von Thaisa Becker

Eigentlich kennen wir Dohnen als unbemannte, ferngesteuerte Kampfmaschinen, die ohne die eigenen Truppen in Gefahr zu bringen, dem Privilegierten der sie sich leisten kann, die Gegner aus dem Weg räumen. Drohnen sind ohne Zweifel sehr umstritten, trotzdem werden bald auch Unternehmen „aufrüsten“. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden dann auch bekennende Pazifisten regelmäßig mit Drohnen zu tun haben, einer anderen Art von Drohne, der kommerziellen Drohne.

In einer vor kurzem ausgestrahlten Episode von „60 minutes“ auf dem amerikanischen Sender CBS, stelle der CEO von Amazon, Jeff Bezos, den neuesten Coup des Internetlieferanten vor: Produkte könnten bald selbstständig zum Besteller fliegen.

Das Projekt heißt Amazon Prime Air und die Vision dahinter ist, mit kleinen unbemannten Flugdrohnen die ihr Ziel selbständig anhand von den GPS Koordinaten lokalisieren, eine Lieferzeit von maximal 30 Minuten zu erzielen. Diese Ankündigung, mit der Bezos auf sein Unternehmen aufmerksam machte, kam genau richtig, kurz vor dem traditionell nach Thanksgiving stattfindenden Cyber Monday, an dem, auf Grund von enormen Rabatten, die Fließbänder der Onlinekaufhäuser heiß laufen. In ein paar Jahren wird es wohl eher die Sci-Fi Monday sein, wenn ein Roboterflieger das gerade eben bestellte Buch  direkt auf dem Fußabstreifer ablegt; wenn es dann überhaupt noch Bücher gibt...

Wenn man den CEO fragt, sind Innovation und Kundenzufriedenheit die Säulen des Erfolges von Amazon. Sind die Drohnen wirklich was der Kunde will?

Amazon Fresh, ein Zustellservice der Lebensmittel am selben Tag zu den Kunden nach Hause liefert existiert bereits in 2 Amerikanischen Großstädten. Diese Dienstleistung ist allerdings mit enormen Kosten verbunden und daher für eine schnelle Expansion der Standorte nicht lukrativ genug. Die Drohnen dürften das ändern. Werden dann die großen Lebensmittelketten auch auf den Drohnenzug aufspringen, um nicht aus dem Rennen geschoben zu werden?

Als der CEO noch selbst die Päckchen zur Post brachte, verriet er in dem Interview mit CBS, hoffte er dass sich seine Firma irgendwann mal einen Gabelstapler leisten könnte. Was passiert in Zukunft mit den Supermärkten und Buchhandlungen und Anderen die sich die Drohnenlieferung nicht leisten können?

Der große Vorteil eines echten in einem Gebäude sich befindenden Buchgeschäftes ist, dass man, wenn man sich dazu überwindet das Haus zu verlassen, das gewünschte Buch eine halbe Stunde später auch wirklich in den Händen hält. Die Kommerzdrohnen machen das dann auch vom Sofa aus möglich. Es ist ein erbarmungsloses Rennen um die schnellstmögliche Zustellung weil der Kunde das Produkt am besten sofort möchte.

Die Amazon Elektro-Lieferanten konnten in den ersten Tests eine Reichweite von 16 Kilometern zurücklegen, dies würde, so prognostiziert Jeff Bezos, besonders von den in Stadtnähe befindlichen Lager- und Verpackungshallen, Zustellungen enormen Ausmaßes ermöglichen.

Bei diesen Ambitionen, stellt sich die Frage wie die Lieferung zu einer sich in einem Mehrparteienhaus befindlichen Wohnung genau von statten gehen wird. Wenn sich die Drohne nicht Jemandem von oben auf den Kopf setzt, der unglücklicherweise auf den GPS Koordinaten steht, wird das Paket mit großer Wahrscheinlichkeit von einem diebischen Nachbarn abgegriffen. Vielleicht kann die Drohne ja auch klingeln.

Jeff Bezos hat, auf die Frage, wie es ihm damit geht dass seine Firma Kleinunternehmer aus dem Geschäft drängt, eine klare Antwort:

Not Amazon happens to the booksellers, the future happens to the booksellers.

Aber ist das wirklich die Zukunft die wir uns wünschen?

