Vor genau 80 Jahren publizierte der britische Ökonom John Maynard Keynes seine Theorie über die Beschäftigung, die Zinsen und das Geld. Damals schlitterte die US-Wirtschaft im Jahr 1937 nach einer kurzen Erholungsphase nach dem weltweiten Bankencrash abermals in die Rezession. Weltweit kamen die Hoffnungen zum Erliegen, dass ein letztes ökonomisches Aufbäumen sich in einen nachhaltigen und sich selbst tragenden Wirtschaftsaufschwung verwandeln würde. Die Enttäuschung dieser Hoffnungen öffnete die Tür zu dem Pfad, der ab dem Jahr 1939 direkt in den Zweiten Weltkrieg führte.

Zu Beginn des Jahres 1938 schrieb Keynes einen Brief an US-Präsident Franklin Delano Roosevelt, um diesen davon zu überzeugen, den Keynesianismus – nach Großbritannien – auch auf die Vereinigten Staaten zu übertragen. In diesem Brief erteilte Keynes Roosevelt unter anderem auch den Ratschlag, Geschäftsleute wie „unerzogene domestizierte Tiere“ zu behandeln.

Keynes war der Ansicht, dass langfristige Investitionen unter die Fuchtel des Staates gebracht werden müssten. Und so begann eines der größten Experimente der Wirtschaftshistorie. In der Periode der folgenden mehr als 70 Jahre ist unter politischen Entscheidern immer wieder auf die keynesianische Theorie zurückgegriffen worden, die auf dem Glauben basiert, dass eine Regierung eine Wirtschaft auf effiziente Weise managen und stimulieren könne.

In diesem Zuge, so der Glaube, werde nicht nur die Anzahl der Arbeitsplätze, sondern auch der allgemeine Wohlstand gesteigert. Bis zum heutigen Tage hat sich an diesem Irrglauben nichts geändert, den viele Ökonomen der westlichen Welt noch immer wie ein Banner vor sich hertragen. Das kontinuierliche Einpumpen von elektronisch erzeugtem Geld ins globale Bankensystem durch die Federal Reserve und andere Zentralbanken legt darüber Zeugnis ab.

Diese Maßnahmen fußen auf einer Ideologie, die fest davon ausgeht, dass eine Regierung dazu in der Lage sei, eine Wirtschaft aus der Rezession zu befreien und dauerhaft für allgemeine Prosperität und Wohlstand zu sorgen. Dass dem nicht so ist, zeigen allein schon die jüngst publizierten Vermögensstudien der Credit Suisse und Oxfam, laut denen heute 0,7% der Weltbevölkerung über knapp 55% aller Vermögenswerte in der Welt verfügen.

Anders ausgedrückt, besitzen 62 Menschen ebenso viel wie 3,6 Milliarden Erdenbürger. Dass sich die Einkommensschere in den Industrieländern immer stärker ausweitet, ist längst schon kein Geheimnis mehr, wodurch sich nicht nur die ökonomischen, sondern auch die sozialen und gesellschaftlichen Ungleichgewichte verstetigen und verschlimmern. Und wie soll dies auch anders sein in einer Welt, in der Banken und untergeordnete Hedgefonds den Erstzugang zu dem frisch gedruckten Kapital der Zentralbanken haben?

Diese Player befinden dann darüber, auf welche Weise dieses frisch erzeugte Geld eingesetzt wird. Gewiss nicht zur abermaligen Ankurbelung der Kreditvergabe, denn dafür erweisen sich  die Risiken nach dem bisherigen Höhepunkt der globalen Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 einfach als viel zu hoch. Denn noch immer sind Banken rund um den Globus mit einem Aufräumen der eigenen Bilanzen nach dem Crash von Lehman Brothers & Co. beschäftigt.

Sieben Jahre später haben Nullzinspolitik, Quantitative Easing (QE) und die Einführung von Negativzinsen kaum etwas dazu beigetragen, die Aktivitäten in der breiten Wirtschaft wieder nachhaltig zu befeuern. Vielmehr haben die Akteure mit Erstzugang zum durch Notenbanken frisch erzeugten Geld die Entscheidung getroffen, die Wild-West-Mentalität an den globalen Finanz- und Kapitalmärkten zu zementieren, indem sie ihre Spekulationsgeschäfte zu einem Mantra unseres heutigen Wirtschaftsmodells gemacht haben.

