Das Jahresende nähert sich und die Banken versenden ihren Ausblick für 2011. Nachdem ich ca. 5 verschiedene Studien von Deutschen, Schweizern  und US-Amerikanischen Häusern gelesen habe, komme ich zu dem Schluss: Der Erste hat es geschrieben und der Rest nur kopiert.

Die einhellige Meinung sieht wie folgt aus. Aus den Emerging Markets kommt weiter das globale Wachstum, nachdem man 2010 eher Fonds als Lösung für den Privatanleger angeboten hat, kommen 2011 die Einzelaktien. Na ja … Aktien wie Wing Hang Bank und Pos Malaysia kennt ja auch jeder! Werte  aus den USA und Deutschland sollen weiter gefragt sein. Auf der festverzinslichen Seite rät man von Staatsanleihen der Industrieländer ab und kauft lieber Anleihen der, na na ... der Emerging Markets. Hier am liebsten Brasilien und in Landeswährung. Ich sage nur, dass Risiko ist zurück.

Nachdem die Märkte fast 2 Jahre, jedenfalls die meisten, nur eine Richtung gekannt haben, muss die Jagd nach Rendite mit deutlich mehr Risiko bezahlt werden. Ein Beispiel ist die vorhandene Kredit- und Immobilienblase in China.

Das von der Zentralregierung verordnete Wirtschaftsprogramm in 2009 war nur ein Teil der gezielten Wirtschaftsförderung. Die Staatsherren haben den Provinzen zu verstehen gegeben, dass die Volkswirtschaft um  8% wachsen muss.  In Anbetracht der straffen Politik ist es kein Wunder, dass die regionalen Politiker eher 10%, statt 7% ablieferten. Um das Wachstum zu stemmen, bedienen sich die chinesischen Provinzen so genannter LICs (Local Government Investment Company). Die Funktionsweise eines LIC ist analog  eines SPVs (Special Purpose Vehicle) der Investmentbanken in der Zeit vor der Finanzkrise. Um bei der Finanzierung den Kapitalmarkt zu umgehen, gründet die Behörde eine LIC und kapitalisiert sie idealerweise mit Grundstücken. Diese Kapitalbasis hebelt die LIC dann durch Kredite von Banken. Leider kam es aber auch vor, dass diese gar kein Kapital einsammeln, sondern nur Staatsgarantien aufnehmen. Zurzeit gibt es über 8.000 dieser Gesellschaften mit ausstehenden Schulden per Ende 2009 von 12 Mrd. RMB (ca. 1,4 Mrd. Euro). In Zahlen sind das 35% des BIP, 30% aller ausstehenden Bankkredite, 351% der Provinzeinnahmen! Sieht man diese Zahlen, brauch es nur einen Funken und das Pulverfass geht hoch. Kommen wir mal zur Immobilienblase. Durch die Industrialisierung zogen viele Arbeitskräfte  vom Land in die Stadt. Durch die veränderten Essgewohnheiten stieg der Nahrungsmittelbedarf  schneller als die Produktion. Ein paar Zahlen um das zu verdeutlichen: CPI (Comsumer Price Index) liegt bei 5,1% (Nov 2010), PPI (Producer Price Index) 9,7% (Nov 2010), GDP (Gross Domestic  Product) 10,6% (Nov 2010) und jetzt die wirkliche Inflationsgefahr (Food Prices), also die prozentuale Steigerung der Grundnahrungsmittel. Im November lag diese bei 11,7%. Alle Zahlen sind als Jahresvergleich zu 2009 zu sehen. Demgegenüber stehen die Einlagensätze, 1 Jahr 2,50%, 2 Jahre 3,25%, 5 Jahre 4,20%. Unterstellt man jetzt nur 10% Inflationsrate, so hat der Sparer eine negative Verzinsung von 7,50%. Was bleibt nun um noch Rendite zu erwirtschaften, na ja ............Aktien oder na na ... Immobilien. Ist doch klar, die steigen immer! Dachten auch die Kollegen aus den USA vor 5 Jahren. Die Preise für  begehrte Objekte im Land er aufgehenden Sonne steigen seit Jahren, die Leerstandsquoten aber auch. So gibt es wohl in der Mongolei ganze Städte die noch nie einen Einwohner gesehen haben, geschweige denn ein Auto auf den neuen Straßen gefahren ist. In einem Bericht des Fortune Magazin wird über neue Wohnungen und Bürogebäude berichtet. Hier einige Zahlen: In 2009 wurden wohl  5 Mrd. qm Wohnungen und Büros gebaut, bei ca. 1,3 Mrd. Einwohner in China!! Es sollen wohl 60 Mio. unbewohnte Wohnungen für mehr als 200 Mio. Menschen leer stehen. Ups.... diese  Zahlen sind natürlich mit extremer Vorsicht zu genießen, genaue Zahlen werden wir aber nie erfahren. Ich möchte hier keine Angst schüren, aber Dubai hat vor Jahren auch so angefangen. Der Markt ist dann, wie bei jedem Boom und Bust Zyklus deutlich gefallen. Der Dubai Financial Market Index stieg von 1.000 Punkten im Jahr 2004 auf über 8.000 Ende 2005, um sich dann zu halbieren. Nach 3 Jahren seitwärts handeln die Scheichs jetzt wieder bei 1.600 Indexzähler. Eben von Boom to Bust.

Fazit: China und die Emerging Markets sind sicherlich eine Beimischung für ein globales Portfolio. Sollte die Blase platzen, bekommen die Provinzregierungen extrem große Probleme,  die auch dann nicht mehr von der Zentrale abgefangen werden können. Abschreibungen der Banken sind die Folge. Eine Bonitätskrise ist der nächste Schritt. Zusätzlich können Überkapazitäten im Infrastrukturbereich auf den Markt kommen. Volkswirtschaftlich heißt das Deflation. Erinnert mich an Japan der 90ziger.......

In diesem Sinne, frohes Fest und einen guten Rutsch ins Jahr 2011