Anfang dieser Woche wurde bekannt, dass die italienische Kriminalpolizei eine prominente Gruppe von etwa 1.500 Steuerhinterziehern dingfest gemacht haben soll, die den italienischen Staat jährlich um ca. eine Milliarde Euro betrogen haben soll. Insgesamt wird die Höhe der Steuerhinterziehung in Italien auf etwa 120 Mrd. Euro jährlich geschätzt. Das Geld soll zunächst in die Enklave San Marino transferiert worden sein, um dann auf Konten in Steuerparadiesen wie Panama, Luxemburg oder Delaware zu verschwinden. Bei den Beschuldigten handelt es sich um sieben ehemalige Mitarbeiter der San Marino Investimenti (SMI), eine Gesellschaft die bereits Ende 2012 in Konkurs gegangen ist. Die Ermittlungen richten sich auch gegen Show-Größen, Geschäftsleute und Banker. [1] In einem anderen Fall sind auch kürzlich erst die berühmten italienischen Modeikonen Dolce & Gabbana wegen Steuerhinterziehung zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt worden. Sie hatten eine – ihrer Ansicht nach legale – Holding-Firma namens Gado in Luxemburg gegründet, um in Italien weniger Steuern zahlen zu müssen. [2]

Auch wenn die Zeiten für Steuersünder schwieriger werden, - insgesamt besteht wenig Aussicht, dass sich etwas ändert. Denn auch wenn im Zuge der Uli-Hoeneß-Affäre die Selbstanzeigen in Deutschland sprunghaft angestiegen sein sollen [3], ist es auch heute noch sehr einfach, große Vermögen über Schein- und Briefkastenfirmen in Steuerparadiese zu transferieren.

Und selbst die Gründung eines eigenen Unternehmens samt Aktionäre und Direktoren ist im Internetzeitalter denkbar unkompliziert. Schauen sie sich einfach einmal die Dienstleistungen der SFM Corporate Services S.A. mit Hauptsitz in der Schweiz an.

Natürlich kostet das Ganze ein wenig Geld, doch keineswegs so viel, wie man gemeinhin annehmen könnte. Schon für insgesamt 3.840 Euro erhält man zusätzlich zur Gründung eines Unternehmens auf den Bahamas (€ 1950,-) beispielsweise ein Bankkonto in Belize (€320,-) und nominierte Direktoren (€320,-). Im Lieferumfang sind des Weiteren enthalten:

  • nominierte Aktionäre (€320,-)
  • ein virtuelles Büro 'Standard'  Genf (€ 400,-) inkl. dem Management von Telefonanrufen und E-Mails
  • die Gestaltung eines Firmenlogos, der Visitenkarten und des Briefkopfes (€250,-)
  • ein Firmenstempel (€ 70,-)
  • die Beglaubigung & Apostille auf Urkunden (€ 120,-)
  • und eine Handlungsvollmacht (€ 90,-)

Auch die telefonische Beratung lief im Selbsttest sehr professionell und freundlich ab. Schließlich gibt es nichts zu verbergen. Die Gründung einer eigenen Firma oder eines Bankkontos im Ausland ist schließlich völlig legal. Illegal wird es nur, wenn dem Finanzamt Kapitalerträge aus Vermögen verschwiegen werden.

Traurig an der ganzen Geschichte ist jedoch eigentlich nur, dass genau die Menschen, die es gar nicht nötig hätten Steuern zu hinterziehen, genau das weiterhin in großem Ausmaß tun. Und Menschen, die noch dem Mittelstand angehören, keine Möglichkeit haben, sich gegen die steuerliche Staatswillkür zu wehren und immer mehr ausgepresst werden.

Opfer wurde vor kurzem zum Beispiel eine mir bekannte alte Dame, gegen die ein Steuerstrafverfahren eingeleitet wurde. Sie hatte die Änderungen zum Alterseinkünftegesetz [4] von 2005 nicht mitbekommen und demnach auch keine Steuererklärungen abgegeben. Ein kleiner Nebenjob als Verkäuferin bringt ihr bis heute ein kleines Zubrot, das sie die ganzen Jahre genutzt hat, um ihre Enkelkinder finanziell zu unterstützen. Die Steuerschuld beläuft sich heute auf über 11.000 Euro, die ihre gesamten Ersparnisse für ihre Beerdigung aufgefressen haben. Zusätzlich wird sie wohl bis zum Lebensende für das Finanzamt arbeiten müssen und das, obwohl sie seit ihrem 16. Lebensjahr in Lohn und Brot steht.

Die Frage, wie einst ihre Beerdigung aussehen wird, treibt die alte Dame um und macht sie sehr traurig. Weinend fragte sie mich neulich, wer ihr Begräbnis denn nun bezahlen solle. Geantwortet habe ich nicht - nur gedacht. Vielleicht der Staat. Gerecht wäre das.

Fußnoten und Verweise:

[1] Reuters: Italian police crack billion euro tax evasion ring

[2] N24 Gigantischer Steuerbetrug: Haftstrafen für Designer Dolce und Gabbana

[3] Steuerbetrug: Tausende Selbstanzeigen durch Hoeneß-Effekt

[4] Steuertipps.de: Wann müssen Rentner eine Steuererklärung abgeben?