht wieder verkonsumiert werden, wird´s langfristig gesehen grundsätzlich blöd. Für die meisten jedenfalls.

Und sind es nicht eben diese großen Haufen, die die eigentlichen Probleme und die des fehlenden Geldes beim Rest der Gesellschaft verursachen? Kurzum sollte man nicht darüber nachdenken, unserem Geld zu helfen und es von seinen sich widersprechenden Aufgaben zu befreien, nämlich gleichzeitig Aufteilungsmittel und Wertspeicher zu sein? Stichwort: Fließendes Geld und Sachwertsparen - beispielsweise in Gold und Silber. Möchten wir wirklich Wertspeicher von ekelerregenden und schmutzigen goldgedeckten Geldscheinen, auf denen laut Oxford University in der Tat durchschnittlich 11.000 Bakterien eine Heimat finden oder gar den Banken unsere Goldgeldvermögen als Schulden anvertrauen? Das alte Spiel wieder spielen. Du weißt, was ich meine …

Vielleicht hast Du Recht und es wäre wirklich besser, Gold und vor allem auch antiseptisches Silber zu benutzen, um den Bakterienkulturen Herr zu werden. Doch hätten wir nach einer erneuten Umstellung auf einen Gold- und Silberanker nach einer gewissen Zeitspanne nicht wieder ein ähnliches Ergebnis wie heute? Stände die breite Masse nach wenigen Jahrzehnten nicht schon wieder mit leeren Händen da? Und würden die mit der Zeit immer mehr und bei nur Wenigen anwachsenden Haufen nicht dazu führen, dass zwar nicht die Menge an Edelmetall, dafür aber dessen Kaufkraft übermäßig inflationierte?

Lieber Frank, denk jetzt bitte nicht, ich gehörte nicht zu den Gold- und Silberbugs. Zu diesen seltsamen Menschen mit den seltsamen Sorgen. Oder zu jenen, die es als Teufelszeug bezeichnen. Und doch sind meine Ansichten über Geld, Gold und den ganzen Kram vielleicht noch merkwürdiger als Deine. Für mich persönlich ist das schwierig genug. Ich hoffe sehr auf Dein Verständnis und Nachsicht.

Du kennst das ja, wenn man nachts beim Silbermond nicht schlafen kann und rumgrübelt über diesen Wahn und Sinn...

Ganz liebe Grüße und herzlichen Glückwunsch zu Deinem tollen Buch

Dein Helmut

MEYERS MONEY FEST

Gebundene Ausgabe: 240 Seiten

Verlag: Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA;

Auflage: 1. Auflage (2. Oktober 2013)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 352750754X

ISBN-13: 978-3527507542

Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14,8 x 2,4 cm

Preis: € 19,99