Die Geschichte lehrt: Die Lösung der spanischen Bankenkrise wird für den spanischen Staat teuer und wird noch lange Zeit dauern…

Spanien steht weiterhin im Zentrum der europäischen Schuldenkrise. Die Minister der Europäischen Union werden Spanien wahrscheinlich ein Jahr mehr Zeit einräumen, um das Defizitziel von drei Prozent im Verhältnis zum spanischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu erreichen. Spanien müsse das Ziel dann bis zum Jahr 2014 erfüllen. Spanien hatte in den letzten Monaten sein Haushaltsdefizit für das Jahr 2011 bereits mehrmals nach oben revidiert (letzter Stand: 8,9 %-Defizit im Verhältnis zum spanischen Bruttoinlandsprodukt, weitere 4 Milliarden € mehr als geplant). In Spanien stieg die Rendite für zehnjährige Staatspapiere im heutigen Vormittagshandel erstmals seit Mitte Juni wieder über die Marke von 7 %. Neben der Verschuldung Spaniens sind die spanischen Banken eigentlich das größte Risiko des Landes.

Spanien ist im Juni als viertes Euroland unter den europäischen Rettungsschirm geschlüpft und kann für seine maroden Banken auf Notkredite von bis zu 100 Milliarden € bauen. Anders als in den Fällen Griechenland, Portugal und Irland wird es dabei erstmals um spezielle Notkredite zur Stabilisierung des Bankensystems gehen. Damit möchte die viertgrößte Volkswirtschaft den in Madrid befürchteten Auflagen und Kontrollen seines Haushalts entgehen. Da die Notkredite aus den europäischen Rettungsfonds stammen, werden diese wahrscheinlich nicht auf die staatliche Verschuldung Spaniens angerechnet. Vor einiger Zeit hatte ich an dieser Stelle berichtet, dass Spanien wahrscheinlich seine kritische Schuldengrenze erreicht hat. Aus vielen Studien ist bekannt, dass Staaten mit einer Schuldenquote von mehr als 90 % ihres BIPs einem erheblichen Zahlungsausfallrisiko ausgesetzt sind. Setzt man die spanische Gesamtverschuldung ins Verhältnis zum BIP, dann entspricht dies derzeit zwar nur einer Schuldenquote von ca. 75 %. In einigen Jahren könnte in Spanien aber eine deutlich höhere Schuldenquote erreicht werden. Zahlungsausfälle in wirtschaftlich schwachen Ländern können jedoch selbst bei weitaus niedrigen Schuldenquoten eintreten – und das geschieht auch – wie einige bekannte Auslandsschuldenkrisen demonstrieren (zum Beispiel Mexiko im Jahr 1982 mit einer Schuldenquote von 47 % und Argentinien mit einer Schuldenquote von ca. 50 % des BIPs). Die Thesen bezüglich der weiteren Entwicklung in Spanien scheinen sich nunmehr zunehmend zu bestätigen. Der US-Ökonom Nouriel Robini geht sogar davon aus, dass Spanien bereits in den kommenden sechs Monaten seinen Zugang zum Kapitalmarkt verlieren wird.

Fokussieren möchte ich mich nunmehr auf die Kosten für eine Regierung, vor allem auf den gewaltigen Anstieg der Staatsverschuldung, der auf Bankenkrisen folgt. Studien belegen die negativen Auswirkungen von Bankenkrisen auf die Wirtschaftsaktivität. Schwere Finanz- und Bankenkrisen wie in Spanien treten nicht isoliert auf. Eine plötzliche Umkehr des Wirtschaftswachstums führt zu einer Serie an notleidenden Bankkrediten (in Spanien insbesondere die Immobilienkredite), die zu einer restriktiveren Kreditvergabe führen, die ihrerseits das Wirtschaftswachstum weiter bremst, was zu weiteren Rückzahlungsschwierigkeiten führt etc. Die Geschichte lehrt uns, dass die Befreiung von einer Bankenkrise sehr teuer und schwierig sein kann. Seit dem 2. Weltkrieg bestand die häufigste politische Antwort auf eine Bankenkrise in der Einrichtung eines Rettungspakets für den Bankensektor, sei es durch den Ankauf von Aktiva (faulen Krediten), gesteuerten Fusionen zwischen sog. „Bad Banks“ und relativ soliden Banken, eine direkte Übernahme durch den Staat oder eine Kombination aus diesen Maßnahmen. Oftmals implizierten solche Schritte umfangreiche fiskalische Rettungsschritte, vor allem in der ersten Phase einer Krise. Bankenkrisen wie in Spanien werden zu lang anhaltenden Phänomenen mit nachhaltigen negativen Folgen für die Immobilienpreise eines Landes und dessen Realwirtschaft. Es ist daher keine Überraschung, dass eine solche Krise wie in Spanien deutlich negative Auswirkungen auf die Staatseinkünfte hat. Studien belegen, dass die Staatsschulden in den 3 Jahren nach einer Krise im Schnitt um knapp 100 % angestiegen sind. Die fiskalischen Konsequenzen (Rückgang der Ertragssteuereinnahmen, Ausgabensteigerungen aufgrund einer gestiegenen Arbeitslosigkeit etc.) sind dabei häufig wesentlich höher als die eigentlichen Kosten einer Bankenrettung. Diese Zahlen bestätigen sich in Spanien. Im zweiten Quartal 2012 machten die spanischen Schulden ca. 75 % des BIPs aus. Und im ersten Quartal 2008, als die Finanz- und die Bankenkrise begann, lag die Verschuldung Spaniens noch bei 35 % des spanischen BIPs. Innerhalb der vergangenen Jahre hat sich die Schuldenlast Spaniens also mehr als verdoppelt. Auch in Spanien sind die Einnahmerückgänge und die Ausgabensteigerungen aufgrund der schwierigen konjunkturellen Situation höher als die eigentlichen Kosten der Bankenrettung.

Dabei ist es keine Überraschung, dass die Maßnahmen zur Bankenrettung, der Rückgang der Staatseinnahmen, die steigenden Sozialausgaben etc. implizieren, das die Staatsdefizite steigen und die Staatsschulden sich erhöhen. Was dabei allerdings verblüfft, ist das dramatische Ausmaß dieses Anstiegs. Diese Zahlen und Entwicklungen bestätigen, dass die Befreiung von einer Bankenkrise wie in Spanien extrem schwierig, teuer und langwierig ist. Die schwere Rezession, in der sich Spanien befindet, wird die Verschuldung auch in den kommenden Monaten und Jahren ansteigen lassen.