Mein Name ist Tommy Flanagan, und ich bin ein Mitglied der Vereinigung Pathologische Anonyme Lügner (Pathological Liars Anonymous). Tatsächlich bin ich sogar der Präsident dieser Organisation. Ja, genau das bin ich.

Ich habe nicht immer gelogen. Nein, ich pflegte, die Wahrheit zu sagen. Eines Tages dann erzählte ich eine Lüge und kam ungestraft davon. Irgendwann erzählte ich meinen Eltern, dass ich einen Bruder habe, den sie nie kennen gelernt hatten...

John-the-Liar Lovitz, The Johnny Carson Show, 28. März 1985

Wie der Charakter Jon Lovitz in der Johnny Carson Show erklärt, macht Lügen süchtig. Auf Dauer wird es sogar oft zu einem Zwang. Lügen ist eine Form von abweichendem Verhalten, das – aus Sicht der Lügner – Probleme löst. Natürlich verschwinden die Probleme nicht dauerhaft, denn eine Lüge kann nie alles lösen. Irgendwann taucht das Problem wieder auf, und ist dann oft größer als zuvor, da es nie adressiert wurde.

Die gewöhnliche Reaktion eines Lügners in einer solchen Situation ist, erneut zu lügen. Weil das Problem nun aber fast unweigerlich größer ist, ist auch die neue Lüge weitreichender als ursprünglich. Der Prozess wiederholt sich. Während die Lügen weitreichender und zahlreicher werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Neue den Vorherigen widerspricht.

An diesem Punkt angekommen, ist das Spiel für den Lügner vorbei. Zumindest, wenn man den Darstellungen in der Fabel „der Hirtenjunge und der Wolf“ (The Boy Who Cried Wolf) folgt. Das bringt uns zum sogenannten “silver fix” (Preisfestsetzung auf dem Silbermarkt).

Naheliegend ist es zunächst einmal zu fragen: Warum brauchen wir einen Silver Fix? Warum muss uns in einem Zeitalter elektronischer, unmittelbarer Kommunikation mit angeblich freien und offenen globalen Märkten jemand sagen, was zu einem bestimmten Zeitpunkt der Preis für Silber sein soll? Warum können die Marktteilnehmer nicht einfach selbst beobachten, wo der aktuelle Preis liegt?

Die Banker - die Rolle von Jon-the-Liar einnehmend – haben die Antwort parat.

Wozu braucht man überhaupt ein Silberpreis-Fixing?

Wir brauchen eine offizielle Festsetzung des Silberpreises, da der Abschluss etlicher Verträge auf dem Silberpreis zu bestimmten Zeiten des täglichen Tradings beruht. Wenn wir keine Festlegung hätten, könnten Händler versuchen, die Preise zu diesen Zeiten zu manipulieren und somit das System zu hintergehen. Die Betonung liegt bei dieser Begründung darauf, dass eine andere Person das System hintergehen könnte.

Wie aber soll eine Preisfestsetzung - ein Prozess, der schon nach Korruption klingt – Korruption auf dem Markt verhindern? Die Lügner haben wieder eine Antwort parat.

Es wird dafür gesorgt, dass ehrliche Menschen eingesetzt werden. Diese ehrlichen Leute treffen sich hinter verschlossenen Türen und informieren uns dann über einen ehrlich festgelegten Preis – das scheint schon auf ersten Blick ein durchaus zweifelhafter Ansatz zu sein.

Trotzdem wurde so der Silver Fix geboren. Wer aber waren und sind diese ehrlichen Leute, die so weitreichende Kompetenzen besitzen?

Gesetze und Regeln werden abgeschafft oder nicht mehr beachtet

Wie unser Leserstamm weiß, sind die großen Banken der westlichen Welt bereits jeglicher Form finanzieller Straftaten überführt worden. Der einzige Grund warum diese Betrugsmaschinerien nicht noch öfter schuldig gesprochen worden sind ist, dass unsere korrupten Regierungen viele Gesetze und Regelungen in diesem Bereich abgeschafft haben und andere ganz einfach nicht mehr durchsetzen.

