von Thaisa Becker

Um es gleich zu Beginn auf den Punkt zu bringen: Der Goldpreis fällt seit langer Zeit immer wieder Manipulationen zum Opfer. Das Zustandekommen des Preises ist bestimmt nicht die Art und Weise wie Adam Smith sich die „Unsichtbare Hand des Markts“ gedacht hat. Staaten bzw. (Noten)-Banken manipulierten früher ihre Währungen, um sie der Kaufkraft des Goldes anzupassen, jetzt manipulieren sie den Goldpreis, um ihn der schwindenden Kaufkraft der Währungen anzupassen. Wenn man die Währungen, den Libor und Co. manipuliert, muss man vielleicht respektive auch den Goldpreis manipulieren. Allerdings sind die Staaten und (Noten)-Banken nicht die einzigen Marktakteure, die Einfluss auf den Goldpreis nehmen! Was oder wer den Goldpreis beeinflusst, wer Teil des Kartells ist und welche Interessen sie vertreten und wie die Manipulation abläuft – hier ein erster Einblick.

Welche Faktoren beeinflussen den Goldpreis?

Um die Gründe für die Manipulation zu verstehen, muss man zunächst betrachten, wodurch der Goldpreis überhaupt beeinflusst wird.

Zunächst ist es wichtig zu verstehen, dass sich Angebot und Nachfrage im Goldmarkt nicht wie bei anderen Rohstoffen ergeben. Das Edelmetall kann man nicht als einen Rohstoff im klassischen Sinn bezeichnen, sondern eher als einen monetären Rohstoff.  Gold wird im Gegensatz z.B. zu Öl akkumuliert und kaum verbraucht. Die Manipulation des Goldpreises ist daher auch wesentlich einfacher. Den Ölpreis künstlich „abrauschen“ zu lassen, würde nur dazu führen, dass zunächst mehr Öl gekauft und verbraucht wird. Anders ist es beim Gold. Das gelbe Metall ist vorrangig ein Werterhaltungsgut.  Ist der Preis tief, wird es weniger gekauft, außer von dem, der es (wissentlich) nach unten gedrückt hat und möglicherweise über Insiderinformationen verfügt. Da es nicht verbraucht wird, sondern nach der Förderung die Welt, in Barren oder Münzen eingeschmolzen und eingelagert oder als Schmuck getragen und aufbewahrt, der Regel kaum mehr verlässt, hat Gold einen großen existierenden Bestand im Vergleich zu seiner durch den Bergabbau gewonnenen Zuwachsrate (die „Stock-to-flow ratio“ beschreibt den Zeitraum, den ein Rohstoff benötigen würde, um bei den aktuellen Zuwachsraten das Volumen des vorhandenen Bestands zu erreichen- bei Gold sind es 65 Jahre (bei z.B. Rohöl , Weizen etc. sind die Stock-to-flow ratios im Ein- bis Dreijahresbereich anzusetzen). Was dies tatsächlich bedeutet ist, dass der Goldpreis kurzfristig kaum durch Änderungen (wie etwa Minenschliessungen infolge zu niedriger Preise) bei den Fördermengen beeinflusst wird.

Selbst wenn die Minenproduktion stark ansteigen würde, wäre die stock-to-flow ratio immer noch extrem hoch.  Der Goldbestand steigt jährlich um 1,5%. Würde die Minenproduktion sich, was völlig unrealistisch ist, um z.B. 50% steigern lassen, würde der Goldbestand jährlich um 3% wachsen.  Das Angebot im Goldmarkt ist also nicht bestimmt durch steigende Förderung von Gold, sondern durch den Handel mit bereits gefördertem Gold, z.B. durch die Zentralbanken bzw. Finanzinvestoren. Bei einem schwachen Goldpreis wird die Förderung von Gold teurer im Vergleich zum Gewinn und daher nimmt in diesem Fall insgesamt die Produktion ab.

Die Zinsen und der Goldpreis

Der Goldpreis ist sehr stark abhängig vom Zinsniveau. Die Guthabenzinsen, die man bei der Bank erhält, sind die Opportunitätskosten für die Anlage in Gold. Das gelbe Metall ist ein Wertaufbewahrungsmittel, ein sicher Hafen, der seit 5.000 Jahren seinen Wert nie verloren hat. Nur, für die Anlage in Gold  gibt es eben keine Zinsen. Wenn man also woanders hohe Zinsen auf sein Geld bekommt, wird deutlich weniger in Gold investiert. Noch herrscht in der westlichen Welt fast Nullzinspolitik und immer weniger Anleger vertrauen angesichts  der wachsenden Schuldenberge auf die Werterhaltungsqualitäten unseres Fiat Geldes (von Notenpressen gedrucktes Geld, das auf das Vertrauen in das Geldsystem beruht) – Der Goldpreis müsste also steigen, aber er tut es nicht. Warum?

