Das Börsen-Wort des Jahres 2013

GroKo - die Große Koalition - ist also das Wort des Jahres 2013. Es lohnt sich aber auch, über ein Börsen-Wort für 2013 nachzudenken. Welches Wort kommt Ihnen in den Sinn?

Also ich persönlich bin Mitglied eines Frankfurter Börsenstammtisches, der auf der jeweils letzten Jahressitzung das Börsen-Wort des Jahres kürt. Alle Stammtischkollegen wissen selbstverständlich, dass die Wahl des Börsen-Wortes nicht repräsentativ für die gesamte Anlegerschaft ist.

„Geglückte Euro-Rettung“ war unser sicherlich wenig spektakuläres Börsen-Wort für 2012. Für 2013 gab es einige vielversprechende Nominierungen wie „US-Staatsbankrott“, „Liquiditätshausse“, „Deutsche Aktienrenitenz“ oder „Sparerentreicherung“.

Der klare Gewinner 2013 ist…

Am Ende fiel die Wahl aber ziemlich eindeutig auf “Tapering“. Eine wirkliche Überraschung ist auch dieses Wort nicht, wurde dieser Begriff doch ab Mai 2013 in allen Gazetten und Börsensendern rauf und runter gebetet.

Auf unserem Advents-Börsenstammtisch waren wir uns aber auch darüber im Klaren, dass das Börsen-Wort „Tapering“ nicht wie Spekulatius, Tannenbaum oder Weihnachtsmann klar definiert ist, sondern gleich drei Wortbedeutungen hat.

Es ist ein Angstwort, weil mit ihm das Ende der Happy Hour, der Liquiditätshausse der Finanzmärkte, verbunden wird. Da die US-Notenbank mit ihrer sintflutartigen Geldpolitik zum dominierenden Einflussfaktor an den Aktienmärkten geworden ist, befürchten viele Anleger, dass die Aktienkurse irrational abstürzen könnten, wenn die Fed Geld aus den Finanzmärkten abziehen sollte.

Es ist gleichermaßen ein Unwort, weil Tapering einen Etikettenschwindel zulässt. Das Wort suggeriert geldpolitische Restriktion. Aber genau hier liegt der Einschätzungsfehler: Tapering heißt lediglich, dass die US-Notenbank weniger mehr Liquidität in die Kapitalmärkte pumpt. Netto wird nichts abgezogen, der Pegelstand der Liquidität nimmt immer noch weiter zu. Jedes Wirtschafts- und Finanzzipperlein Amerikas wird auch noch morgen und übermorgen mit einer Überdosis Schmerzmittel kuriert.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann rettet die Geldpolitik noch morgen

Tapering ist vor allem aber ein Gutwort. Zunächst ist es gut, dass es im Januar 2014 beginnt, dass also klare Fakten geschaffen werden. Für die Finanzmärkte beruhigend ist, dass die Drosselung der Liquiditätszuführung mit viel Sanftmut, im Format TT - „Taubenhaftes Tapering“ - betrieben wird. Übrigens gibt es keinen Automatismus: Der Prozess des Tapering kann stoppen oder sogar umgekehrt werden, wann immer es die Finanzmärkte oder die Konjunkturdaten erfordern. Alle Hintertürchen sind eins: Offen. Trotz Tapering-Beginn wird die Finanzwelt auch morgen und übermorgen und überübermorgen in Liquidität ertrinken.

Wirklich entscheidend für die Nerven der Finanzmärkte ist aber, dass das geldpolitisch restriktivste Instrument - Zinserhöhung - noch in weiter Ferne liegt. Selbst bei Erreichen von Zielmarken in punkto Arbeitslosigkeit kann und wird sich die Fed viel Zeit lassen, um die wirtschaftliche Erholung nicht ansatzweise zu gefährden.

Nach Tapering kommt also anschließend nicht automatisch die Zinserhöhungskeule. Das wäre in normalen Zeiten der Fall. Aber in Zeiten wie diesen weiß die neue Fed-Chefin Janet Yellen auch sehr genau, dass ihre geldpolitische Verantwortung nicht an den Außengrenzen Amerikas endet. Sie muss ebenso Fürsorge für die Emerging Markets betreiben. Auch Amerika hat demnächst seine Mutti.

Und der Gewinner für 2014 könnte sein…

Und wie in jedem Jahr haben wir uns ebenso Gedanken über ein mögliches Börsen-Wort für 2014 gemacht. Da wir uns einig waren, dass im nächsten Jahr weiter Risikorepression betrieben werden muss, haben wir uns für „Geldpolitische Rettungsdauerschleife“ entschieden. 2014 können sich die Aktienmärkte auf Janet und Mario verlassen. Sie sind unsere Schutzengel!