Vor wenigen Tagen äußerte unser Außenminister Frank Walter Steinmeier seine Besorgnis über eine Destabilisierung Russlands. Im Interview mit dem „Spiegel“ erklärte er, dass wer Russland wirtschaftlich in die Knie zwingen wolle, gewaltig irre, wenn er glaube, dass das zu mehr Sicherheit in Europa führen würde. Davor könne er nur warnen. Außerdem  sprach er sich klar gegen eine Verschärfung der Sanktionen aus.

Auch Wirtschaftsminister Gabriel äußerte sich ähnlich, indem er sagte: „Deshalb ist die Forderung, die Sanktionen gegen Russland zu verschärfen, falsch."

„Was sind das denn für Töne?“, fragt sich der erstaunte Betrachter.

Erst werden Sanktionen beschlossen wegen dem Abschuss der Maschine der Malaysia Airlines im Juli dieses Jahres.

Da bis heute keine Beweise auf dem Tisch liegen und offensichtlich noch immer unklar ist, wer für den Abschuss verantwortlich ist, gibt es eben Sanktionen gegen Russland weil…ähm, da muss ich erst mal nachdenken…ach so, weil es einen Bürgerkrieg zwischen der Ost- und Westukraine gibt und Russland den Osten unterstützt. So wie die EU und die USA den Westen unterstützen und die Kiewer Regierung an die Macht geputscht hat.

Merkel hingegen ist immer noch für die Aufrechterhaltung und möglicherweise sogar die Verschärfung der Sanktionen. Was Merkels Aussagen wert sind, zeigt das permanente Überschreiten sämtlicher von ihr selbst gezogener roter Linien in den letzten fünf Jahren.

Neuerdings äußert sich auch unser Finanzminister und meint, an den Sanktionen müsse festgehalten werden. Mal sehen, ob er dieser Meinung bleibt, wenn seine „schwarze Null“ zu wackeln anfängt.

Der SPD-Außenpolitiker Rolf Mützenich plädiert in der „Berliner Zeitung“ für ein schrittweises Zurückfahren der Sanktionen gegen Russland.

Verpackt wird dieses „Zurückweichen“ in plötzlich aufkeimendes Mitleid mit Russland, dem es wegen der Sanktionen ja nun so schlecht geht.

MSM schreiben nur, was gelesen werden darf

Gestern rauschte die Nachricht durch den Blätterwald, dass die russische Gazprom so wenig Gas produziere wie noch nie zuvor in ihrer Geschichte. „So greifen die Sanktionen, wir zeigen den Russen, wo der Hammer hängt!“  will man uns damit wohl sagen. Da aber zu den größten Gasabnehmern die EU gehört, drängt sich doch wohl eher, die in den „Leidmedien“ verschwiegene Erkenntnis auf, dass es um die europäische Wirtschaft recht schlecht bestellt sein muss, wenn so wenig Gas nachgefragt wird. Das passt auch zum ifo-Wirtschaftsklimaindex für die Euro-Zone, der seit Ende des 2. Quartals abschmiert.

Auswirkungen auf die EU

Österreichs sozialdemokratischer Bundeskanzler Werner Faymann ist zumindest ehrlicher und warnte vor zu viel Härte gegen Russland: "Ich sehe überhaupt keinen Grund zum Jubel - ich weiß nicht, warum wir uns freuen sollten, wenn die russische Wirtschaft zusammenbricht", sagte er der Zeitung "Österreich". Denn Faymann erkennt: "Wir sägen gerade den eigenen Ast ab, auf dem wir sitzen, wenn wir zur russischen Wirtschaft eine neue Mauer aufbauen."

Allmählich scheint auch den Unternehmensvertretern ein Licht aufzugehen.

So der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) - Außenwirtschaftschef Volker Treier zur "Bild am Sonntag": "Die Krise der russischen Wirtschaft hinterlässt immer tiefere Bremsspuren im Russlandgeschäft deutscher Unternehmen…jedes achte Unternehmen erwägt einen Rückzug aus Russland. Der Bruch so mancher Geschäftsbeziehung steht also bevor", sagte Treier. Dem Aufsichtsratsvorsitzenden von E.on und Bayer, Werner Wenning, wird es auch mulmig "Man sollte sich hüten, die über Jahrzehnte entwickelten Handelsbeziehungen zu unterbrechen", so zur "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung"

Laut Handelsblatt fallen im Londoner Immobilienmarkt die Preise in allen Segmenten. Am Ende müsse London wohl überall mit einem Verlust russischer Liquidität rechnen: Die Touristen blieben aus. Modegeschäfte, die 2013 immerhin zehn Prozent ihres zehn Milliarden Umsatzes laut Einzelhandelsanalysten an Russen verkauft hätten, müssten mit Einbußen rechnen. Auch die Londoner Kunstauktionen mit russischer Kunst und Wertobjekten Ende Oktober in vier Auktionshäusern wären so miserabel wie nie.

EU vs. Russland

Wie steht es nun wirtschaftlich um Russland und Rubel im Vergleich zur EU bzw. der Euro-Zone und dem Euro?

Sehen Sie selbst:

Quelle: statista.de

Quelle: statista.de

Arbeitslosenquote in der Euro-Zone 2014: 11,5 %.

Arbeitslosenquote in Russland 2014: 6,2%.

Quelle: statista.de

Quelle: statista.de

Arbeitslosenquote in der Euro-Zone 2014: 11,5 %.

Arbeitslosenquote in Russland 2014: 6,2%.

