Eigentlich bräuchte es ja niemand zu wissen, dass es gestern zum Jahresauftakt auch die eine oder andere Notenbanksitzung gegeben hat. Wahrscheinlich dachten sich aber die angereisten Journalisten, wenn sie schon hingefahren seien, dann würden sie auch darüber schreiben. Und so lautet die Neuigkeit des Tages, dass nichts passiert ist und alles beim Alten bleibt. Und das ist die gute Nachricht!

Die gute Nachricht? Wieso das denn? Nun, die EZB und die Bank of England BoE lassen ihre Leitzinsen für Euro respektive Pfund dort, wo sie waren. 0,75 beziehungsweise 0,5 Prozent. Es wurden auch keine neuen Aktionen oder Innovationen oder zumindest Ausweitungen derselben bekannt gegeben. Das Signal lautet, die Situation ist im Griff, die Währungen sind in stabiler Verfassung, es gibt nichts zu beanstanden. Freut Euch!

Es gab einmal eine Zeit, da wusste man nicht viel zu diesem ominösen Leitzins. Da las man dann und wann im zweiseitigen Wirtschaftsteil der Lokalzeitung was davon – und an hohen geistigen Feiertagen wurde zudem erläutert, dass sich mit diesen Leitzinsen die Preisstabilität steuern ließe, die Inflation. Die Konjunktur solle nicht überhitzen. Höhere Leitzinsen machen Geld teurer, da die Banken für Anleihungen tiefer in die Tasche greifen müssten. Das mache Kredite zum Hausbau und für Unternehmen teurer. Aha! Gute Sach' muss das sein!

Das war die Welt, wie sie einmal war. Die scheinbar heile Welt. Heute ist alles Geld aus damaliger Sicht lächerlich billig zu haben – und trotzdem kommt im wirklich wertschöpfenden Teil der Wirtschaft wenig davon an. Schlimmer noch: Der Interbankenmarkt ist seit Jahren heftig im Stocken. Um diese Zeit vor einem Jahr war nicht gewiss, ob es den Euro in seiner Form heute noch geben würde. Die EZB und die Politik riskierten alles, um das zu erreichen.

Nun die Frage zum Wochenende: Wenn Zeiten solide funktionierender Notenbanken und Währungen – damals – uns die missliche Lage von – heute – eingebrockt haben, wie soll es dann aus der gegenwärtigen Situation heraus weitergehen? Weltfrieden und blühende Lande? Es wird sich so nicht halten lassen und weiter in sich zusammenbrechen. Bis es echt hässlich wird. Das ist leider nur logisch konsequent. Doch keine gute Nachricht.

===== N E W S =====

EURO-LEITZINS BLEIBT BEI GEWOHNTEN 0,75 PROZENT

Den Pressetermin hätte man sich ja auch glatt schenken können. Also echt.

SPIEGEL

BANK OF ENGLAND WARTET AB UND TRINKT TEE LEITZINS 0,5 PROZENT

Das Ankaufprogramm für Staatsanleihen bleibt ebenfalls unangetastet...

Handelsblatt

DEUTSCHE BANK HAT SICH GOLDENE LIBOR-NASE VERDIENT

War ja alles kein Problem. Halbe Milliarde in 2008. Staatshilfen waren ja unnötig...

WELT

GRIECHISCHES HAUSHALTSLOCH SCHRUMPFT 2012 GEWALTIG

30 Prozent von 22,8 auf 15,9 Milliarden Euro. Immer noch ein Loch. Ohne Boden.

Handelsblatt

INTERACTIVE BROKERS STREICHEN MARGINS FÜR SMALL CAPS

Bis 21. Januar von 50% auf 100% Eigenkapital. „Automated Liquidation”. Shortsignal?

ZeroHedge

===== H I N T E R G R U N D =====

EUROPAS GRÖSSTER ÖLFÖRDERER HEISST JETZT TÜRKEI

Norwegen abgehängt. Aus Sicht der USA sozusagen Region Europa... Trotzdem!

Bloomberg US

DEUTSCHLAND MUSS TEILWEISE STROM VERSCHENKEN

Vor lauter Solarstrom kann keiner die Spitzen abfangen. Und der Preis? Wir haben's ja!

Saarbrücker Zeitung

ATHENS ZENTRUM VERKOMMT NACH UND NACH ZUM DROGENSUMPF

Wieder eine schöne Reportage. Irgendwie voller bitterer Ironie. Echt schlimm. 

Wall Street Journal

PEPE ESCOBAR MIT HINTERGRÜNDEN ZUM SYRIENKRIEG

Leider englisch, aber garantiert eine Erweiterung des Meinungshorizonts!

Asia Times

ZU  GUTER LETZT GÉRARD DEPARDIEU WILL JETZT BRASILIANER WERDEN

Heute Russland, morgen die ganze Welt. Ein echter Weltenbummler. Hat doch Recht...

Ria Novosti

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