Auch Luxusprobleme können problematisch werden. Während ganz Europa von Kapitalabzügen und Bank Runs heimgesucht wird, muss sich die kleine Schweiz vor einer regelrechten Geldflut bewahren. Bereits im letzten Jahr wurde nach kurzzeitiger Parität ein Euro-Franken-Kurs von 1,20 von der Schweizer Nationalbank fix definiert, wobei letztere mit Euro-Aufkäufen die Kosten des Verfahrens trägt. Doch dies scheint nicht zu genügen, die Schweizer denken weiter.

Das erste Novum behandelt die Idee der Kapitalverkehrskontrollen, wie wir bereits gestern in einer Schlagzeile mitteilten. Stand heute ist dies wohl nur eine Maßnahme von mehreren, die sich einander bedingen. Denn offenbar spielen die Eidgenossen mit dem Gedanken, negative Zinsen einzuführen – also mögliche Renditen durch Zwangsabgaben zu schmälern – um der Kapitalflucht in Schweizer Anleihen und damit einer Schädigung der ganzen Volkswirtschaft entgegenzuwirken.

Nachdem Richard Nixon den Dollar Anfang der 70er Jahre kurzerhand vom goldenen Standard entkoppelte, fand sich die Schweiz in einer ähnlichen Situation wieder und will aktuell wohl auf die guten Erfahrung des damaligen Krisenmanagements zurückgreifen. Auch damals wurden Negativzinsen erhoben, um die Investoren zu bremsen. Bei den pragmatischen Schweizern ist das machbar, da helfen dann sogar die Banken zusammen, um die Taxen einzutreiben.

So gesehen machen die Kapitalkontrollen jetzt erst Sinn! Denn sind die Zinsen erst einmal negativ, dann gewinnt tatsächlich das Bargeld als Wertaufbewahrungsmittel Attraktivität, so verrückt das auch sein mag! Statt der Anleihen würden eben massenweise Franken-Scheine gebunkert und ausgeführt. Dies wiederum würde den Wechselkurs zu sehr belasten, daher seien Kontrollen wohl bitter nötig. Was tut man nicht alles, um seine Währung zu retten?

Die Realität ist davon nicht weit entfernt. Der Anleihenmarkt handelt zweijährige Schweizer Anleihen wie selbstverständlich bei -0,19 Prozent, während überall in der Eurozone die Niveaus anziehen. ZeroHedge bemerkt lakonisch, dass die Schweizer Schulden sich nun selbst bedienen. Kann man natürlich so sehen. Luxusprobleme können eben auch luxuriös sein.

===== N E W S =====

DIE SCHWEIZ PROBT DEN NEGATIVZINS

Wenn man sich aber mal die Anleihenkurse so besieht, dann hat sie ihn doch längst!

Basler Zeitung

NEUE BANKENFUSIONEN IN SPANIEN

Dies ist bestenfalls die Zwischenlösung. Oder eben Vorstufe zur Verstaatlichung.

FTD

SPANIENS NOTENBANKCHEF SCHMEISST IM EZB-KONFLIKT HIN

Spanien muss Bankia retten, aber bekommt keine Unterstützung für den eigenen Kurs.

Tagesschau SF

IRRITATION UM GRÖSSTE KANZLEIENPLEITE IN DEN USA

Oder: Wie man auch das vermeintlich sichere Geschäft in den Sand setzen kann…

SPIEGEL

FACEBOOK-AKTIE FÄLLT GNADENLOS WEITER

Nach einem kurzen Stopp jetzt gut unter die 30 Dollar gefallen. Nice Trade!

Süddeutsche

===== H I N T E R G R U N D =====

WIE DIE BÖRSE GRIECHENLAND BEREITS OHNE EURO PREIST

Minus 90 Prozent an der Börse seit 2007 ist eben nicht mehr Euro-gerecht.

FORMAT.at

DIE DEUTSCHE INDUSTRIE WARNT VOR SCHWACHEM STROMNETZ

Na dann investiert doch einfach mal was, bevor wir im Dunkeln sitzen!

Reuters

EUROPAS FIRMEN KEHREN CHINA DEN RÜCKEN

Interessante Trendwende. Es gibt eben doch immer zwei Seiten.

Handelsblatt

BUNDESREGIERUNG NIMMT GERNE DIE RÜSTUNGSLOBBY MIT AUF REISEN

Weiß man das? Wusste man das? „Die Linke“ fragt und bekommt ungeniert Antwort…

Tagesspiegel

ZU GUTER LETZT — JONGLIERKABARETT MIT TIMO WOPP

Echt sehenswert. Gibt’s eventuell auch heute Abend bei Markus Lanz im zdf!

youtube (NDR intensiv-Station)

Hinweis: Die verlinkten Beiträge stellen nicht immer die Meinung der Cashkurs-Redaktion dar, dienen aber in jedem Falle der eigenen Urteilsbildung.

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