Nach dem Anschlag von Berlin ist das IS-Propaganda-Magazin "Rumiyah" in den Blickpunkt geraten.
Rumiyah bedeutet Rom auf Arabisch und verweist hier auf den Anspruch die Hauptstadt Italiens erobern zu wollen.

Bei dieser Hochglanz-Publikation, die hochprofessionell aufgezogen ist, handelt es sich um eine Zeitschrift, die in Englisch, Deutsch, Französisch, Türkisch und Bahasa Indonesia (Indonesisch) erscheint.

Zweck der neuen Publikation ist die Rekrutierung neuer Terroristen im Westen, im ausgedehnten turksprachigen Raum und im bevölkerungsreichen, muslimischen Südostasien.

Ein besonderes Augenmerk des IS liegt weiterhin auf den westlichen Staaten, wo die sogenannten „einsamen Wölfe“ zuschlagen und Attentate verüben sollen.

Die Lektüre ist beunruhigend. In der November-Ausgabe, die in mehreren Sprachen erscheint, darunter auch auf Deutsch, sind detaillierte Hinweise für Attentate mit Lastwagen zu finden."Es ist eine der sichersten und einfachsten Waffen, die man gegen die Kuffar ("Ungläubigen") einsetzen kann", heißt es dort. Das Magazin Stern berichtete: "Ausdrücklich wies der IS auch auf die verschiedenen Möglichkeiten hin, sich einen Lastwagen zu beschaffen. Dazu gehöre auch das "Carjacking", also das Entführen eines Lkw, hieß es in dem "Rumiyah"-Artikel."

Am stärksten wird in dem Propaganda-Medium die Mordlust instrumentalisiert gegen Muslime, die den Weg des IS ablehnen, die in den Westen immigriert sind.

Überhaupt gibt die Publikation unzählige Anleitungen zu Terroranschlägen unterschiedlichster Art, sowie zu Mordaufrufen an "Abtrünnigen", überwiegend Muslimen, sowie an "Ungläubigen". Die Lektüre, mit der richtigen Vorkenntnis gelesen, bietet einen tiefen Einblick in die ideologischen Abgründe dieser Bewegung.  
Aus welchen trüben Quellen speist sich die Mordlust dieser Terroristen?

Ein wichtiger Ideengeber scheint Sayyid Qoubt zu sein. Der Ägypter Qutb starb am Vorabend seines 60. Geburtstages durch den Strang. Qutb war der Vordenker und Godfather des islamistischen Totalitarismus wahabitisch-sunnitischer Strömung und Verfechter für die weltweite Einführung der Scharia.

Seine Hinrichtung erfolgte auf den ausdrücklichen Befehl des damaligen ägyptischen Präsidenten, dem Panarabisten und säkularen Nationalsozialisten Gammar-ab-del Nasser.

Qutb wurde nicht als militanter Islamist geboren. Das Gegenteil ist der Fall. Sein Vater war ein populärer Abgeordneter der Nationalen Partei, dem politischen Flügel des panarabischen Nationalismus.

Der Islam spielte während seiner Jugend kaum eine Rolle. Das gebildete Bürgertum Ägyptens jener Tage, betrachte die Religion als Lokalkolorit und war viel eher inspiriert von der ideologischen Ausstrahlungskraft des italienischen Faschismus, abgeschwächter auch vom aufkommenden Nationalsozialsozialismus in Deutschland.

Beide politischen Systeme galten bei vielen arabischen Intellektuellen als Werkzeug für die Einigung der arabischen Welt von Marokko zum Irak und vor allem als Waffe gegen die verhassten britischen und französischen Kolonialisten.

Das Gegenkonzept "Baath": Säkularismus und Nationalismus

Der Syrer Michel Aflaque gründete wenig später die Baath-Partei, die Partei der arabischen Wiedergeburt und des Sozialismus.

Säkularismus und Nationalismus, sowie die Gründung eines arabischen Einheitsstaates, waren die Grundelemente dieser politischen Bewegung.

Aflaque war Christ und nicht wenige seiner Glaubensbrüder, wie auch die Mehrzahl der säkularen moslemischen Bildungseliten, betrachteten dieses faschistoide Staatsverständnis als ein Modernisierungskonzept und auch als ein Schutzschild gegen eventuelle religiöse Aufwallungen der verarmten Massen, der arabischen Strasse - wie man sich heute ausdrücken würde. Nach Ende des 2.Weltkrieges betätigte sich Qutb als militanter Anhänger des Nationalismus und geriet damit in Konflikt mit der Herrschaft des ägyptischen Königs, dem Feudal-Monarchen Faruq, der als Marionette des Westens angesehen wurde und wohl auch eine war.

Aufgrund seiner Beziehungen wurde er in die USA abgeschoben, in der Hoffnung, aus ihm einen begeisterten Anhänger des „American Way of Life“ zu machen.

Dieser Aufenthalt gilt als Zäsur im politischen Denken Qutbs.

Er kehrt als militanter Feind des Westens, als erbitterter Gegner jedes säkularen Politikverständnisses zurück.

Nach einem Attentat auf Nasser, räumte der Rais erbarmungslos unter seinen gefährlichsten politischen Gegnern, den Muslimbrüdern auf.

Die Organisation wurde verboten, die Mitglieder verhaftet und liquidiert.

Während seiner Haftzeit radikalisierte sich Qutb immer weiter. In seinen Schriften diagnostizierte er der Islamischen Welt die Dschahiliyya - der unislamische Zustand der „Unwissenheit“. Ferner entwickelte er sich zu einem fanatischen Antisemiten und entwarf einen islamisch begründeten Antisemitismus garniert mit Elementen aus der Rassenideologie der Nationalsozialisten.

Kurz gefasst lassen sich Qutbs späte Thesen wie folgt zusammenfassen: „Es gibt heute keine islamische Welt mehr. Selbst islamische Staaten sind vom Glauben abgefallen. Die jetzige Welt muss zerstört werden und auf deren Trümmern das globale islamische Kalifat errichtet werden.

In der arabischen - und auch in anderen Teilen der islamischen Welt - entstand ein großer sozialer Gärungsprozess, begünstigt durch den ökonomischen Niedergang, der demographischen Explosion, der Fehler des Westens und dem Bankrott der politischen Eliten, der schließlich zum großen „Erwachen“ Ende der siebziger Jahre führte und bis heute im vollem Gange ist.

Irgendwann, in den frühen achtziger Jahren studierte Osama Bin Laden die Werke Qutbs, besonders die Erklärung „Milestones“- die für militante Islamisten eine ähnliche Rolle spielte und spielt , wie „die Protokolle der Weisen von Zion“ für Antisemiten jeglicher Coleur.

Beunruhigend ist nicht nur die Existenz dieses Textes, dessen Folgen und Auswirkungen, sondern auch dessen Unbekanntheit im Westen. Ansonsten würden wir besser verstehen, warum die meisten Opfer dieses Totalitarismus Muslime sind und in welche tödliche Falle wir zu stolpern drohen.