Wenige, wenn auch nur irgendwelche, Konzerne absorbieren die vollen Kosten aus ihren Geschäftsaktivitäten. Konzerne laden einen großen Umfang ihrer Kosten auf ihre Umwelt, den öffentlichen Sektor und unbeteiligte Drittparteien ab. Lassen Sie mich an dieser Stelle ein Beispiel anbringen. Zurzeit fließen rund 3 Millionen Gallonen verseuchtes Wasser aus einer Bergbaumine in Colorado zwei Flüsse hinab, die direkt in den Utah See und den Lake Powell einmünden. Mindestens sieben Trinkwasserversorgungssysteme, die von den beiden Flüssen abhängen, mussten durch die Behörden geschlossen werden.

Die Verschmutzung wurde durch eine private Bergbaugesellschaft verursacht, woraufhin wohl eine ungewollte Freisetzung durch die Umweltschutzbehörde EPA erfolgte. Vielleicht handelt es sich im Fall dieser Geschichte tatsächlich einmal um die Wahrheit oder es handelt sich unter Umständen leider doch nur wieder um die versuchte Verschleierung von Geschehnissen zugunsten der Bergbaugesellschaft.

Ökonomen nenen es: „Externe Kosten“ oder „soziale Kosten“

Falls das Reservoir des Lake Powell verseucht werden sollte, ist es nur allzu wahrscheinlich, dass die daraus entstehenden Kosten für Dritte beziehungsweise die Steuerzahler den Ausstoß dieser Mine über deren gesamte Abbauzeit übertrumpfen werden. Ökonomen bezeichnen solche Kosten als „externe Kosten“ oder „soziale Kosten“. Die Mine machte einen großen Teil ihrer Profite, indem sie Schmutzstoffe ins Wasser absonderte.

Die hierfür anfallenden Kosten müssen jedoch durch diejenigen getragen werden, die an den Profiten der Betreiberfirma nicht beteiligt sind. Da dies die Art und Weise ist, wie der regulierter Kapitalismus funktioniert, können Sie sich gewiss vorstellen, auf welch schreckliche Weise ein staatlich unregulierter Kapitalismus ablaufen würde. Denken Sie in diesem Kontext nur an das unregulierte Finanzsystem und den daraus entstehenden Konsequenzen, unter denen wir alle leiden. Und dabei wird es beileibe ganz gewiss nicht bleiben.

Obwohl viele Beweise für das Gegenteil sprechen, halten Liberalisten an deren romantisch angehauchten Konzept des Kapitalismus fest, dass befreit von den Interventionen des Staates, dem Verbraucher mit den besten Produkten zu den niedrigsten Preisen dient. Wenn dem doch nur so wäre. Politisch Progressive haben entgegen eines verklärenden Romantizismus der Liberalisten ihr eigenes Konzept.

Die „weißen Ritter“

Die Progressiven sehen in der Regierung und dem Staat einen weißen Ritter, der die Öffentlichkeit vor der unbändigen Gier der Kapitalisten schützt. Wenn dem doch nur so wäre.

Jedermann, und mit großer Gewissheit sowohl Liberalisten als auch Progressive, sollten Jeffrey St. Clairs Buch Born Under A Bad Sky (2008) lesen. St. Clair ist ein emsiger Autor, und sein Buch trifft den Nagel an mehreren Stellen auf den Kopf.

Falls Sie niemals mit einem Kanu auf den Flüssen des amerikanischen Westens gepaddelt sind, sich noch nie der Herausforderung des Durchpaddelns von reißenden Stromschnellen gestellt oder mit Moskitos und Klapperschlangen Bekanntschaft gemacht haben, können Sie solche Dinge in St. Clairs Büchern wunderbar erleben, während Sie zur selben Zeit etwas darüber lernen können wie Organisationen wie der Park Service, der Forest Service und das Bureau of Land Management durch Bauholzfirmen, Minenunternehmen sowie Vieh- und Weidewirtschaftsfarmen korrumpiert werden. Die aufgezählten Privatwirtschaftssektoren machen einen Haufen Geld, indem sie unsere nationalen Wälder und öffentliches Weide- und Staatsland ausplündern.

Hohe Subventionen für Minenkonzerne, Holzbaufirmen und Viehfarmer

Die vor allem Minenkonzernen, Holzbaufirmen und Viehfarmern zufließenden Subventionen des Staates, sind ebenso üppig ausgestattet wie sie sich im Hinblick auf das Öffentliche Interesse als schädlich erweisen. Ebenso verhält es sich auch mit den staatlichen Subventionen, die den so genannten Too-big-to-fail Banken von Seiten der Federal Reserve und dem US-Finanzministerium zufließen.   