Gold und der US Dollar

Der Goldpreis und der Dollar haben eine negative Beziehung zu einander, was dem Gold den Spitznamen „Anti-Dollar“ gebracht hat. Gold wird überwiegend in US Dollar gehandelt und wenn der Dollar schwach ist, wird Gold daher„billiger“ für Käufer in anderen Währungen. Als der Goldpreis während der letzten Dekade stetig gestiegen ist, wiesen aufmerksame Experten die „hilfsbedürftigen“ Anleger darauf hin, dass sich eine Blase bildet. Es ist auch eine Blasenbildung vorhanden, nur eben nicht beim Gold. Vielleicht muss man das Bild einmal umdrehen und erkennen, dass möglicherweise nicht Gold teurer sondern der US Dollar u.a. durch die Notenpresse der US-Notenbank „Fed“ wertloser wurde. Es geschah keine Blasenbildung im Goldpreis, sondern die Währungsblase drohte zu platzen. Aber was hat sich geändert? Die Dollardrucker laufen trotz des Taperings um 10 Mrd. USD auf nun 75 Mrd. USD pro Monat weiter. Der Goldpreis müsste eigentlich steigen, aber er tut es nicht. Warum?

Wer hat ein Interesse, den Preis zu drücken?

Neben Ländern wie China und Indien, die als Nachfrager auftreten, sind vor allem die Zentralbanken die großen Player im Goldmarkt. Aber wieso würden sie Teil eines Kartells sein wollen, um den Preis des Goldes, das sie im Wesentlichen selbst als Währungsreserven halten, zu drücken? Klar, die FED könnte Interesse daran haben, den Goldpreis künstlich niedrig zu halten, um den US-Dollar stärker erscheinen zu lassen. Letztlich kann sie zwar Dollarnoten beliebig drucken aber eben nicht Goldbarren wie Alchimisten vermehren. Ein deutlicher Anstieg im Preisniveau des Krisenmetalls könnte ja wohlmöglich den Bürger auf den Gedanken kommen lassen, dass man sich in einer Krise befindet.

Ein zweiter Grund könnte darin liegen, dass man die veröffentlichten Goldbestände längst nicht mehr besitzt und diese nun mühsam wieder zusammenkaufen muss, um etwa Lieferverpflichtungen wie beispielsweise an Deutschland zu erfüllen. Warum sollte es sonst auch viele Jahre lang dauern, ein paar Tausend Tonnen auszuliefern, vor allem wenn man bedenkt welche Mengen über den Weltmarkt monatlich nach Asien gehen. Da liegt der Verdacht nahe, dass es eben kein Gold in den Tresoren der US-Notenbank mehr gibt. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch das Gerücht, dass die Barren, welche jüngst an Deutschland geliefert wurden (lächerliche 37 Tonnen) erst umgeschmolzen wurden. Warum denn, mag man sich fragen? Waren die Originalbarren nicht mehr vorhanden, oder redet man sich mit Qualitätskontrolle raus? Wir werden es wohl nie erfahren.

Aber wie so oft, gibt es natürlich auch noch andere Marktteilnehmer, die ihre Interessen vertreten: die großen Bullion Händler und klassischen Investmentbanken können mit großer Zuversicht darauf hoffen, durch die hohen Schwankungen und die daraus resultierende Differenz zwischen Kaufs- und Verkaufspreis hohe Gewinne einzufahren.  Auch geben die Analysten der Bankenhäuser oftmals die Marschrute des Goldpreises über Kursziele vor. Die Preisfestsetzung in London durch wenige Banken eigentlich ein Witz und wird nun endlich auch von den Aufsichtsbehörden untersucht. Wer glaubt denn auch, dass es hier mit rechten Dingen zugeht. Erinnern wir uns nur an den Libor-Skandal. Die Vergangenheit lehrt uns eines:  Wenn es was zu verdienen gibt, schrecken die Banken vor nichts zurück.

Welche Mechanismen werden genutzt, um den Goldpreis zu beeinflussen?

