Wenn es jemals eine Sache gab, für welche sich der gestandene Deutsche stolz brüsten konnte in der Welt, dann ist es der Export gewesen. Seit dem Ende des Kalten Krieges ist uns der Weltmeistertitel im Fußball leider verwehrt geblieben, aber der zwischenzeitliche Exportweltmeistertitel war eine willkommene Kompensation steht ein Handelsüberschuss doch für brummende Konjunktur. Irgendwie.

Den Gesetzen der Mathematik ist es jedoch wieder einmal geschuldet, dass die Überschüsse der einen an anderer Stelle Defizite hervorrufen müssen, beispielsweise bei den Krisennachbarn im Euroraum. Deren Handelsbilanzdefizite müssen mit Neuverschuldung gefüllt werden, obwohl ihnen die Schulden längst bis zum Halse stehen. Denen ist das deutsche Exportmonster ein Dorn im Auge, eine regelrechte Bedrohung.

Das hat jetzt auch die gemeinsame supranationale Institution der Europäischen Union so anerkannt, denn laut neusten Zahlen hätten die Deutschen eine gewisse Warnschwelle bei ihren Überschüssen gerissen, wo sie nun gar als stabilitätsgefährdend eingestuft werden. Die Botschaft ist klar. Wir sollten uns ganz auf Ludwig Erhard besinnen und Maß halten. Sonst hängt der Haussegen in Europa bald komplett schief.

Das wirft die Sache mit dem Exportstolz nun freilich über den Haufen. Zu leicht steht man da in der Nutznießer-Ecke als Krisenprofiteur. Zu verführerisch der Gedanke, dass unsere vermeintlich bessere Lebenslage auf der ausbeuterischen Exportwirtschaft ruht. Dass parallel die Target-Forderungen der Bundesbank ausarten, während der Handel floriert – und wir zudem sämtliche Rettungsgelder in die Abnehmerstaaten einschießen, bleibt unbeachtet. Echter Außenhandel ist das nicht mehr. Der Euro hat nur einen Kurs.

Das ist in etwa so, als würde man eine Wohnung vermieten und dem Mieter mangels liquider Mittel zum Bezahlen der Miete eine Kreditlinie einrichten. Hauptsache das Ding ist bewohnt. Den Rest schreiben wir auf. Hallo? Linke Tasche, rechte Tasche? Da wächst dann das Vermögen analog zum Abschreibungsbedarf. Sehr nachhaltig! Wer „profitiert“ denn davon, wenn jeder nur weiter ausgezehrt wird? Das war sicher nicht die Idee dahinter! Hoffentlich nicht...

===== N E W S =====

DEUTSCHE EXPORTE ÜBERSCHREITEN WARNSCHWELLE DER EU

Der Ärger im Staatenbund ist zu spüren, Konsequenzen sind nicht zu befürchten.

Reuters

JAPAN DROHT CHINESISCHEN FLUGZEUGEN MIT WARNSCHÜSSEN

Der Insel-Disput lebt wieder auf. Ist das denn wirklich so ein sensibles Thema?

The Asahi Shimbun

US-BOTSCHAFT ERTEILT NEUE GRIECHENLAND-WARNUNG WEGEN ANSCHLAG

Kleine Kaufhausbombe, aber niemand wurde verletzt. Schlimme Zustände…

DWN

RUSSLAND ERTEILT DICK CHENEY UND CONDI RICE EINREISEVERBOT

Die Menschenrechte. Politisch schon immer relevanter als gesellschaftlich…

Ria Novosti

SPIELENTWICKLER-URGESTEIN ATARI MELDET GLÄUBIGERSCHUTZ AN

Sehr bedauerlich, doch hier will man der großen Krise wirklich nicht die Schuld geben.

ZEIT

===== H I N T E R G R U N D =====

DEUTSCHE BANKER BLICKEN SKEPTISCHER IN DIE ZUKUNFT ALS IHRE EURO-KOLLEGEN

Sind das jetzt die Pessimisten oder die Realisten der Zunft? Vielleicht beides...

WELT

MALI IST SCHON LANGE OPERATIONSGEBIET DER USA GEWESEN

Sollte natürlich niemand was von mitbekommen. Der große Tumult kommt fast gelegen…

DWN

                                                                                                            

ALLE JAHRE WIEDER KOMMT DAS WELTWIRTSCHAFTSFORUM NACH DAVOS

Hatte dem allgemeinen wirtschaftlichen Niedergang bisher auch wenig entgegenzusetzen…

Der Freitag

DEUTSCHLAND IST DER EINZIG WAHRE PROFITEUR DER EUROKRISE

Macht ja intuitiv alles Sinn, aber von der Target-Salden-Mechanik ist nichts erwähnt…

Cicero

ZU GUTER LETZT DER ETWAS KOMPLEXE EU-HAUSHALT EINFACH ERKLÄRT

[LZ] In weniger als zwei Minuten alles auf dem Punkt. Wirklich hervorragend!

YouTube (Extra3)

Hinweis: Die verlinkten Beiträge stellen nicht immer die Meinung der Cashkurs-Redaktion dar, dienen aber in jedem Falle der eigenen Urteilsbildung.

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