Progressive wie auch Liberalisten sollten St. Clairs Ausführung gut lesen und ihnen folgen, um zu verstehen, auf welche Weise der Forest Service Straßen in zuvor pfadlosen Wäldern baut, um Holzfällerfirmen zugunsten eines Fällens von uralten Wäldern und Baumbeständen zu subventionieren, wodurch gleichzeitig die Flora und Fauna nachhaltig zerstört wird und ganze Arten und Spezies in ihrem Bestand gefährdet werden. 

Unsere Romantiker müssen lernen, auf welche Weise weniger wertvolles Land zugunsten von wertvollem Staatsland eingetauscht wird, um öffentlichen Wohlstand zugunsten von privaten Konzerninteressen zu verhökern. Progressive und Liberalisten müssen lernen, dass die Erlaubnis zur Nutzung von Staatsland durch private Rinderzüchter in einer Zerstörung der allgemeinen Umwelt, Flussufern sowie Wasserlebewesen endet.

Progressive und Liberalisten müssen verstehen, dass die führenden Köpfe der eigentlich zum Schutz dienenden Bundesbehörden selbst aus der Holzfäller-, Minen- und Viehzuchtfirmen stammen. Diese Personen arbeiten zugunsten und im Interesse von privaten Konzernen und nicht zugunsten der amerikanischen Öffentlichkeit.  

Amerikaner aller Gesellschaftsklassen und jeder Coleur müssen verstehen, dass ebenso wie Senatoren und Mitglieder des Repräsentantenhauses gekauft und durch den militärisch-industriellen Komplex des Landes bezahlt werden, sich sowohl die Wall Street als auch die Israel Lobby in Händen von Minen- und Holzbaukonzernen sowie den Viehzüchtern befinden. Das öffentliche Interesse der Allgemeinheit wird hierbei nirgendwo sichtbar.

Wasserreservoirs trocknen aus

Die zwei größten Wasserreservoirs, Lake Mead und Lake Powell, befinden sich im Hinblick auf deren Wasserstände zurzeit bei 39% respektive 52%. Diese beiden massiven Seen, von denen die westlichen Bundesstaaten in den USA abhängen, trocknen aus. Und nun blickt der Lake Powell der Gefahr entgegen, schon bald 3 Millionen Gallonen toxischen Wassers in seine Gestade einmünden zu sehen.

Dieses verseuchte Wasser enthält unter anderem Arsen, Blei, Kupfer, Aluminium und Cadmium. Auch viele Wasserbrunnen in den platten Grasebenen sind durch die verseuchten Flüsse hochgradig gefährdet. Die vielen Schadstoffe, welche die Flüsse in orange färbten, fließen den Animas Fluss von Silverton, Colorado über Durango bis hinunter in den San Juan River in Farmington, New Mexico.

Der San Juan River mündet wiederum in den Colorado River, der sowohl Lake Powell als auch Lake Mead mit Wasser speist. Und all dieser Schaden wurde nur durch eine einzige Bergbaumine verursacht. Im November letzten Jahres brachte der republikanische Senator Chris Stewart aus Utah seinen Gesetzentwurf durch das Repräsentantenhaus. 

Stewart ist ein Frontläufer des Kapitalismus. Sein Gesetzentwurf „ist auf eine Art und Weise ausgearbeitet,  dass qualifizierte Wissenschaftler und vor allem unabhängige Wissenschaftler die Environmental Protection Agency (EPA) in der Zukunft nicht mehr beraten könnten. Sie würden sukzessive durch Personen ersetzt werden, die aus den jeweiligen Industrien selbst stammen.

Dabei ist auch völlig unklar, ob diese Personen überhaupt über die notwendige Ausbildung und Expertise in den verschiedenen Gebieten verfügen. Der Bezug der Gehaltszahlungen durch diese Leute dient dann jedoch denjenigen Unternehmen, die der EPA eben jene Dinge ins Ohr flüstern möchten, die den Weg zur Umsetzung von deren Interessen ebnen. Republikaner Steward führt aus, dass es um eine Ausbalancierung der wissenschaftlichen Fakten mit den Interessen der Industriegruppen geht. Und hier haben Sie es wieder einmal...


Gastbeitrag für CK*wirtschaftsfacts / © 2015 Dr. Paul Craig Roberts / Institute for Political Economy

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