Man kann sich nur schwer vorstellen wie die Drohnen genau in die Lüfte unserer Städte kommen sollen. Zunächst braucht es Genehmigungen, in Amerika arbeitet die FAA (Federal Aviation Administration) bereits eifrig an genauen Regulationen. Die Verantwortlichen rechnen damit, dass 2018 10 tausend kommerziell operierender Drohnen und 2020 sogar schon 30 tausend über den Köpfen der Amerikaner schweben werden. Wo führt das dann bitte hin?

Allein aus ästhetischen Gründen scheint der Drohnen Schwarm bedenklich. Der schöne Ausblick von der Terrasse müsste früher oder später darunter leiden. Ironischerweise sind sie aber vielleicht durch die elektrischen Motoren mit denen sie ausgestattet sind langfristig besser für die Umwelt als die jetzigen Trucks.

Die Amerikanische Polizei und das Militär nutzen Drohnen bereits täglich zur Ausspähung von schwer begehbaren Regionen oder zur Verfolgung fliehender Verdächtiger. Amazon hat wegen des hohen Datenvolumens das durch seine Verkäufe erzeugt wird enorme Summen in den IT Bereich investiert, voraus sich dann ein lukratives Nebengeschäft ergab, Amazon Internet Services. Die CIA ist einer der Kunden, vielleicht kann man dann noch ein paar Ausspähungsdrohnen losschicken?

Es wundert einen besonders, dass gerade die USA, bei denen Sicherheit so groß geschrieben wird Entwicklungen solcher Art unterstützt. Unter dem Deckmantel der Prävention von terroristischen Anschlägen haben die Regierungen der USA eine breite Palette an Gesetzten und Vollmachten erstellt, um die höchstmögliche Sicherheit Ihrer Bürger zu gewährleisten. EU Staatsbürger werden stundenlang an der Grenze festgehalten wenn sie sich trauen zwei mal innerhalb eines Jahres einzureisen, aber keiner empfindet es als offensichtlich, wie ideal sich ein unbemanntes automatisch gesteuertes Flugobjekt als Bombentransportmittel eignet? Besonders wenn es in der Masse der kommerziellen Drohnen untergeht.

Aber nicht nur bei Amazon liegen Drohnenprojekte auf dem Tisch, auch UPS und die Deutsche Post reden schon offen über ihre Versuchsreihen. Am Montag startete die Deutsche Post eine 5 tägigen Testreihe, in der die „Paketopter“ den Rhein überfliegen sollen.  Wie eine Konzernsprecherin der „Welt“ mitteilte  ist die Idee von paketausliefernden Drohnen nicht neu. Die deutsche Post lässt seit 6 Jahren ihr Forschungszentrum in Troisdorf daran arbeiten und hat sich das Projekt einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag kosten lassen, so die Konzernsprecherin.

Ohne Zweifel wird die Drohneninvasion, wenn sie dann kommt, Arbeitsplätze im Einzelhandel kosten und auch viele Paketlieferanten in die Arbeitslosigkeit schicken, aber wer profitiert wirtschaftlich davon, neben Amazon und Co.?

Wer sind die Drohnenproduzenten und in welchen Ländern sitzen sie?

Die meisten Drohnen für die verschiedensten Verwendungen werden derzeit in den USA produziert, die aber überwiegend militärischen und polizeilichen Zwecken dienen. Die ZEIT ONLNE veröffentlichte in Kooperation mit dem Statistikportal Statista Grafen, die auf diese Fragen Informationen liefern.  Man kann daraus entnehmen wie die Drohnenproduktion in den letzten Jahren gewachsen ist, Tendenz steigend.

Eine Grafik auf der Seite zeigt auch, wie die Drohnenproduktion derzeit auf den Verwendungszweck aufgeteilt ist. Obwohl der Fokus der Drohnenfabriken lange auf dem Militär lag, befindet sich die zivil und kommerziell genutzte Drohne auf dem Aufmarsch. Der deutsche Hersteller Microdrone aus Siegen hat die Zeichen der Zeit erkannt, produziert Drohnen aller Art, für jeden Zweck und  ist laut einem Artikel der „Welt“ mit der Entwicklung der Drohne für die Deutsche Post betraut.

Der Silberstreif am Horizont ist, dass es noch Jahre dauern wird bis der Horizont voll von Drohnen ist. Die Ankündigung von Amazon, kann man momentan eher als Marketinginitiative verstehen und nicht als bald wahrwerdende Realität.

Uns interessiert Ihre Meinung dazu: Nutz-Drohnen –Segen oder Fluch?

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