Wenn Sie überzeugt sind, dass das griechische Volk einfach nur über seine Verhältnisse gelebt hat und in unverantwortlicher Weise Geld verprasst hat, lesen Sie bitte nicht weiter.

Wenn Sie überzeugt sind, dass durch einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone, die bestehende Verschuldungsproblematik gelöst werden kann, lesen Sie bitte nicht weiter.

Wenn Sie überzeugt sind, dass wir dem Weltuntergang nah sind und bald alle Baumrinde fressen müssen ( ;-) @Robert Halver), lesen Sie bitte nicht weiter.

Wenn Sie überzeugt sind, dass das gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftssystem noch viele Jahrzehnte und Jahrhunderte Bestand haben wird und wir gegenwärtig in der Besten aller Welten leben, lesen Sie bitte nicht weiter.

Oh, wie schön, Sie haben sich entschlossen weiter zu lesen. Das freut mich! Also lassen Sie uns beginnen, einmal auf die andere Seite der Schulden zu schauen: auf die Guthaben.

Zurzeit könnte man tatsächlich meinen, die ganze Welt bestünde nur noch aus dem „bösen“ Griechenland. Alle anderen Themen (die Erdbebenopfer in Haiti und China, das Flugverbot durch Vulkanasche, GM/Opel/Vauxhall, etc.) sind keine Nachrichten mehr wert.

Es ist schon erstaunlich, welche unterschwellige Arroganz und Oberlehrerhaftigkeit bei manchem Politiker und in den Medien zu Tage tritt, wenn über die „griechische Tragödie“ gesprochen und berichtet wird. Gut, man kann sich natürlich auch tierisch darüber aufregen, dass die Prokopfverschuldung in Griechenland mit ca. 25.000 € um etwa 5.000 € höher liegt, als in Deutschland, wobei wir Deutschen die Griechen sicher bald eingeholt haben dürften, wenn das „Rettungs“paket für Hellas durch den Bundesrat tatsächlich abgesegnet werden wird.

Grundsätzlich werden Schulden und vor allem Staatsschulden immer als etwas Böses und Schlechtes angesehen. Schulden sind unangenehm, lästig und engen die Betroffenen ein. Doch wo Schulden sind, sind die Gläubiger nicht fern, - und für diese sind eben genau diese Schulden (z.B. Staatsanleihen) - aus deren Blickwinkel betrachtet - Guthaben und Vermögen.

Schauen wir uns einmal an, wer die Gläubiger der (offiziellen) deutschen Staatsverschuldung sind. (Die inoffizielle, wie z.B. zukünftige Versprechungen von Renten- und Pensionszahlungen blenden wir dabei einmal aus.) Ganz wichtig ist, dass wir uns bewußt machen, dass hinter jeder Institution, seien es Banken, Rentenkassen oder Lebensversicherungen immer Menschen stehen, die für ihr angelegtes Geld eine Rendite erwarten. Der Bankaktionär hofft auf steigende Aktienkurse und gute Dividenden. Vom verzinsten Sparen in Rentenkassen und Kapitallebensversicherungen erhoffen sich die Einzahler ein gutes Leben im Alter.

Aktuell hat die deutsche Staatsverschuldung eine Höhe von ca. 1,8 Billionen Euro erreicht und wächst jede Sekunde (!) um etwa 4.500,00 Euro an. Wer ganz genau die Staatsschulden hält, kann man nicht 100%ig sagen, da Staatspapiere – genau wie Aktien – ständig gehandelt werden.

Die Gläubigerstruktur ist also unscharf, was ein bisschen an die Quantenmechanik erinnert. (Siehe meinen Artikel über die Firma Semco: http://www.cashkurs.com/Detailansicht.80.0.html?&cHash=ac94f9e3bb&tx_t3blog_pi1[daxBlogList][showUid]=7327)

Nur zum Zeitpunkt der Messung, ergibt sich ein eindeutig, klares Bild über Deutschlands Gläubiger. Deswegen können die Zahlen, die ich hier angebe, nicht 100%ig stimmen. Bitte verzeihen Sie aufgrund der Unschärferelation die ein oder andere Milliarde Staatsschuld, die gerade in diesem Moment von einer inländischen an eine ausländische Bank verkauft werden könnte.

