„Kein normaler Konsument weiss heute auch nur ungefähr um die Herstellungstechnik seiner Alltagsgebrauchsgüter ... Nicht anders aber steht es mit sozialen Institutionen, wie etwa dem Gelde. Wie dieses eigentlich zu seinen merkwürdigen Sonderqualitäten kommt, weiss der Geldgebraucher nicht – da sich ja selbst die Fachgelehrten darüber heftig streiten.“

(Max Weber, Soziologe, Jurist und Nationalökonom)

Fortsetzung von:

Zentralbanken und Zentralbankgeld

Münzgeld – Schlagschatz - Seignorage

Geldschöpfung in früheren Zeiten: Die Geldmenge M1 und der Wechsel

Geldschöpfung heute: Die Ausweitung der Geldmenge M1 durch die Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken

Das zweistufige Geldsystem: Bar- und Giralgeld

QE – Quantitative Easing

Analyse der Geldmengen

In diesem und den folgenden Artikeln werden die Geldmengen und ihre Entstehung, Verschiebungen innerhalb der Mengen und ihre Wirkung auf die Geldmenge M1 behandelt. Zur Erinnerung: Der Begriff M1 bezeichnet die Menge an Geld, die tatsächlich zum Bezahlen verwendet werden kann.

Unterschied zwischen Geld und Zahlungsmittel

Nicht alles, was als Geld bezeichnet wird, ist auch Geld im Sinne von Zahlungsmittel bzw. potentielles Zahlungsmittel. So gehören sowohl Aktien als auch Lebensversicherungen nicht zum Geld und auch nicht zu den Geldmengen M2 oder M3. Allerdings tauchen zum Beispiel Aktien in Statistiken zu Geldvermögen auf, was begründet wird mit der Tatsache, dass diese Wertpapiere schnell in Giralgeld umwandelbar sind.  Man muss sich nun fragen, ob nicht auch die Brötchen des Bäckermeisters „Geld“vermögen sind, denn diese finden ja bekanntlich – gerade in den frühen Morgenstunden – reißenden Absatz und können von einer Bäckerei auch schnell zu Geld gemacht werden.

Abb. 18: Geldvermögen der Deutschen, Stand 12/2009

Auch Geldanlagen bei Versicherungen tauchen in diesen Statistiken auf, wobei man sich bewußt sein sollte, dass diese sogenannten Vermögen im Grunde nie etwas anderes sind, als Versprechungen auf Rückzahlung von Giralgeld. Bedenkt man jetzt noch den Umstand, dass Versicherungen selbst wieder als Käufer von Wertpapieren, wie beispielsweise Bankschuldverschreibungen auftreten, wird das Ganze noch verzwickter. Wir müssen feststellen, dass es äußerst schwierig ist, Geld, Geldmengen, Geldvermögen oder auch den Begriff „Ersparnisse“ zu definieren und auseinanderzuhalten.

Nur die Geldflüsse geben Auskunft darüber, ob eine Geldanlage tatsächlich eine Geldanlage, ein Geldvermögen, eine Wette oder eine Sachanlage ist. Nicht alle Geldanlagen sind Anlageformen, die die Zusammensetzung der Geldmengen verändern. Es handelt sich entweder um Geldbesitzwechsel oder um eine Geldblockierung, deren Bedeutung darin liegt, dass Geld seine Funktion als Zahlungsmittel verliert.

Geldmengen und ihre Definitionen

Die gesamte Geldmenge M (zur Verdeutlichung als Mmax bezeichnet) wird durch Definition in Untermengen aufgeteilt. In den Geldmengen werden mit Ausnahme des Bargelds nur die Verbindlichkeiten der Banken erfasst. Salopp ausgedrückt: Fast die gesamten Geldmengen sind die Schulden der Banken.

Tab. 1: Geldmengendefinitionen (MFI = Monetäres Finanzinstitut)

Werden die einzelnen Positionen betrachtet, fällt auf, dass die Geldmengen sich aus den „Schulden“ bzw. den Verbindlichkeiten (Passiva) von Banken und dem umlaufenden Bargeld zusammensetzen. Der Kassenbestand an Bargeld innerhalb von Banken zählt jedoch nicht zur Geldmenge M1, sondern zur Geldmenge M0.

Bis auf das Bargeld sind die Geldmengen also nur Ansprüche auf Auszahlung von gesetzlichem Zahlungsmittel, woraus man jedoch nicht ableiten kann, dass Giralgeld auf einem Girokonto (nutzbar z.B. für Überweisungen) kein Zahlungsmittel ist. Giralgeld ist ebenfalls Zahlungsmittel, auch wenn es (noch) nicht als gesetzliches Zahlungsmittel bezeichnet werden kann. Abgegrenzt werden die einzelnen Geldmengen jeweils nur nach der Laufzeit der Bankverbindlichkeiten mit Ausnahme des umlaufenden Bargeldes. 

Wir müssen also feststellen, dass die Geldmengen überwiegend (bis auf das umlaufende Bargeld) aus den Verbindlichkeiten von Banken bestehen oder, - anders herum ausgedrückt - geben die Geldmengen einen Überblick über die Schulden der Banken und deren Rückzahlungstermine.

Für August 2009 werden vom EZB-System die Geldmengen wie folgt angegeben. Die Abbildung 19 ist maßstabsgetreu, so dass die Größenverhältnisse gut abgebildet sind.

Abb. 19: Darstellung der Geldmengen M und ihre Untermengen (August 2009)

Die jeweils kleinere Menge ist Bestandteil der übergeordneten Menge:

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 M1 ist in M2 enthalten

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 M2 ist in M3 enthalten

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 M3 ist Bestandteil der gesamten Geldmenge Mmax 

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 In M oder Mmax sind Geldmengen enthalten, die nicht M3 zugeordnet werden können (z.B. Bankschuldverschreibungen mit längerer Laufzeit als 2 Jahre)

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 Umlaufendes Bargeld und Giralgeld ist Bestandteil jeder Geldmenge.

Hier nun noch einmal die Gegenüberstellung zur Geldmenge M0, abgebildet in einer anderen Darstellung.

Abb. 20: Gegenüberstellung Interbankengeld (M0) und Geldmengen M1 bis M

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