Aus der griechischen Mythologie kennen wir Sisyphus, diesen armen Kerl, der von den Göttern dazu verdammt wurde, einen großen Stein den Berg hinaufzuwälzen. Diesen Frondienst musste er immer wieder tun, da der Stein bei Erreichen des Gipfels sofort wieder in das Tal stürzte. Arbeiten, die trotz großer Anstrengung nie beendet sind, werden daher auch Sisyphus-Arbeit genannt.

Sisyphus-Arbeit ist auch meine Kapitalmarktanalyse. Mit Sylvester sind die alten Jahresprognosen Geschichte. Der Stein ist mit Neujahr wieder auf seinen Ausgangspunkt im Tal zurück gerollt. Jetzt werden die Chancen und Risiken für das neue Börsenjahr eingeschätzt. Ihnen als Anleger geht es auch nicht anders: Auch Sie überlegen, wie sie Ihr Geld im neuen Jahr anlegen.

Die Kraft der drei Herzen für die Aktienmärkte

Für 2014 ist die Palette an Finanzmarktprognosen groß. Von Aktien-Crash bis Dauer-Hausse gibt es alles. Ich persönlich gehe von einem positiven Aktienjahr 2014 aus. Dabei sehe ich drei Argumente.

Erstens die Geldpolitik. Ja, natürlich kann das Tapering der US-Notenbank zwischenzeitlich auf die Aktienstimmung wirken, wie der unerwartete Besuch der Schwiegermutter am Wochenende. Allerdings weiß die Fed auch um ihre Wirkung, vor allem auf die Schwellenländer: Die Gelddiplomatie von Janet Yellen wird an das Gurren von Turteltauben erinnern.

Überhaupt, EZB und Bank of Japan bleiben die offiziellen Maskottchen für Aktien. Beide Notenbankchefs überbieten sich geradezu inflationär mit Aussagen zur unkonventionellen Bekämpfung von Deflationsängsten.

Wenn die Geldpolitik ohnehin dafür sorgt, dass hohe Staatverschuldung von Euro-Staaten zu keinen Reibungsverlusten an den Finanzmärkten führt, was spricht dann eigentlich gegen eine noch höhere Neuverschuldung? Die Bedingung wäre allerdings, dass damit Unternehmenssteuern gesenkt werden.

Damit verbesserten sich die Standortfaktoren eines angeschlagenen Euro-Landes zügig. Investitionen und Arbeitsplätze - der Lustgewinn der Volkswirtschaft - nähmen zu und der Wirtschaftsaufschwung würde selbsttragend. Erinnern wir uns: Die Agenda 2010-Politik von Altkanzler Schröder war sicherlich sinnvoll. Aber die Unternehmenssteuerpolitik „Mehr Netto vom Brutto“ zu Beginn seiner Amtszeit war für die Wiederbelebung des deutschen Industriestandorts mindestens genau so wichtig. Auch Thatcher und Reagan hatten mit dieser Steuerkeule Erfolg. Also die Herren Letta, Hollande oder Rajoy, tun sie es auch.

Zweitens wird die bisherige Liquiditätshausse bzw. Hoffnungs-Rallye immer mehr durch harte Fundamentaldaten, also Substanz unterlegt. Die USA und Japan wachsen und die Schwellenländer sind stabil. Die Weltwirtschaft ist robust und gleichzeitig steigen die Unternehmensgewinne. Von diesem Fundamentalismus haben deutsche Aktien historisch immer profitiert.

Apropos Unternehmen, sie verfügen über viel Liquidität. Was werden sie damit tun? Sie werden ihre Dividenden erhöhen, ihre Aktien zurückkaufen, andere Unternehmen übernehmen oder generell investieren. Alle vier Punkte sind alles andere als schlecht für Aktien.

Drittens sehe ich eine stärkere Rotation von Anleihen in Aktien. Wer 1981 Staatspapiere gekauft hat, profitierte von ihnen bis ins letzte Jahr hinein, ohne dafür einen wirklichen Handschlag tun zu müssen. Doch mittlerweile haben sie ihre besten Zeiten gesehen. Wirkliche Renditeanstiege wird die schnelle Eingreiftruppe der Notenbanken zwar verhindern. Aber schon der geringste Zinsanstieg sorgt für Kursverluste von Staatstiteln.

Aktienjahr 2014: Weniger üppig, volatiler, aber dennoch gut

Natürlich wird auch 2014 nicht krisenfrei sein. Und deutlich höhere Schwankungen als im braven Aktienjahr 2013 mit Kursverlusten von bis zu 10 Prozent sind auch grundsätzlich möglich.

Aber dennoch wird 2014 insgesamt ein guter Aktienjahrgang. Die Frage ist nicht, warum sollten Aktien steigen, sondern warum sollten Aktien nicht steigen. Wegen der Kraft der drei Herzen steht der DAX am Jahresende bei 10.500 Punkten.

Da wälzt man den Stein des Sisyphus doch gerne den Berg hinauf.