  • Zentralbanken können auf ganz legale Weise offiziell Gold verkaufen. Bei gleichbleibender Nachfrage beeinflussen große Verkäufe dann auf gesunde Weise den Preis, da Angebot und Nachfrage sich immer in Richtung eines Gleichgewichts bewegen.
  • Zentralbanken können das Gold allerdings auch verleihen, was dann im sogenannten „short-selling“, also Leerverkäufen enden kann und den Preis unnatürlich beeinflusst. Die Zentralbank verleiht dabei das Gold an Bullion Banken, die dann das Gold, was sie innehaben aber nicht besitzen, auf dem Markt verkaufen, um mit dem Cash andere Investitionen zu tätigen, bevor sie dann wieder Gold kaufen müssen, um es dem Eigentümer zurückzugeben.  Es wird daher etwas gehandelt, das der Besitzer überhaupt nicht verkaufen will, aber das höhere Angebot beeinflusst dennoch den Preis. Dies ist an sich schon sehr fragwürdig, aber noch bei weitem nicht alles!
  • In annähernd allen Over-the-Counter (unregulierte Märkte) Goldverkäufen in London, am größten Goldmarkt der Welt, handelt es sich nicht um auf den jeweiligen Eigentümer bestimmbare Goldbestände. Wenn man also ein Golddepot unterhält, bekommt man keinen Anspruch auf bestimmte mit Prägestempeln eindeutig identifizierbare Barren, sondern lediglich den Papieranspruch auf irgendeinen Barren aus dem Gesamtbestand der als Lagerstelle fungierenden Bank. Im Goldmarkt passiert dann also genau das, was den Goldkäufer eigentlich vom Besitz von Fiat Geld weggetrieben hat. Er wollte ja durch den Erwerb von physischer Ware mehr Sicherheit gewinnen. Das ist auch genau das Problem beim Handel mit Gold ETFs. Man hat vereinfacht gesagt nur einen Anspruch, nicht aber auf den Investor zugeschlüsselte und eindeutig identifizierbare Barren. Das ist dann nichts anderes, als das Mindestreserve-System beim Papiergeld. Goldbestände, die Kunden zwar erworben haben, werden als Gesamtbestand, aber ohne bestimme Zuweisungen zum eigentlichen Eigentümer von der Bank verwahrt. Hiervon können wie beim Fiat Geld, abgesehen von einer Reserve, Bestände weiterverliehen werden, wodurch ein zusätzliches künstliches Angebot entsteht, welches den Goldpreis beeinflusst. Die Bank verleiht also Gold, dass ihr eigentlich nicht gehört, an jemanden der es nicht halten, sondern nur handeln will, damit der es dann verkauft, ohne es je besessen zu haben, um dann anderes Gold zu kaufen und es der Bank, der es ja gar nicht gehört, wiederzugeben und mit der Leihe Gewinn zu erwirtschaften. Der eigentliche Barreneigentümer ist jedoch fester Überzeugung, stolzer und alleiniger Besitzer dieses bestimmten Werterhaltungsmittels zu sein, dabei ist unter anderem durch den Handel mit SEINEM Gold der Preis gesunken.
  • Investmentbanken nutzen oft den Mechanismus des High Frequency Tradings, um auch ein Stück vom manipulierten Goldkuchen zu bekommen. Sie haben von ihren Handelsplattformen aus Einblick, auf welchem Kursniveau andere Akteure im Markt „Sell Stopps“ positioniert haben. Wenn sie also ausreichend Gold bzw. in den meisten Fällen eben nur Papiergold über die Terminbörsen auf den Markt werfen, um den Preis zum Kollabieren zu bringen, müssen sie dann nur die automatischen Verkäufe der ausgestoppten „Steinzeitinvestoren“, die nicht über so Computer verfügen, die in Nanomillisekunden arbeiten, auffangen.

Die Zukunft wird zeigen ob Gold an seiner 5.000 Jahre alten Reputation als Werterhaltungsmittel festhalten kann. Vielleicht segeln wir noch auf der goldenen Arche Noah in den sicheren Hafen, getragen von der Flut des Fiat-Geldes.


Die Cashkurs Redaktion möchte noch näher auf das Thema Gold-Manipulation eingehen und führt, zu diesem Zwecke, ein Interview mit Dimitri Speck, Experte für das Thema „Gold Kartell“ und Autor des Buches „Die geheime Goldpolitik: Warum die Zentralbanken den Goldpreis steuern“.

Wer eingehend und regelmäßig rund um das Thema Gold und den Firmen, die das begehrte Edelmetall fördern, informiert sein will, findet mit Cashkurs-Gold die richtige Plattform. Hier bekommen Sie neben unserer monatlichen Ausgabe tägliche Email-Updates zur Marktentwicklung und den Aktien im Musterdepot, welches wir übrigens als Real-Depot nachvollziehen. Weiterhin gibt es regelmässige Online-Webinare mit Dirk Müller und dem Experten-Team. Sie sind also jederzeit am Puls der Edelmetall- und Rohstoffmärkte.

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