Als Rio de Janeiro im Jahr 2009 mit seiner Kandidatur um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2016 erfolgreich war, schätzte die brasilianische Regierung die mit den Spielen verbundenen Kosten auf knapp 3 Milliarden Dollar. Zu dem Zeitpunkt aber, als Vanderlei de Lima vorvergangene Woche während der Eröffnungszeremonie das Olympische Feuer  entzündete, hatte das Land bereits 4,6 Milliarden Dollar für Gebäude, Verwaltung, Transport und Ähnliches ausgegeben – eine Kostensteigerung von ungefähr 50%. Wenn die Spiele am 21. August zu Ende gehen, wird diese Zahl voraussichtlich noch höher sein.

Es geht allerdings noch schlimmer. Die Winterspiele 2014 in Sochi überstiegen ihr Budget um 289%, die Winterspiele in Lake Placid übertrafen die Vorhersagen um 324% und die Kosten für die Olympischen Spiele 1976 in Montreal fielen atemberaubende 720% höher aus als geplant – es dauerte drei ganze Jahrzehnte, bis die Stadt ihre Schulden zurück bezahlt hatte.

Mit anderen Worten: Die modernen Olympischen Spiele sind unglaublich teuer, und vor allem viel teurer als es die Städte, die sich um deren Ausrichtung bewerben, erwarten. Die Spiele haben eine wohlverdiente Reputation als Beschleuniger für Bauvorhaben und als Veranstaltungen mit schlechter Planung und hohen Kosten.

Die hier genannten Zahlen stammen aus einer neuen Studie, die unter der Leitung von Bent Flyvbjerg von der zur Universität Oxford gehörenden Saïd Business School durchgeführt wurde und sich mit den Budgets der Olympischen Spiele der letzten sechs Jahrzehnte beschäftigt.

In ihrer Untersuchung der durch Olympischen Spiele verursachten Kosten nahmen Flyvbjerg und sein Team lediglich die Kosten unter die Lupe, die durch die Ausrichtung der Spiele selbst anfielen – gemeint sind direkte Investitionskosten für den Bau des Olympischen Dorfes, der Austragungsstätten, die Bereitstellung von Transport, Verwaltung und Arbeitskräften und Ähnliches. Indirekte Investitionskosten, wie zum Beispiel ein Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs (die ebenfalls zu großen Teilen zu den Gesamtkosten der Spiele für die ausrichtende Stadt beitragen können) wurden jedoch nicht berücksichtigt.

Mit dem Ziel die Kostensteigerung der Olympischen Spiele in einen Kontext zu setzen, vergleicht die Studie sie mit anderen Megaprojekten, wie zum Beispiel Brücken, Dämmen, Autobahnen, Zugstrecken, und großen IT Projekten. Die Olympischen Spiele stellen mit einer durchschnittlichen Kostensteigerung von 156% alle anderen Projekte in den Schatten.

Vor dem Hintergrund, dass manche Städte die Olympischen Spiele immer wieder ausrichten, stellt sich die Frage, warum es den Regierungen so schwer fällt, anfallende Kosten zu prognostizieren und im Zaum zu halten. Ein Teil des Problems steht in direkter Verbindung mit dem Ausschreibungsprozess des Internationalen Olympischen Komitees, sagte David Goldblatt, Autor des Buches The Games: A Global History of the Olympics. „Es scheint eine Art von vorsätzlicher Kostenunterschätzung vorzuherrschen, denn wenn man die letztendlichen Gesamtkosten bereits bei der Vergabe kommunizieren würde, würde niemand unterschreiben“, sagte Goldblatt unlängst in einem Interview. Mit anderen Worten: die Organisationskomitees, die mit der Ausarbeitung der Bewerbungen für die Ausrichtung der Spiele betraut sind, stehen unter einem sehr hohen Druck, ein möglichst niedriges Budget vorzulegen – auch wenn dieses Budget realistisch gesehen nicht einzuhalten ist.


Dieser Beitrag ist eine Kurzzusammenfassung des Artikels "Hosting The Olympics is a Terrible Investment", der am 15. August 2016 auf der Website "Five Thirty Eight" erschienen ist.