Die Schulden Deutschlands verteilen sich ungefähr wie folgt:

 

Bund:

 
 

1.100 Mrd. €

 
 

Länder:

 
 

550 Mrd. €

 
 

Gemeinden:

 
 

160 Mrd. €

 
 

Sozialversicherungen:

 
 

1,5 Mrd. €

 
 

Summe:

 
 

1811,5 Mrd. €

 

Und hier die Verteilung der Gläubiger Deutschlands:

 

 

Inländische Banken

 
 

490 Mrd. €

 

 

 

Inländische Nichtbanken:

 
 

380 Mrd. €

 

 

 

Ausländische Banken und Nichtbanken

 
 

941,5 Mrd. €

 
 

Summe:

 
 

1811,5 Mrd. €

 

Wäre es nun rein theoretisch möglich, dass Deutschland und alle anderen verschuldeten Staaten (also grob gesagt, fast die gesamte Menschheit) auf dieser Welt ihre Schulden tilgen würden, hätten die sparenden Bürger, die monatlich brav für ihre Altersvorsorge freiwillig oder unter Staatszwang (Renten-/Pflegepflichtversicherungen der Arbeitnehmer) sparen (müssen) ein großes Problem.

Ein neuer, anderer Schuldner müsste für die Staaten und deren „Verschuldungsorgie“ in die Bresche springen, um die Renditen der Anleger zu garantieren. Mir fällt gerade niemand ein, der dafür geeignet werde, - Ihnen vielleicht?

Ein weiterer Punkt ist, dass hauptsächlich Staatsanleihen von der EZB als Sicherheit für die Generierung neuen Zentralbankgeldes akzeptiert werden. Man müsste also neue „notenbankfähige Sicherheiten“ finden, um neues Zentralbankgeld in die Welt zu bringen, - oder man beginnt nicht mehr ganz so sichere Papiere als „sicher“ gelten zu lassen. Die amerikanische Federal Reserve und die Bank of England sind da im Gegensatz zur EZB schon einen Schritt weiter und akzeptieren auch minderwertige (Unternehmens-)anleihen oder kaufen Staatsanleihen direkt auf (Quantitative Easing). Anzumerken ist hierbei, dass selbst die Fed eine private Institution ist, - also tatsächlich Menschen als Eigentümer im Hintergrund zu finden sind.

Wir sehen also: (Staats-)schulden auf der einen Seite, sind immer auch Vermögen auf der anderen Seite, die tatsächlich von irgendwelchen Menschen gehalten werden.

Deswegen möchte ich an dieser Stelle Griechenland großen Dank aussprechen, auch wenn das dem Mainstream nicht gefallen wird:

Vielen Dank, liebe Griechen, dass Ihr unser Zins bringendes Sparen in den letzten Jahren möglich gemacht habt. Vielen Dank für Eure Verschuldung, die uns Glauben gemacht hat, wir könnten irgendwann einmal im Alter so schön leben, wie man Euch nachsagt. Danke, dass Ihr es in den letzten Jahren möglich gemacht habt, dass die Deutsche Pfandbriefbank - besser bekannt unter dem ehemaligen Namen HYPO REAL ESTATE (HRE) – 7,9 Mrd. Euro an griechischen Staatsbonds von Euch kaufen durfte, um mit den Zinsgewinnen ihre damaligen Eigentümer und nun uns Deutsche insgesamt - als neue, stolze Eigentümer - zu verzücken.

Auch sind die Lebensversicherungssparer des Versicherers Allianz glücklich über die Zinszahlungen für 3,5 Mrd. Euro, die sie bei Euch anlegen durften. Die Münchner Rück freut sich über 2,2 Mrd. Euro, die Commerzbank über 3 Mrd. Euro und auch die BayernLB war froh, Euch 300 Millionen Euro Kredit geben zu können, um Zinsgewinne zu „erwirtschaften“.

Vielen Dank dafür, liebe Griechen. Aber so geht das jetzt nicht weiter: Ihr seid pleite und müsst nun auch anfangen zu sparen. Eure Regierung will Euch die Haare schneiden, - ein großer „Haircut“ ist im Anmarsch, denn die griechische Regierung hat gestern beschlossen, einschneidende „Spar“- besser Kürzungsmaßnahmen umzusetzen, um das Land durch dieses Sparen und das damit einhergehende, völlige Abwürgen der griechischen Wirtschaft noch weiter in den Ruin zu treiben. Löhne und Renten der Griechen sollen sinken, die Steuern erhöht werden.

Ich schätze die Griechen sehr und mag ihre Lebensart, weiß aber auch, dass sie genau wie Franzosen, Spanier oder Italiener weit weniger obrigkeitshörig als viele Deutsche sind. Die Südeuropäer werden einfach schneller wütend, als wir hier im kühlen Norden. Ich denke, das griechische Volk wird sich das nicht gefallen lassen.

Es wird eine einfache Antwort haben: ?????? ??? ???? ???!

Die Übersetzung finden Sie hier:

http://uebersetzung.babylon.com/deutsch/griechisch/

Demnächst in Teil 2:

  • Welche Folgen hätte ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone und wie wird er möglicherweise vonstattengehen?
  • Wie sieht´s aus in Bezug auf die Baumrinde?
  • Meine persönliche Vorsorgestrategie.