Weder Inflationen, noch Deflationen oder Staatspleiten ließen Gold über die vielen Jahrhunderte jemals wertlos werden. Ganz im Gegensatz zu den vielen Papierwährungen, die gerade im 20. Jahrhundert in Folge von Staatskonkursen und als Ergebnis von Hyperinflationen untergingen und die man seitens der Politik auf ihren natürlichen Wert von Null zurückfallen ließ. Eine Maßnahme, die im Wesentlichen dazu diente, Staatsschulden und private Geldvermögen wieder auf ein – für die staatlichen Schuldner und auch steuerzahlenden Bürger der Mittel- und Unterschicht – erträgliches Maß zurückzuführen. Genau aus diesem Grund sollte man die derzeitige Schuldenkrise immer auch und vor allem als Guthaben-Gläubiger-Krise begreifen. Der IWF mit seinem gerade vorgetragenen Vorschlag einer 10%igen Vermögensabgabe für jedermann lässt an dieser Stelle ganz herzlich grüßen.  

Ganz gleich, ob man tatsächlich eine vollständig durch Gold gedeckte Währung oder eine Goldkernwährung mit Proportionaldeckung (nur ein Teil des umlaufenden Papiergeldes ist durch Gold gedeckt) für sinnvoll und erstrebenswert halten mag: Unter oben genannten Umständen liegt der Verdacht nahe, dass es heutzutage durchaus im Interesse von Politik und Zentralbanken liegen könnte, den Preis von Edelmetallen als Konkurrenz zum Fiat-Money zu manipulieren und zu drücken. Hintergrund ist hierbei, eine Flucht aus dem Papier- und Giralgeldsystem hinein in die unvergänglichen und wertbeständigen Edelmetalle zu verhindern, um das derzeitige System und insbesondere die bestehenden Machtverhältnisse aufrecht zu erhalten. Denn die Macht über Geldschöpfung und Notenpresse garantiert die Macht in Wirtschaft und Politik.

Reflektieren wir die heutigen Zeiten, finden wir zahlreiche Beispiele für Manipulationen an den Finanzmärkten. So müssen wir beispielsweise feststellen, dass die Deutsche Bank gerade fünfzig Mitarbeiter im Skandal um die Manipulationen des Libor und Euribor befragen will, um so Licht ins Dunkel dieser Machenschaften zu bringen. Und eben diese Deutsche Bank hat mindestens fünf ihrer Händler des Geldmarktteams suspendiert, weil diesen in diesem Zusammenhang Fehlverhalten und Betrug angelastet wird. Wobei sich an dieser Stelle natürlich auch die Frage stellt, ob sich die Finanzwelt schon so weit von der realen abgekoppelt hat, dass die Staatsanwaltschaften dieser Welt scheinbar gar nicht mehr für das Finanzkasino zuständig zu sein scheinen und vielmehr Böcke in Nadelstreifen die Aufgaben der eigentlich zuständigen Gärtner zu erledigen haben.

Natürlich passieren Interventionen und Manipulationen an den Finanzmärkten eher regelmäßig und sind nicht etwa die Ausnahme. Das beginnt bei Stabilisierungen von Währungskursen durch Notenbanken und endet beispielsweise beim Rohstoffhandel großer Investmentbanken. Erinnert sei an die Einlagerung von einem Viertel des weltweit produzierten Aluminiums in riesigen Lagerhäusern in Detroit durch Goldman Sachs, um die Preise für das Metall auf hohem Niveau zu halten.

    

Es erscheint demnach überaus naiv, dass heutzutage eine mögliche Manipulation der Edelmetallmärkte immer noch äußerst schnell als Verschwörungstheorie abgetan wird. Gerade auch Vertreter der Charttechnik und insbesondere verschiedene Elliott-Wellen-Analysten bestreiten eine absichtliche, mutwillige und systematische Drückung von Edelmetallkursen und glauben jede Kursentwicklung richte sich nach den Gesetzen des unsichtbaren Mister Market in Form von Wellenverlaufsmustern.