Blicken wir zurück in die Geschichte, so erkennen wir, dass eine heillose Spekulation und der Irrglaube, mit Geld beständig mehr Geld verdienen zu können, stets gescheitert ist. Prosperität und Wohlstand werden durch reale wirtschaftliche Aktivitäten erzeugt. Ebenso wie damals zu Zeiten der großen Depression, aus der es nach zehn Jahren Wirtschaftsmisere einfach kein Entrinnen gab, werden auch heute bereits verstärkt die Trommeln des Krieges geschlagen.

Die Situation im Nahen und Mittleren Osten legt Zeugnis darüber ab. Doch nicht nur dort, denn heimlich, still und leise scheinen diese Krisen nun auch verstärkt auf den europäischen Kontinent überzugreifen. Millionen von Flüchtlingen aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie die nach wie vor angespannte Situation in der Ukraine lassen die Einschläge immer näher rücken. Zu Zeiten der großen Depression sollte der amerikanische New Deal die Wende bringen.

Vergleichbar wäre dieses Programm vielleicht mit den auf dem Höhepunkt der Finanzkrise verabschiedeten Konjunkturpaketen von Regierungen in den USA, China und Europa. Dass diese hektisch geschnürten Billionen-US-Dollar-Pakete nur ein Strohfeuer, jedoch kein langfristiges Feuerwerk entfachen würden, war mehr als absehbar. Denn all diese Maßnahmen wurden ja wieder nur auf Basis von neuen Schulden finanziert. Stellen wir uns zum aktuellen Zeitpunkt also alle einmal die Frage, welche Erfolge die Fiskal- und Geldpolitik á la Keynes tatsächlich aufzuweisen hat?

Die Antwort lautet wie folgt: ein vor sich hindümpelndes oder – wie im Fall Japans – wieder negatives Wachstum der Wirtschaft. Überdies setzt sich der Sinkflug der Realeinkommen fort, was insbesondere für die Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor gilt. Ein Drittel der US-Bevölkerung (96,5 Millionen Personen) wird durch das Bureau of Labor Statistics offiziell nicht mehr zur Erwerbsbevölkerung gezählt, wodurch sich die von vorne bis hinten geschönte Arbeitslosenquote von 5% in den USA selbstredend erklärt.

Prognosen sehen vor, dass die US-Wirtschaft im laufenden Jahr nur noch um 1,75% wachsen soll, wenn sie nicht gar wieder in eine Rezession abdriftet. Ferner hatten die nationalen Staatsschulden der USA zuletzt die Schwelle von $19 Billionen überschritten. Bis Obama im nächsten Jahr abtritt, wird dieses Verschuldungsniveau auf über $20 Billionen geklettert sein. Darüber hinaus lassen sich die durch Zentralbanken wie die Fed, EZB oder BoJ gesetzten Inflationsziele in einer Welt, die starken deflationären Kräften ausgesetzt ist, nicht erreichen.

Hinzu gesellt sich die Tatsache, dass die miesen Konjunkturdaten nur noch wenig Raum für weitere Experimente lassen. Es hat – wie ich meinen Lesern in jüngster Vergangenheit immer wieder auf den Weg mitgegeben hatte – nicht lange gedauert, bis nach einzelnen regionalen Präsidenten der Federal Reserve in der vergangenen Woche dann endlich auch Fed-Chefin Janet Yellen die Möglichkeit ins Kalkül zog, den US-Leitzins unter Umständen in negatives Terrain abzusenken.

Dass dafür die Grundlage einer globalen Bargeldabschaffung gegeben sein muss, ist ebenfalls selbstredend, falls die Zentralplaner einen Sturm auf die Banken – wie im Fall der 1930iger Jahre – verhindern möchten. All der ganze Irrsinn bedingt immer mehr Irrsinn einer Art, die höchstens noch daran erinnert, auf welche Weise und bis zu welchem Zeitpunkt die einstigen Bonzen der DDR an ihrem an allen Ecken und Enden kollabierenden Weltbild und System festgehalten hatten.

