Ein Glück, heute ist Freitag. In ein paar Stunden ist Wochenende. Ganz so einfach ist es dieses Mal leider nicht. Ehrlicherweise müssten wir das Statement umformulieren in: „So ein Pech, heute ist Hexensabbat – und am Wochenende laufen die Schicksalswahlen des Jahres in Griechenland, Ausgang ungewiss.“ Dies ist kein herkömmliches Wochenende. Die Vorzeichen lassen sogar auf einen sehr chaotischen Verlauf deuten.

Hinterher ist man bekanntermaßen immer schlauer, also müssten wir den Montag oder Dienstag abwarten, um definitiv Bescheid zu wissen. Für den Moment werden die Szenarien geplant, oder, wie es an der Börse heißt, gepreist. Welch irrwitzige Blüten ein solches Gehabe treiben kann, haben die Händler gestern in Athen zu sehen bekommen. Der Index stieg um über zehn Prozent an. Fünf Banken steigen jeweils über 25 Prozent. Geht’s noch?

Alles nur aufgrund gestiegener Chancen für einen Wahlsieg der gemäßigten Konservativen über die radikalen Linken! Die Banken, deren Papiere so euphorisch nach oben gefeiert wurden, erleben zeitgleich den kräftigsten Bankrun ihrer Geschichte. Die Griechen parken, so scheint es, jeden Euro, den sie finden können, im Ausland. Sie befürchten nach Ende der Wahl den „Grexit“ und das totale Durcheinander. Hier passt also mal wieder nichts zusammen.

Derweil gab es auch moderat steigende Kurse an der Wall Street, aber dies lag an der gestiegenen Erwartung auf eine baldige, massive global-konzertierte Notenbankaktionen. Der gute alte Defibrillator-Trick: Damit zuckt auch jemand, der garantiert nie mehr aufwacht. Die Amerikaner bezeichnen solche Kursanstiege sehr bildhaft als „Dead-Cat-Bounce“. Man darf nicht vergessen, dass wohl wieder Shorts eingedeckt wurden. Chaos heißt sie, die neue Normalität.

Trotz eines 100-Milliarden-Euro-Bremsklotzes rast Spanien weiter dem richtigen Chaos entgegen: Zinsen auf neuem Rekord und Banken mit neuem Kapitalbedarf. Frankreich fordert präventiv die totale Rettung, mit EZB und ESM an der Spitze der Bewegung. Dabei ist der ESM nicht stark genug, um Italien und Spanien aufzufangen, ganz zu schweigen von Frankreich und der gesamten europäischen Bankenwelt, die alle mit rein wollen. Verzwickt, verzwickt… Schönes Wochenende!

===== N E W S =====

SPANIENS ZINSEN AUF REKORD, BANKEN WIEDER KLAMM

Knapp sieben Prozent für Zehnjährige, Loch von 60-65 Milliarden bei den Banken…

FAZ

US-BÖRSEN HOFFEN AUF BALDIGE NOTENBANK-AKTIONEN

Es lebe der induzierte Börsenboom – oder zumindest die spekulative Vorfreude…

FOCUS

PANIK-RALLYE MIT ZWEISTELLIGEM PLUS GESTERN AN ATHENER BÖRSE

Alles nur wegen gestiegener Wahrscheinlichkeit auf einen versöhnlichen Ausgang. Irre.

Wall Street Journal

MOODY’S SENKT RATING FÜR FÜNF BANKEN IN DEN NIEDERLANDEN

„Damit auch Ihr Geld groß und stark wird…“, notfalls in der Bankenunion.

WELT

ÄGYPTISCHES PARLAMENT WEGEN „UNGÜLTIGER WAHL“ AUFGELÖST

Spätfrosterscheinungen im Arabischen Frühling. Militär übernimmt wieder.

Berliner Morgenpost

===== H I N T E R G R U N D =====

FRANKREICH RUFT NACH EZB UND ESM ALS TOTALE BANKANRETTER

Wahnsinn oder schlichte Ehrlichkeit? Klar sind die französischen Banken die nächsten…

DMN

SPANIEN UND ITALIEN SIND EINFACH ZU VIEL FÜR DEN ESM

Das Ding ist noch gar nicht verabschiedet, aber die Rechnung ist leider nicht kompliziert.

Handelsblatt

GRIECHEN HEBEN VOR DER WAHL UNMENGEN AN BARGELD AB

Bankrun voll im Gange, die Angst grassiert. Bald ist da nichts mehr übrig.

WELT

IST JAPAN NOCH VOR EUROPA RESTLOS PLEITE?

Soros-Berater sieht Hyperinflation oder Staatspleite binnen fünf Jahren als Folge.

Bloomberg

ZU GUTER LETZT — BRÜDERLE ATTACKIERT TRITTIN WEGEN BILDERBERG

Live im Bundestag, das hat schon was! Im Video ab Stelle 5:35…

youtube

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