Auf der Suche nach guten Aktien und vielversprechenden Anlageideen predige ich immer wieder sich eine eigene Meinung zu bilden und vor allem nicht den Massenschreien der vielen Marktbeobachter (Journalisten, Forumsbeiträgen, Analysten usw.) zu folgen.

Dies hat für mich bekanntermaßen mehrere Gründe. Zum einen bin ich der Meinung, dass verprügelte Aktien oder andere Underlyings, die nicht mehr im Fokus stehen eher zu Fehlbewertungen in Form von zu günstigen Kursen neigen und nur noch die Hartgesottene eben diese Titel halten. Den dann kommenden Turnaround nehme ich gerne mit!    Zum anderen jedoch bin ich bei schlechten Investments auch selber dafür verantwortlich, kann meinen eigenen Entscheidungsfindungsprozess unter die Lupe nehmen und die Schuld nicht bei anderen suchen. Im umgekehrten Fall ist dann auch das Schulterklopfen bei mir selber angebracht, wenn es gerade in schlechten Phasen wieder heißt – „Hier hast du besser gehandelt als der Markt, es den zittrigen Anlegern gezeigt und warst erfolgreicher als der Rest“.

Somit also eine Begründung, die Teil der Strategie sein sollte ergänzt durch die persönliche Note die mein Investment bekommen muss!

Bei der eben bekannten Suche kann es jedoch schon mal vorkommen, dass einen die attraktivsten Gelegenheiten ausgehen oder geeignete Investmentmöglichkeiten eben wegen ihrer Unbeliebtheit nicht zum Vorschein kommen. Gerade dafür eignet es sich meiner Erfahrung nach, den großen der Branche ein wenig über die Schulter zu schauen und sich von deren Anlagen inspirieren zu lassen. Das heißt natürlich keineswegs, dass man eben diese Entscheidungen 1zu1 übernehmen soll, jedoch haben die sogenannten Profis eben ganz andere Möglichkeiten, wo vor allem der Aspekt Zeit dazugehört. Als vollberuflich agierende Marktteilnehmer wird sich 8-10 Stunden am Tag genau mit diesem Thema beschäftigt, wohingegen der normale Privatanleger noch einem anderen Job im Alltag nachgehen muss.

Und um eben diese zahlreichen weiteren Investmentideen zu erhalteb gibt es einige Möglichkeiten. Ich persönlich präferiere dabei immer die vielen Factsheets, die Kapitalanlagegesellschaften über alle ihre Fonds anbieten (müssen). So kann man auf den ersten Blick sehen, welche großen Positionen im Fonds gehalten werden und bei historischer Betrachtung auch, wie sich diese verändert haben. Ein Tipp dazu: Häufig gibt es die Möglichkeit nach Performance des Fonds zu sortieren. Ich persönlich schaue dann stets auf die mit der schlechtesten sowie der besten Performance. Statistisch ist es, nur das am Rande, auch erwiesen, dass Fonds die in der Vergangenheit erfolgreich waren nicht auch die erfolgreichsten der Zukunft sind.

Weiterhin sind natürlich auch große und bekannte Fondsmanager ein spannendes Indiz. Diese geben häufig noch Aussagen und Managementkommentare zu ihren Investmentfonds ab. Beim großen Finanzportal finanzen.net beispielsweise wird für jeden der populäreren  Fonds ebenso eine Übersicht über die Positionen geboten.

Hat man erstmal eine für sich perfekte Anlagestrategie (Trend-Follower, Antizykliker, Growth, Value usw.) definiert, bietet es sich natürlich an nach Fonds zu suchen, die einen ähnlichen Ansatz fahren. Somit kann man hier nach Anlageideen, jedoch auch nach potentiellen Fehlern suchen, um aus diesen zu lernen.

Eine andere, jedoch nicht uninteressantere Methode ist der Bericht der SEC (U.S. Securities and Exchange Commission) aus den USA. Dort sind alle Investmentmanager mit einem Anlagevolumen von über 100 Mio. USD verpflichtet vier Mal im Jahr ihren Portfoliobestand offen zu legen.

Somit wird klar, dass ein Warren Buffett z.B. vor kurzem seine Position in GlaxoSmithKline völlig aufgelöst hat und bei Unternehmen wie Exxon Mobil (ich berichtete bereits) oder USG Holdings weiter aufstockte. Ebenso können sich Verminderungen der Engagements wie bei Moody’s oder Conoco Philips ablesen lassen.

Weiterhin fällt dabei, wie ich finde sehr spannend, auf, dass der bekannte und erfolgreiche John Paulson beispielsweise beim aktuell kriselnden Unternehmen Vodafone weiter hinzugekauft hat. Sieht er die Aktie schon als genug verprügelt an und glaubt auf rosigere Zeiten in der Zukunft und derzeit billige Einstiegschancen?

Der Mann, der die „Bank of England“ in die Knie zwang, George Soros, hingegen schlägt im Finanzsektor mächtig zu und baut Anteile bei der Citigroup, sowie JP Morgan Chase aus. Die Titel vom Software Genie Bill Gates, also Microsoft, wurden jedoch verringert und die ebenso deutlich unterbewerteten Aktien von Chevron komplett aus dem Depot geschmissen. 

Demnach also ein weiterer ungemein spannender Hinweis, der nicht direkt zum Folgen auffordern soll, jedoch die grauen Zellen ein wenig in Bewegungen setzen kann um die Hintergründe danach zu ergründen.

Die CFTC wiederum veröffentlicht auf wöchentlicher Basis Daten zur Positionierung von Hedgefonds, Swap-Händlern oder auch Produzenten in vielen Rohstoffen, Währungen oder Aktienindices. In der Vergangenheit wurden viele dieser Grafiken auch hier bei Cashkurs bereits veröffentlicht, da ich diese gepaart mit weiteren „Investors-Positioning“-Tools gerne als Indikation für eigene Entscheidungen nutze.

Im Fazit sieht man also, dass ein Blick auf die „Konkurrenz“ bzw. Vollzeitbeschäftigten (ob diese als Profis zu bezeichnen sind lasse ich mal dahingestellt) dieser Branche immer sehr hilfreich sein kann. Wie jedoch eingehend erläutert und unglaublich wichtig dabei, ist es, dass Sie sich final Ihre eigene Meinung bilden und sich nicht dem Einfluss der vielen unterschiedlichen Marktteilnehmer aussetzen.

In diesem Sinne auf erfolgreiche Investments!

Ihr Andreas Meyer

Quelle: CFTC, SEC