Auch in den wenigen Sekunden die man vor einem Geldautomaten verbringt kann man etwas lernen. Vor einem Automaten der Commerzbank lag ein Stapel mit Prospekten aus. Die Botschaft: „Das Sparen von heute: Anlegen.“ Angesichts derartiger Aussagen kann die desolate Entwicklung der Bank in den letzten zehn Jahren nicht verwundern…

Das Niedrigzinsumfeld sorgt für einen stetigen Fluss neuer Definitionen. Dabei wird alles so lange umgebogen, bis man dem Kunden eingebleut hat, dass er gefälligst anders und zwar risikoreicher anzulegen hat.

Was beispielsweise ein US-Anleger heute tun muss, nur um die Möglichkeit zu haben, 7% zu verdienen zeigt die folgende Grafik eindrucksvoll.

Die Schwankungsbreiten in der letzten Zeile verdeutlichen, dass man die Rendite sehr wohl erreichen kann, aber auch ganz woanders landen kann. Selbst nach den Erfahrungen der letzten 20 Jahre herrscht noch immer eine weit verbreitete Ahnungslosigkeit hinsichtlich der Schwankungsbreiten von Anleihen und Aktien. Es wird von einem möglichen Zinsanstieg gesprochen und das Wort Rentencrash ist nie weit entfernt. Um allerdings eine fünfjährige Anleihe wirklich crashen zu lassen muss man schon einen vergleichsweise absurden Renditeanstieg einpreisen. Bei langlaufenden Papieren können die Einbrüche durchaus einen aktienähnlichen Charakter aufweisen, dies allerdings auf den ganzen Anleihemarkt zu übertragen ist unabhängig von den tatsächlich absurd niedrigen Renditen nicht sinnvoll.

Auch bei Anleihen mit kürzeren Laufzeiten kann es durchaus zu zweistelligen Kursrückgängen kommen kann. Dafür muss jedoch schon einiges passieren. Was andererseits bei einem Anstieg der Zinsen im fünfjährigen Laufzeitbereich auf sagen wir einmal 5% an den Aktienmärkten los wäre, wird gerne unter den Teppich gekehrt. Was treiben dann wohl die Immobilienpapiere und die Papiere der Dauer-Firmenaufkäufer? Man kann die Zinskurve spaßeshalber einmal um 5% nach oben verschieben und mit den neuen Daten die so beliebten Discounted Cash Flow Modelle füttern. Das Ergebnis dürfte die Fantasie anregen.

Die Commerzbank sagt ihren Kunden mittels des verteilten Zettelchens haargenau, wie sie das Geld der Kunden verwaltet. Pardon, das Geld wird natürlich nicht verwaltet, man spricht vom managen des Vermögens.

Man kann schnell reagieren und so ist es möglich Veränderungen zuvorzukommen. Das sind Sprüche wie vor zwanzig Jahren. Möglich ist alles, aber…

Ach, herrjeh.

Ein ganz neuer Ansatz. Ob die Commerzbank lediglich die Investitionen anpasst oder gleich die Märkte wird nicht näher erläutert. Die Geschichten vom Goldkursfixing und der Preisgestaltung beim Libor durch einige Banken lässt der Fantasie viel Raum.

Proaktiv, na dann. Das klappt in der Regel zwar bei mehr als 90% der Fondsmanager nicht, aber möglicherweise haperte es an der Proaktivität.

Für den Anleger bleibt zum Notieren und nicht vergessen der Merksatz Cash ist Cash. Es gibt keinen Ersatz für Cash. Den Preis für Cash mag man angesichts negativer Zinsen als zu hoch einstufen. Man sollte jedoch die -0,4% jährlich ins Verhältnis zur Schwankungsbreite anderer Assetklassen setzen. Der Aktienmarkt schwankt gerne auch 4% am Tag. Ein einziger Tag an dem es derart bergab geht entspricht somit auf dem aktuellen Niveau den Kosten von 10 Jahren Negativzinsen. Kein Grund zur Panik also. Selbst wenn die Bank ihre Gebühren eintreibt gilt weiterhin: Nur keine Hektik beim Umschichten, die Risiken nicht aus den Augen verlieren und ihnen schon gar nicht hinterherlaufen. Bessere Chancen als 3% Rendite für drittklassige High Yield Bonds bringt die Zukunft allemal.

Es sei an dieser Stelle noch einmal erwähnt, dass die Aufgabe des Finanzmarktes nicht die Generierung einer auskömmlichen Rendite ist. Das sollte man bei seiner Lebensplanung berücksichtigen. Niemand sollte sich von abgedroschenen Floskeln mehr oder weniger kreativer Werber beeinflussen lassen und daran glauben, es gäbe sichere Renditen. Die wichtigsten Grundzüge für erfolgreiches Handeln sind Disziplin und Geduld. Wachs in den Ohren kann manchmal ebenfalls nicht schaden.

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