In der Neuauflage seines Buches „Geheime Goldpolitik – Warum und wie Zentralbanken den Goldpreis steuern“ macht der Autor und anerkannte Goldexperte Dimitri Speck auf eindrucksvolle Weise Schluss mit diesem Verschwörungstheorem. Er weist implizit – beispielsweise anhand einer Analyse von zusammengefassten Intraday-Charts nach, dass systematische Interventionen und Kursmanipulationen beim Goldpreis bereits seit dem 5. August 1993 durchgeführt werden, um sie auch hinsichtlich ihrer Wirkung auf die Marktteilnehmer zu begutachten.

Kapitel 19 – 5. August 1993, 8.27 Uhr: Der Beginn der systematischen Goldinterventionen

[...] So bezeichnete das Wall Street Journal am Folgetag den Rückgang als „Verkaufsblitz“, um darzulegen, dass die Bewegung völlig unerwartet und weit jenseits aller Erfahrungswerte war (im Englischen drückt das seit dem Zweiten Weltkrieg infolge des Blitzkrieges gebräuchliche Lehnwort „Blitz“ wie kaum ein anderes die überraschende Qualität eines Vorgangs aus). Marktteilnehmer wurden mit Formulierungen wie „brutal“ und „Blutbad“ zitiert. [...] Die Vielfalt an Begründungen deutet eher auf Vermutungen und ist ein Hinweis, dass der Grund für den Rückgang letztlich nicht bekannt war. [...] Die Intervention begann aber bereits ihre Wirkung zu zeigen, denn es rührten sich erste Zweifel, ob denn der Bullenmarkt für Gold weitergehen würde. [...]

Dimitri Speck unterteilt in seinem Buch die methodisch-strukturierten Goldinterventionen in drei klar voneinander zu unterscheidenden Phasen:

Interessant an dieser Stelle ist natürlich die gegenwärtige Situation im Jahr 2013. In welcher Phase der geheimen Goldpolitik befinden wir uns zurzeit? Nach Meinung des Autors stehen wir an der Schwelle zur Beendigung der Goldinterventionen, die einhergeht mit dem Zurückfahren des manipulativen Verleihens von Gold und der Beendigung der Gold-Carry-Trades (siehe Abb. 2 und 3). Zudem entsprechen die Goldverkäufe der Zentralbanken den Rückführungen aus dem Goldverleih, so dass durch die Zentralbanken kein neues Gold mehr auf den Markt geworfen wird. Die Begründung dafür ist bei den Notenbanken zu suchen, die kein Gold mehr verlieren möchten, sondern in den letzten Jahren weltweit wieder vermehrt auf der Käuferseite zu finden waren. Doch bedeutet der Anstieg des Goldpreises seit 2001 nicht, dass keine Interventionen mehr stattfinden, sondern das Ziel vielmehr nur ein Abbremsen der Anstiegsgeschwindigkeit darstellt.

Äußerst interessant sind auch die Kapitel „Finanzmarktkrise 2008 und Eurokrise 2011“ und „Fester Dollar und schwache Minen“ in denen die Gründe für die diversen Abstürze der Edelmetallpreise nach Erreichen der Allzeithochs sowohl in US$ als auch später in Euro und die Eigenartigkeit derselben genannt werden. Diese Interventionen –

teils inmitten einer extremen Zuspitzung der Eurokrise – betrachtet Dimitri Speck als damals notwendiges Mittel der Zentralbanken, um eine Eigendynamik des Goldpreises oberhalb von 2.000 US$ pro Feinunze zu verhindern.  

Fazit: Die Neuauflage von Geheime Goldpolitik ist überaus lesenswert, fundiert und nimmt zudem zu den jüngsten Entwicklungen im Goldmarkt aufgrund von Manipulationen und Interventionen diverser Marktteilnehmer Stellung. Jedoch sollte man sich nicht auf leichte Kost einstellen, sondern vielmehr ein eher wissenschaftlich geschriebenes Buch erwarten, dass dem Leser ein gesundes Maß an Aufmerksamkeit und Konzentration abnötigt.