Vor der praktischen Umsetzung der keynesianischen Wirtschaftstheorie in den 1930iger Jahren bei gleichzeitiger Implementierung eines zentralplanerischen Systems, sahen sich Ökonomen rund um den Globus dem Einfluss der über einen langen Zeitraum unhinterfragten Wirtschaftstheorie eines Adam Smith oder dessen Zeitgenossen David Ricardo ausgesetzt. Nicht nur der Begriff der „unsichtbaren Hand“ wird meinen Lesern in diesem Kontext etwas sagen, sondern auch der zugrundeliegende Fakt, dass die Währungen an den Goldstandard gekoppelt waren.

Zur damaligen Zeit herrschte die Ansicht vor, dass ein internationaler Goldstandard, ausgeglichene Haushaltsbudgets und eine auf einen „Nachtwächterstaat“ reduzierte Regierung für allgemeine Prosperität und Wohlstand sorgen würden. Dass auch diese Sichtweise und die Theorie der freien Märkte am Limit angekommen waren, zeigte der Zusammenbruch von mehr als zehntausend Bankhäusern weltweit zwischen den Jahren 1931 und 1934. Auf recht ähnliche Weise scheint es nun dem Keynesianismus zu ergehen.

Und so möchte ich abschließend John Maynard Keynes den Kredit gewähren, in dem oben erwähnten Brief an US-Präsident Franklin D. Roosevelt eingeräumt zu haben, dass „eine Aufrechterhaltung von allgemeiner Prosperität in der modernen Welt extrem schwierig ist“. Dies gilt ganz besonders für den Aspekt, wenn Regierungen den Versuch unternehmen, die Wirtschaft an sich zu reißen oder unter ihre Fittiche zu bringen. Wir sind Zeitzeugen dieser Entwicklung und es bringt nichts, vor den immensen Schieflagen die Augen zu verschließen.

Ich bringe aus Sicht der damaligen Zeit Verständnis dafür auf, wenn die Rufe im Angesicht der Ereignisse in den 1930iger Jahren immer lauter ertönten, um endlich neue Wege in der Wirtschaftsmodellierung zu beschreiten. Auf diese Weise wurde die Existenz von freien Märkten immer stärker beschnitten. Der Keynesianismus war geboren. Wie sich zeigt, neigt der Mensch jedoch nun einmal zu Extremen. Das bis dato vorherrschende Modell verteufelnd und für seine Umstände verantwortlich machend, bewegte sich der Mensch daraufhin in exakt die entgegensetzte Richtung, um am gegenüberliegenden Pol anzudocken.

Ich war auf all diese sich abzeichnenden Entwicklungen schon vor vielen Jahren, darunter auch in einem ausführlichen Gespräch mit dem im US-Bundesstaat Alabama tätigen Sozioökonomen Alan Hall, eingegangen. Die Frage aller Fragen lautet, welchem Modell sich die Welt nach dem sich abzeichnenden Scheitern des Keynesianismus zuwenden wird? Wird es abermals dazu kommen, dass alles – im Zuge des Keynesianismus – Erreichte verteufelt wird, was aus meiner Sicht überhaupt keinen Sinn machen würde?!

Und wird abermals der Ruf nach Einführung eines Modells auf Basis von freien Märkten ertönen? Nur um unsere Nachkommen die Erfahrungen der 1930iger Jahre dann irgendwann wieder durchleben zu lassen? Oder können wir uns zu gegebener Zeit endlich auf einen gangbaren Mittelweg verständigen, der unter Umständen zu allgemeiner Prosperität – nach dem einstigen Modell der sozialen Marktwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland – beitragen könnte?

Falls es so kommen sollte, worauf meine persönlichen Hoffnungen ruhen, so bleibt überdies zu hoffen, dass dieses neue System nicht ein weiteres Mal durch die überbändige Gier der GESAMTGESELLSCHAFT aus den Angeln gehoben würde. Mein Fazit lautet, dass die Spekulation exakt aus eben jenem Grunde streng an die Kette zu legen wäre, um das in der Zukunft auf Basis eines neuen Systems potenziell Erreichte nicht ein weiteres Mal auf eben jene Weise zu gefährden und zu zerstören!

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