Im Auftrag des isländischen Ministerpräsidenten Sigmundur Davíð Gunnlaugsson hat eine Kommission einen Reformvorschlag für das isländische Geld- und Bankwesen gemacht. Die Idee dahinter ist, den Banken das Recht zur Geldschöpfung zu nehmen und dieses nur noch der Notenbank zu überlassen. Ein solches Geldsystem nennt man Vollgeld-System.

Auch in der Schweiz ist ein Volksentscheid zum Vollgeld-System angedacht.

Da kommt bei manchen schon Freude auf, weil man hofft, damit die Probleme, die sich aus der maßlosen Geldvermehrung ergeben, in den Griff zu bekommen.

Ob damit die wesentlichen Probleme tatsächlich lösbar sind, stelle ich  in zwei Beiträgen zur Diskussion.

Wie entsteht Geld?

Bevor wir uns der Frage widmen, was das Vollgeldsystem leisten könnte und ob es überhaupt Vorteile gegenüber dem aktuellen Geldsystem bringt, wollen wir uns in diesem Beitrag erst mal ansehen, wie Geld in unserem aktuellen Geldsystem entsteht.

Geld ist seit dem Ende von Bretton Woods ein ungedecktes Tausch- und Zahlungsmittel, welches seinen Zweck nur aufgrund des Glaubens seiner Verwender in weitere Eintauschbarkeit gegen Waren oder Dienstleistungen erfüllt.

Bretton-Woods

In Bretton-Woods,  einem Ausflugsort im Bundesstaat New Hampshire, USA, am Fuße des Mount Washington, mit ca. 650 Einwohnern, wurde 1944 ein neuer Goldstandard begründet.

Als Bretton-Woods-System wurde das neu geordnete internationale  Währungssystem  von festen Wechselkursen bezeichnet, das vom goldhinterlegten US Dollar  als  Leitwährung bestimmt war.

In den USA lagerten zu der Zeit über 70 Prozent der Goldreserven. Während selbst das vor dem Krieg noch reiche Großbritannien knapp an der Pleite vorbei schrammte, war die Golddeckung für die USA kein Problem. Schließlich hatte man für Kriegskredite enorme Goldmengen eingezogen und die Waffen hatte man wohlweislich gleich gegen Gold geliefert.

Da ein festes Wechselkurssystem bestimmt wurde, in dem die anderen Länder ihre Währungen für einen (fast) festen Kurs gegen US-Dollar eintauschen konnten und der Dollar durch Gold gedeckt war, waren auch die anderen am Bretton-Woods-System beteiligten Währungen indirekt durch Gold gedeckt.

Ende von Bretton-Woods

Die ständigen Defizite der US-Handelsbilanz, mit ausgelöst durch den Vietnamkrieg, führten zu Dollarbeständen, die die amerikanischen Goldreserven gewaltig überstiegen.

Da die USA die Goldeinlösepflicht nicht mehr erfüllen konnten, stoppte am 15. August 1971 der damalige Präsident Richard Nixon die Bindung des Dollar an Gold.

1973 wurde das Bretton-Woods-System offiziell außer Kraft gesetzt.

Der Glaube versetzt Berge

Der Dollar ist, wie unser Euro, durch nichts gedeckt. Sein tatsächlicher Wert beschränkt sich auf seinen Papierwert.

Unser heutiges Geld funktioniert als Tauschmittel nur, weil die Menschen daran glauben, dass auch andere dieses Stück Papier als Zahlungsmittel akzeptieren.

Unser gesamtes Wirtschaftssystem hängt letztlich davon ab, dass die Menschen diesem bedruckten Papier vertrauen.

Dieses gewaltige Experiment läuft seit mehr als vierzig Jahren.

Der Glaube ist also der entscheidende Faktor, der die Papierschnipsel in der  Geldbörse zu Geld macht.

Der Geldschöpfungsvorgang

Ganz selbstverständlich nehmen wir hin, dass Papiergeld und Münzen im Umlauf sind, dass wir mit Kreditkarten, Bankkarten und Überweisungen bezahlen können.

Wie dieses Geld entsteht, ist jedoch den meisten unbekannt. Danach wird gar nicht erst gefragt.

Dabei ist die Schöpfung unseres Geldes wirklich fragwürdig.

Die Gebrüder Rothschild, die es wissen mussten, sollen sich in London, am 28. Juni 1863 folgendermaßen gegenüber US- Geschäftspartnern geäußert haben:

"Die Wenigen, die das System verstehen, werden dermaßen an seinen Profiten interessiert oder so abhängig von seinen Vorzügen sein, dass aus ihren Reihen niemals eine Opposition hervorgehen wird. Die große Masse der Leute aber, geistig unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne je Verdacht zu schöpfen, dass das System ihnen feindlich ist."

Schauen wir doch einfach mal, was die Bundesbank zur Geldschöpfung sagt.

Sie hat dazu ein Buch mit dem Titel Geld und Geldpolitik herausgebracht.

In der mir vorliegenden Auflage heißt es auf Seite 72:

Giralgeld entsteht durch einen schlichten Buchungsvorgang bei Geschäftsbanken.

Geld entsteht also durch Schulden. Genauer gesagt durch die Vergabe von Krediten.

Nicht nur die Notenbanken sondern auch die Geschäftsbanken können Geld schaffen oder wie die Bundesbank es nennt, Geld schöpfen.

