Darf man das? Darf man jemandem wie Florian Homm eine Plattform geben und sein neues Buch vorstellen und rezensieren? Ich glaube nicht nur, dass man das darf, sondern auch unbedingt tun sollte. Denn alles andere wäre Zensur. Und die Zensur ist nichts anderes als eine überaus perfide Kollektivierung der Gedanken, die bereits nicht nur einmal dazu geführt hat, dass wertvolles Wissen und außerordentliche Gedanken in Flammen aufgegangen sind. Und genau diese Verstaatlichung von Ideen und Gedanken ist für viele Probleme auf dieser Welkt verantwortlich. Nicht nur im Kleinen, auch im ganz Großen. Lassen Sie uns also entspannt über das Endspiel von Florian Homm sprechen. Denn es sind seine Worte und Betrachtungsweisen. Und es gibt keinen Grund, ihn zu ignorieren. Im Gegenteil! Würde man Florian Homm nicht einmal zuhören, verlöre man die Chance ihm zu widersprechen.

Florian Homm war einer der ganz Großen in der Finanzwelt: überaus erfolgreich und zielstrebig, vor allem mit dem Mittel von Short-Spekulationen. Er war ganz vorne und spielte in der ersten Liga. Genauso heftig war sein Absturz. In seinem neusten Buch mit dem Titel „Endspiel - Wie Sie die Kernschmelze des Finanzsystems sicher überstehen“ erklärt Homm in klaren Worten und allgemein verständlich, warum unser Finanzsystem entweder in kurzer Zeit auseinanderfliegen oder alternativ einen langsamen Tod sterben wird.

Leben

Florian Homm wurde am 7. Oktober 1959 in Oberursel geboren. Sein Vater betrieb ein mittelständisches Handwerksunternehmen. Homm studierte an der renommierten Harvard University in Cambridge, die er mit einem Master of Business Administration abschloss. Danach arbeitete Homm für Merrill Lynch, den US-Fondsanbieter Fidelity Investments, für die Schweizer Privatbank Julius Bär und für die amerikanische Vermögensverwaltung Tweedy Browne.

Schon bald nach seiner Selbstständigkeit mit der Investmentgesellschaft Value Management & Research AG (VMR), wurden erste Vorwürfe laut, dass Florian Homm mit öffentlich gemachten Analysen Kurse beeinflusse, um davon als Investor zu profitieren.

Mit dem Hedgefonds Absolute Capital Management Holdings Ltd. (ACM) erlebte Florian Homm seine erfolgreichste berufliche Phase. Er verwaltete rund drei Milliarden Euro an Kundengeldern und zählte damals zu den 300 reichsten Deutschen. Einer breiten Masse wurde Florian Homm durch sein finanzielles Engagement bei Borussia Dortmund bekannt. Er rettete den finanziell angeschlagenen Verein mit einer 20-Millionen-Euro-Geldspritze, obwohl er den BvB ursprünglich an russische Oligarchen verschachern wollte.

Die Flucht

Im September 2007 flüchtete Florian Homm und tauchte unter, da herausgekommen war, dass viele Investments des ACM intern viel zu hoch bewertet waren. Der Aktienkurs des ACM verlor bis zum Sommer des nächsten Jahres 94 Prozent seines Werts. Das verwaltete Vermögen des Fonds schrumpfte von ehemals 3 Milliarden Dollar auf 2,3 Millionen.

Es folgte eine regelrechte Räuberpistole, bei der betrogene Anleger sogar ein Kopfgeld in Höhe von 1,5 Millionen Euro auf Homm ausgesetzt haben sollen. Im März 2013 war Homm gemeinsam mit Sahra Wagenknecht zu Gast in der ZDF-Talkshow Peter Hahne. Dieses interessante Gespräch (Finanzhai trifft Sozialistin) können Sie hier auf YouTube ansehen. Florian Homm konnte das Fernsehstudio in Berlin im Anschluss unbehelligt verlassen.

