Nachdem uns zunächst wieder die üblichen Sprüche über einen möglichen „GREXIT“ oder sogar Rauswurf Griechenlands aus der Euro-Zone von unseren Medien und Politikern um die Ohren gehauen wurden und Merkel/Schäuble dummerweise versuchten über an die Mainstreammedien lancierte Mitteilungen zum drohenden Verlust des Euros für Griechenland, bei den Griechen Ängste zu schüren und damit Einfluss auf die anstehende Wahl dort zu nehmen, dringt nun die Erkenntnis der Realitäten auch in die Gehirne der MSM-Schreiberlinge und Politiker ein.

Jetzt quillt aus allen Löchern, voran wieder mal „spiegel-online“ der Hinweis:

"Umdenken in Brüssel: EU diskutiert offenbar Schuldenerlass für Griechenland"

Es gibt keinen (GR)EXIT

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man darüber lachen. Wussten die führenden EU-Politiker, die führenden Leute unserer Bundesregierung und die Top-Journalisten möglicherweise bis vor wenigen Tagen nicht, dass man kein Land der Euro-Zone aus derselben „rauswerfen“ kann?

Entweder ein Land geht freiwillig oder eben nicht. Die EU im Zusammenspiel mit der EZB könnte ein Euro-Mitgliedsland zwar pleite gehen lassen, aber sonst nichts.

Und wer in Brüssel und sonstwo will denn ernsthaft ein Land der Euro-Zone pleite gehen lassen? Die Angst vor den Verwerfungen auf den Kapitalmärkten ist viel zu groß.

Nein, da wird schon lieber weitergewurschtelt. Auch wenn Probleme damit nur in die Zukunft verlagert und vergrößert werden.

Ob man den Griechen nun Schulden erlässt oder die Rückzahlung der vorhandenen Schulden bis in die Ewigkeit zinslos streckt, macht unter dem Strich keinen Unterschied.

Zahlen lügen nicht

Ich habe da mal ein Zahlenspielchen gemacht. Dafür reichen die vier Grundrechenarten, die in Brüssel, Berlin und den großen Zeitungsreaktionen auch beherrscht werden dürften:

Die Gesamtschuld Griechenlands beträgt im Moment 320 Milliarden Euro. Davon befinden sich inzwischen 80 Prozent in der Hand öffentlicher Gläubiger. Somit beim Steuerzahler.

2012 wurde Griechenland bereits ein Schuldenerlass von 107 Milliarden Euro gewährt.

Würde man von der derzeitigen Schuld über 320 Milliarden Euro die Hälfte erlassen, so würden den Griechen 160 Milliarden + 107 Milliarden = 267 Milliarden „geschenkt“.

Würden alle Schulden erlassen, was durchaus denkbar ist, da eine zinslose Streckung bis in alle Ewigkeit faktisch einem kompletten Schuldenerlass gleich kommt, wären mal eben 467 Milliarden weg. Wenn wir ehrlich sind, sind die schon weg gewesen, als sie nach Griechenland überwiesen wurden.

Nicht berücksichtigt sind in den obigen Zahlen ausstehende Target 2-Verbindlichkeiten, Hermes-Bürgschaften und griechische Bonds bei den Lebensversicherungen.

Bis 2020 sind dann mal lockere 1000 Milliarden angehäuft.

1 Billion für ein Land mit etwas mehr als 10 Millionen Einwohnern und dem Bruttosozialprodukt des Saarlandes ist schon eine gewaltige Hausnummer. Dafür können wir uns bei Merkel/Schäuble herzlich bedanken!

Wollen wir ein wenig weiter rechnen:
Macht also knapp 100.000 EURO pro Griechen, rund 420.000 EURO pro erwerbstätigen Griechen oder einen Quadratmeterpreis von 7,63 EURO für das ganze Land samt felsigen Bergen
und Inseln.

Mehr Solidarität von Deutschland wird gefordert
Da das noch nicht solidarisch genug ist, verlangt der Chefökonom der SYRIZA –Partei, dass sich Deutschland nun endlich für den 1953 gewährten Schuldenschnitt revanchieren soll. Der Mann ist zu intelligent, um Größenordnungen durcheinander zu bringen. Deshalb nennt er auch keine Zahlen aus der damaligen Vereinbarung.

Welche Bank käme auf die Idee von einem griechischen Durchschnittsbürger mit durchschnittlichem Monatseinkommen einen Schuldendienst von 420.000 Euro zu verlangen?
Noch nicht mal zinsfrei  würde das funktionieren.

Brüssel, Berlin, Paris, unter Federführung einer promovierten Physikerin waren da wohl optimistischer…

Ein Teil dieser Schulden entstand auch durch Zins und Zinseszins.

Ein weiterer Teil wird in die Zukunft verlagert und durch Inflation auf Kosten der Sparer neutralisiert.

Somit sind rund 70.000 EURO pro Einwohner Griechenlands als tatsächlicher Verlust anzusetzen.
Das zum Sparvermögen der Griechen addiert, bedeutet, dass die griechischen Bürger pro Kopf mit rd. 90.000 EURO über das höchste Sparvermögen und den größten privaten Immobilienbesitz verfügen. In Deutschland liegt es bei 32.000 EURO.

Über 80 Prozent der Griechen besitzen eigene Immobilien. Selten nur eine. Vergleichen Sie das mal mit der Eigentumsquote Deutschlands!

Vermögenskonzentration
Auch in Griechenland ist das Vermögen nicht gleichmäßig verteilt. Das meiste davon ist bei einigen wenigen Familien gebündelt. Diese sind bekannt und es wäre durchaus möglich, setzt allerdings den offensichtlich nicht vorhandenen politischen Willen voraus, ein paar Milliarden für den deutschen Steuerzahler zurück zu holen. Das würde auch keine sozialen Spannungen auslösen, sondern es würde schlimmstenfalls  die eine oder andere Portion Kaviar weniger in Yachtclubs kredenzt.

Neben den Steuertöpfen, aus denen sich die Reichen der Welt bedienen dürfen, können diese heute ganze Nationen in Geiselhaft nehmen.

Besserung in Sicht – fragt sich nur für wen
Totalversager auf den politischen Bühnen Europas erleichtern den Banklobbyisten diese Geschäfte zur hemmungslosen Bereicherung von einigen Wenigen auf fahrlässigste Weise.

Das gilt nicht nur für Griechenland, aber hier zeigt sich diese Fratze derzeit eben wieder mit aller Deutlichkeit.

Ob am 25.01. die SYRIZA mit Tsipras oder die Nea Dimokratia mit Samaras die stärkste Partei wird, wird mittel- bis langfristig keinen Unterschied machen.

Wer von Tsipras nachhaltige, nennenswerte Veränderungen erwartet, kennt die Nachfahren von Odysseus nicht.