Diese Pathologischen Lügner wurden also damit beauftragt, einen ehrlichen Silberpreis festzulegen – und das ist noch nicht Alles. Obwohl der Silver Fix eingeführt wurde, um Korruption zu verhindern, haben ebendiese Lügner nicht nur das Recht, in den Märkten zu agieren, in denen sie die Preise festlegen, sie sind außerdem mit großem Abstand die größten Händler in diesen Märkten.

Somit besitzen genau die Akteure, die das größte finanzielle Motiv haben den Silberpreis zu manipulieren, die Kompetenz den Preis festzulegen. Das ist nicht nur, als würde man den Bock zum Gärtner machen. Es ist als würde man den größten Bock zum Gärtner machen.

Dennoch erzählte man uns jahrelang, dass das System des Silver Fix sehr gut funktioniere. Das änderte sich erst, als die pathologischen Lügner selbst das Gegenteil zugeben mussten. Das war natürlich keine freiwillige Entscheidung, sondern eine Konsequenz von Gerichtsverfahren gegen mehrere dieser Lügner, innerhalb derer – welch Überraschung – sie der Manipulation des Silver Fix beschuldigt wurden.

Die Banker hatten natürlich die nächste Lüge parat

Wir überarbeiten den Silver Fix und gestalten ihn so gut wie nie zuvor. Das ist die Lösung!

Und so wurde der von den Bankern neu erstellte und verbesserte Silver Fix eingeführt. In welcher Hinsicht war er verbessert worden? Die pathologischen Lügner, die direkt einer Manipulation beschuldigt wurden, waren nicht länger in die Festsetzung des Silver Fix involviert. Alle anderen, auch indirekt beteiligte Akteure, blieben unbehelligt.

Dann kam der 28. Januar 2016 und Bloomberg Media veröffentlichte folgende Zeilen:

Ein täglicher Silberpreis, der als Richtwert für Händler, Minenarbeiter und Juweliere genutzt wird, riskiert seine Glaubwürdigkeit gegenüber Investoren, nachdem er außerhalb des am Markt gehandelten Niveaus gesetzt worden war. Äußerungen diesbezüglich beschreiben das ganze System als defekt und geben an, dass Klienten bereits Alternativen eingeführt haben.

Der Silberpreis der London Bullion Market Association wurde am Donnerstag auf  $13,58 pro Unze gesetzt, 3,5% niedriger als der Tagestiefstwert der COMEX in New York.

Diese Informationen kamen aus den Mainstream-Medien, und erzählten deshalb nur die halbe Wahrheit. Der von den Pathologischen Anonymen Lügnern produzierte Preis war nicht nur 3,5% unter dem Tagestiefstwert. Er war 6% unter dem aktuellen Preis.

Der Schlüsseltage-Trick an den Terminmärkten

Bequemerweise ausgelassen wurde von den Mainstream-Medien auch ein Hinweis auf die Bedeutung des Datums. Denn bei dem Tag in Frage handelte es sich um den sogenannten „options expiry day“ auf dem Terminmarkt. An diesem Tag wird der gesamte Optionshandel des Monats abgeschlossen, und zwar basierend auf dem dann aktuellen, von den pathologischen Lügnern festgesetzten Silberpreis. Das führte dazu, dass alle Optionshändler, die Geschäfte hätte machen können, wenn der festgesetzte Preis dem eigentlichen Silberpreis entsprochen hätte, unverhohlen um ihren rechtmäßigen Gewinn betrogen wurden.

Als Bloomberg und andere Mainstream-/Propaganda-Medien berichteten, dass einige Händler die London Billion Market Association (LBMA) beschuldigten, ein defektes System zu unterhalten, waren das genau diese betrogenen Händler. Die Berichterstattung erwähnte zudem nicht, dass der Silver Fix an den meisten „option expiry days“ passenderweise unter dem eigentlichen Silberpreis liegt.