Festnahme in Italien

Nur fünf Tage nach der Sendung wurde Florian Homm in Italien festgenommen. Die US-Bundespolizei hatte zuvor einen internationalen Haftbefehl gegen Homm erwirkt, um ihn in den USA vor Gericht stellen zu können. Im Juni 2014 wurde er aus der Untersuchungshaft in Italien freigelassen, da die Höchstdauer der U-Haft abgelaufen war. Zu einer Auslieferung an die USA kam es bis heute nicht, zudem wird in der Bundesrepublik nicht gegen Homm ermittelt. Näheres werden Sie, liebe Cashkurs-Leser, demnächst in einem geplanten Video-Interview mit Florian Homm erfahren, auf das ich sehr gespannt bin und auch hoffe, dass es terminlich klappt.

Endspiel

Nun zum Buch: Der Autor beschreibt zunächst sein mehr als abenteuerliches Leben, das letztendlich einen vorläufigen Abschluss in einem italienischen Knast fand. Seinen Schwerpunkt legt Homm nicht auf die Auslöser und Ursachen der Probleme, sondern vielmehr auf Lösungen. Hierbei richtet sich das Buch grundsätzlich an Normalsterbliche und den Otto-Normal-Verbraucher.

Zunächst analysiert Homm die derzeitige Lage der Wirtschaft und an den Finanzmärkten. Er beschreibt den Weg in die Schuldenkrise und nennt die Verantwortlichen beim Namen. Intensiv geht er auf Marktmanipulationen, die Rolle der Politik und Zentralbanken ein, wobei einen großen Crash in näherer Zukunft für sehr wahrscheinlich hält. Er favorisiert dabei das Szenario des Schreckens ohne Ende, wobei das Ende unausweichlich kommen wird. Er glaubt nicht daran, dass die politischen Entscheidungsträger überhaupt willens sind, nötige Reformen an den Finanzmärkten einzuleiten, geschweige denn durchzusetzen.

In den weiteren Kapiteln werden verschiedene Anlageklassen intensiv und realistisch betrachtet. Investments beispielsweise in Gold und Betongold werden nicht verteufelt, aber eben auch nicht als ultimative Risikoabsicherung betrachtet.

Der zweite Teil des Buches widmet sich möglichen Zukunftsszenarien, die auch auf cashkurs.com immer wieder thematisiert werden. Für die Entwicklung der Weltwirtschaft zeichnet Homm ein düsteres Bild. Die Tendenz zeigt seiner Meinung nach ganz klar nach unten. Große Sorge bereiten ihm hierbei die engen globalen Verknüpfungen der Wirtschaftsteilnehmer. Jede wirtschaftliche Abschwächung in einzelnen Ländern bleibt hierbei nicht ohne Auswirkungen auf andere Regionen der Welt. Die globale Vernetzung habe die Risiken für die Realwirtschaft enorm erhöht und kaum jemand kann sich dem entziehen.

Fazit

Man mag Florian Homm nicht sympathisch finden, doch trotzdem ist sein Buch überaus lesenswert. Der Autor spricht eine klare Sprache und nimmt kein Blatt vor den Mund. Das Endspiel hat aus Sicht des Autors bereits begonnen, auch wenn das Zweckoptimisten anders sehen wollen. Florian Homm prognostiziert eine siebzig prozentige Wahrscheinlichkeit für eine globale Wirtschafts- und Finanzkrise bis 2017. Um sich auf das Szenario eines kommenden Crashs vorzubereiten rät er dringend dazu, Risikofaktoren und unnütze Kosten abzubauen. Beim gleichzeitigen Aufbau von Reserven und Besinnung auf das Wesentliche, um beim Endspiel möglichst gut positioniert zu sein.

Taschenbuch: 192 Seiten / € 14,95

Verlag: FinanzBuch Verlag (15. Februar 2016)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 389879962X

ISBN-13: 978-3898799621

Größe und/oder Gewicht: 13,5 x 1,2 x 21 cm