„Der Vorgang, mit dem Banken Geld erzeugen ist so simpel, dass der Geist ihn kaum erfassen kann.“

John Kenneth Galbraith

Eine weitere Möglichkeit zur Geldschöpfung ist die Kreditaufnahme einer Geschäftsbank bei der Notenbank.

Hierzu die Bundesbank in oben bereits erwähntem Buch auf Seite 71:

Wenn also die Zentralbank der Geschäftsbank einen Kredit gewährt und den Betrag auf dem Konto der Bank bei der Zentralbank gutschreibt, entsteht Zentralbankgeld.

Dieses braucht die Geschäftsbank unter anderem, um Bargeld zur Verfügung stellen zu können, aber auch zur Erfüllung der Mindestreservepflicht.

Wie die Bundesbank ausführt, wird ein Großteil der Zahlungen nicht in bar, sondern durch Buchungen, sprich Banküberweisungen geleistet.

Das zeigt, dass der größte Teil der Geldschöpfung durch Kredite erfolgt.

Die Notenbank schöpft Zentralbankgeld. Das sind Banknoten (deshalb: Notenbank) und Münzen.

Die Geschäftsbanken schöpfen durch die Vergabe von Krediten sogenanntes Giralgeld. Dieses Giralgeld entsteht buchstäblich aus dem Nichts.

Es entsteht, wenn eine Bank einem Kunden einen Kredit gibt und den Betrag auf dessen Konto gutschreibt. Das ist nun eigentlich noch kein Geld. Aber es ist das Recht, dieses Giralgeld gegen Zentralbankgeld eintauschen zu können. Der  Betrag kann an andere überwiesen werden, er kann in bar vom Geldautomaten abgeholt werden, er kann über die Bankkarte ausgegeben werden. Somit ist faktisch doch Geld entstanden.

Beispiel: Immobilienkredit

Nehmen wir an, Sie kaufen eine Immobilie. Dafür brauchen Sie einen Kredit in Höhe von 200.000,-- Euro.

Nach eingehender Prüfung des zu beleihenden Objektes und Ihrer Bonität, gewährt Ihnen die Hausbank den erforderlichen Kredit über 200.000,-- Euro.

Die Bank muss nun nicht, wie oft geglaubt wird, das Sparvermögen anderer Kunden verwenden.

Sie bucht einfach auf ihrer Aktivseite der Bilanz eine Forderung in Höhe von 200.000,-- Euro Ihnen gegenüber ein. Gleichzeitig schreibt sie Ihnen auf dem Girokonto, das auf der Passivseite der Bankbilanz geführt wird, 200.000,-- Euro gut.

Somit haben Sie nun 200.000,-- Euro mehr auf dem Girokonto. Es ist Giralgeld entstanden.

Damit ist der Buchungsvorgang beschrieben, mit welchem die Banken Geld aus dem Nichts schöpfen.

Aber: Die Bank muss im Gegenzug für den Kredit Geld bei der Zentralbank deponieren - die sogenannte Mindestreserve. Sie ist viel kleiner als der Kredit: Lange Zeit betrug sie zwei Prozent des Kreditbetrags. Im Jahr 2012 wurde sie auf ein Prozent gesenkt. Unsere Bank, die 200.000 Euro Kredit vergeben hat, braucht 2.000,-- Euro Mindestreserve.

Diese Mindestreserve kann in Form von Sicherheiten bei der Zentralbank hinterlegt werden, für die die Geschäftsbank von der Zentralbank wiederum Kredit erhält. Für den Kredit zahlt die Bank Zinsen an die Zentralbank.

Als Sicherheiten werden Edelmetalle, Immobilien, aber auch Wertpapiere akzeptiert. Staatsanleihen sind gerne gesehen (dafür haben die Staaten schon gesorgt). Wie sicher diese Sicherheiten sind, sei in Anbetracht der Tatsache, dass auch griechische Anleihepapiere akzeptiert werden, dahingestellt.

Multiple Geldschöpfung

Wenn Sie nun den Kaufpreis für die Immobilie bezahlen, dann landen diese 200.000,-- Euro auf dem Konto des Verkäufers bei seiner Bank.

Vergibt seine Bank damit nun auch wieder einen Kredit, vervielfacht sich der Anfangskredit, den Sie bekommen haben. Die multiple Geldschöpfung hat begonnen.

Je niedriger die Zinsen der Notenbank und je geringer die Mindestreserve ist, desto mehr Geld kann aus dem Nichts geschaffen werden. Vorausgesetzt natürlich, die Kredite werden beansprucht.

Der Staat sorgt bis jetzt zuverlässig dafür, dass Kredite beansprucht werden, indem er selbst der größte Kreditnehmer ist.

Nur ein Bruchteil des Geldes, welches im Umlauf ist, stammt von der Notenbank, also von der EZB. Der größte Teil des Geldes wurde von den Banken im Rahmen der Kreditgewährung geschaffen.

Seit der Aufhebung der letzten Bindung unseres Geldes an Gold in den 1970er Jahren hat sich die Kredit- und damit Geldschöpfung immer mehr von der realwirtschaftlichen Entwicklung entfernt. Ein Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) zählt in diesem Zeitraum 147 teils folgenschwere Bankenkrisen in 114 Ländern weltweit. Eine Studie von Mc Kinsey zeigt, dass das Kreditwachstum um ein Vielfaches höher liegt als das Wachstum der Wirtschaft.

Das Problem ist durchaus erkannt. Nun hofft man auf das Vollgeld. Was kann es leisten?

Das betrachten wir im Folgebeitrag.

(Quelle zum Artikel: Vermögenssicherung im Euro-Desaster, Thomas Trepnau)