Quelle: statista.de

Quelle: statista.de

Haushaltssaldo der Euro-Zone 2013: -2,9 %.

Haushaltssaldo Russlands 2013: -1,26 % (2014: -0,65 %).

EURO/USD

Russischer Rubel/USD

Interessant zu sehen, wie sich der Rubel in den letzten Tagen stabilisiert, wogegen der Euro gegen den US-Dollar weiter schwächelt.

Russland hat sicherlich US-Dollars verkauft, um den Rubel zu stützen. Immerhin hat Russland Devisenreserven in Höhe von über 400 Milliarden Dollar. Im Vergleich dazu haben die USA Devisenreserven von 120 Milliarden Dollar.

Wenn man, so wie Russland seine Goldreserven im November um 18,753 Tonnen erhöht, dann kann man auch ein paar Dollar-Baumwollappen gegen Rubel verschachern. Der Internationale Währungsfonds teilte mit, dass die Goldreserven den achten Monat in Folge aufgestockt wurden.

Ölpreis und Warenumsatz

Zur Kostendeckung wird beim hochgelobten Fracking in den USA ein Preis von 75 Dollar benötigt. Die OPEC-Länder kommen mit Preisen unter 40 Dollar klar. Russland braucht bis zu 45 Dollar, um kostendeckend zu arbeiten.

Der Warenumsatz zwischen Russland und den USA ist um acht Prozent gewachsen, wogegen er zwischen Russland und der EU um 4,3 Prozent geschrumpft ist. So zumindest Putin in der „Sputnik Deutschland“.

Das ist für mich durchaus glaubwürdig, denn die europäischen Vasallen, angeführt von Angela Merkel  und gesteuert vom Zentralkomitee in Brüssel tun wie ihnen vom Hegemon geheißen, (noch) ohne Rücksicht auf eigene Verluste. Ich glaube dümmer geht’s nimmer.

Da gibt man der komplett abgewirtschafteten Ukraine Steuerzahler-Geld für Gas und, so wie es aussieht, auch für Waffen aus den USA.

Schulterschluss zwischen China und Russland

Der Schulterschluss zwischen China und Russland hingegen wird nun auch durch den Fall des Rubels enger. "Wenn Bedarf auf der russischen Seite besteht, werden wir im Rahmen die nötige Hilfe leisten", sagte Außenminister Wang Yi am Wochenende laut einem Bericht der amtlichen Zeitung "China Daily".

China und Russland haben im Oktober ein Währungs-Abkommen getroffen, wonach die Stützung des Rubels oder des Yuans im Verantwortungsbereich beider Staaten liegt. Dieses SWAP-Abkommen hat ein Volumen über 24 Milliarden Dollar. Den IWF wird man demnach nicht brauchen. Im Gegensatz zu dem Euro-Zonen-Mitglied Griechenland, welches schon bald wieder die Zone ins Schwanken zu bringen droht.

Zugleich will China die Rubel-Schwäche nützen, um den Yuan als Weltwährung zu positionieren: China will seinen Handel mit Russland wegen des Rubel-Absturzes verstärkt in Yuan abwickeln. Laut Gao Hucheng, dem chinesischen Handelsminister könne dies den Warenaustausch sicherer und verlässlicher machen. Zu Phoenix TV in Hongkong sagte er, dass die westlichen Sanktionen den seit einigen Jahren anhaltenden Trend einer intensiveren Yuan-Nutzung verstärkt hätten. Russland und China könnten in diesem Jahr ihr Ziel erreichen, den Handel zwischen den beiden Ländern auf ein Volumen von 100 Milliarden Dollar zu steigern.

Indien, Ukraine und US-Ölmultis

Nebenbei hat Putin in Indien einige große langfristige Energieabkommen abgeschlossen. Mitglieder seiner Delegation waren Sergej Aksionow, Führer der Krimrepublik und Igor Setjin, Vize-Premierminister und Chef von Rosneft.

Die US-Ölgiganten Chevron und Shell haben sich aus ihren Gas-Deals mit der Ukraine zurückgezogen. Shell Oil hatte im Osten, Chevron im Westen gebohrt und nun den 10 Mrd. $ Deal aufgegeben. Man habe sich bei den Gewinnen eben sehr verrechnet. Kein Wunder bei dem von den Saudis losgetretenen Ölpreiskrieg.  An den Geschäften war der ukrainische Gasspekulant und Multi-Milliardär Ihor Kolomoysky, US-Vize Joe Bidens Sohn Hunter und US-Außenminister Kerrys Freund Devon Archer beteiligt.

Auswirkungen

Die Machtachsen der Welt verschieben sich. Wenn der Schulterschluss zwischen China und Russland hält, und sich verstärkt, dann steht die Vorherrschaft der USA und der US-Dollar als Weltleitwährung und Petro-Dollar und damit das US-Finanzsystem in Frage.  Was werden die USA tun, um das zu verhindern, sobald die PR-Maschine nicht mehr das gewünschte Ergebnis bringt? Wegen den Totalversagern in der europäischen  und vor allem deutschen Politik ist aus aktueller Sicht nichts Gutes zu erwarten.  

Dabei gäbe es derzeit wohl kaum ein größeres Wachstumsprogramm für die deutsche Wirtschaft, als sich in die von China geplante und bereits begonnene Wiederbelebung der Seidenstraße einzuklinken.

Als kleine Versicherung gegen die durch die europäischen Politik- Versager ausgelösten Konsequenzen, sollte man sich ein paar Silber- und Goldmünzen unter den Weihnachtsbaum legen.