Vor dem 28. Januar 2016 waren die pathologischen Lügner nicht mit einer solchen Unverfrorenheit zu Werke gegangen, selbst nicht zu Zeiten vor der oben genannten ersten Überarbeitung des Silver Fix Systems. Noch bedenklicher allerdings stimmt folgender Teil des Bloomberg-Zitats: „ ... Klienten haben bereits Alternativen eingeführt“.

Die pathologischen Lügner lügen uns unter anderem des Profit willens an. Und wenn nun mit der Nutzung von Alternativen andere Marktteilnehmer aussteigen, bleibt auch ein noch so haarsträubender Preis ohne Profit für die Lügner. Du kannst die anderen Kinder nicht überlisten, wenn sie nicht in deinem Sandkasten spielen wollen.

Überarbeitung des Preisfestsetzungs-Prozedere – oder vielmehr Verschlimmbesserung?

Alarmiert von diesen Entwicklungen beriefen die pathologischen Lügner ein weiteres Treffen ein, bei dem Banker in Eile ihre nächste Lüge verkündeten:

Wir überarbeiten das Silver Fix System noch einmal, und dieses Mal wird es wirklich besser denn je!

Die pathologischen Lügner haben jetzt das neue neu-und-verbesserte Silver Fix System vorgestellt, das das alte neu- und verbesserte System aus dem vergangenen Jahr ersetzen soll. Was haben die Verantwortlichen dieses Mal verbessert?

In einer ersten Maßnahme wurde das Prinzip einer blinden Auktion eingeführt. Das bedeutet, dass die Gebote und Auftragsvolumen nicht mehr während, sondern erst nach jeder der Auktionsrunde offen gelegt werden.

Die zweite Maßnahme sieht eine Verteilung von Ungleichheiten vor. Mit dieser Maßnahme werden alle nach dem Abschluss der Auktion verbleibende Kauf- und Verkaufsaufträge zu gleichen Teilen unter den Auktionsteilnehmern aufgeteilt.

Zu guter Letzt hat die Berechnungsstelle nun die Kompetenz den Ungleichheitsschwellenwert innerhalb eines zugelassenen Spektrums während der Auktion zu erhöhen.

Kurzum, die CME Group und Thomson Reuters (die zweite Lügenmaschinerie, die mit diesem bestimmten Betrug in Verbindung gebracht wird) haben angekündigt, dass sie gegen die außerordentliche Leichtigkeit, mit der der Silver Fix manipuliert werden kann, nun vorgehen. Manche der nun ergriffenen Maßnahmen hätten allerdings bereits bei der ersten Korrektur des Silver Fix Systems eingeführt werden müssen – zumindest, wenn man davon ausgeht, dass eine Verhinderung von Korruption tatsächlich das Ziel war.

Warum diese Farce?

Warum wird diese Farce überhaupt noch aufrecht erhalten? Warum sollten die pathologischen Lügner riskieren, ihre Glaubwürdigkeit - die ohnehin schon Richtung Null geht - weiter zu vermindern? Warum wird dieser in seinen Einzelheiten aufgedeckte Betrug nicht endgültig gestoppt? Warum geben sich die pathologischen Lügner nicht mit ihrer konstanten Manipulation des Silberhandels zufrieden?

Es geht um Kontrolle. Klienten haben angefangen, Alternativen zu nutzen. Diese Worte lösen Angst und Hass in den Herzen pathologischer Lügner aus. Nur wenige andere Worte der englischen Sprache sind in der Lage ähnliche Reaktionen auszulösen. Wörter wie „Konkurrenz“ und „Gesetzesvollstreckung“.


Dieser Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung von http://www.valuewalk.com für Cashkurs übersetzt. Den Originalbeitrag finden Sie in englischer Sprache unter http://www.valuewalk.com/2016/03/fixing-silver-fix-corruption-continues/?all=1