Im I. Quartal 2014 setzt sich die globale Konjunkturerholung fort. Setzt man die Einschätzung der Geschäftslage und der -erwartungen des weltweiten Verarbeitenden Gewerbes laut ifo Institut zueinander in Beziehung, so befindet sich die Weltwirtschaft im Übergang vom Aufschwung- in die Boomphase. Lichtblicke für die Weltwirtschaft sieht das ifo Institut in den robusten Geschäftsaussichten der US-Industrie, einer sich allmählich entwickelnden Euro-Wirtschaft und stabilen Konjunktureinschätzungen für Asien. Letzteres ist aufgrund der Jahresanfangsturbulenzen in den Schwellenländern zwar bemerkenswert, doch unterstreichen die im Januar mit 10,6 Prozent zum Vorjahr überraschend robusten chinesischen Exporte diese positive Stimmungseinschätzung mit harten Fakten.

Natürlich hat China Probleme. Die Schattenbanken mit ihren ausfallbedrohten Krediten sind eine reale Gefahr. Im Übrigen wird China das frühere Wachstumstempo verständlicherweise nicht aufrecht erhalten können. Leistungsbilanzüberschüsse, positive Devisenreserven und eine einsatzfähige Notenbank sollten als Argumente aber nicht vergessen werden. Überhaupt, sieht es etwa in der westlichen Welt besser aus? Insgesamt ist eine Wiederholung der Asien-Krise Ende der 1990er Jahre nicht zu befürchten. Und ist der harte Kern der Schwellenländer - vor allem die BRIC-Staaten - stabil, ist auch kein wirklicher Gegenwind für die etablierten Volkswirtschaften zu befürchten.

Die US-Konjunkturerholung wird im Jahresverlauf weiter an Dynamik gewinnen. Und mit einem leichten Wirtschaftswachstum im Schlussquartal schreitet selbst die euroländische Konjunkturerholung in Trippelschritten voran, ohne dass jedoch hier Entwarnung gegeben werden kann. Zugpferd der Eurozone bleibt Deutschland, das sich einer zunehmenden Investitionsbereitschaft deutscher Unternehmen und eines robusten Konsums erfreut. Deutschland wird 2014 konjunkturell positiv überraschen. Und auch Japan dürfte seine Konjunkturerholung dank anhaltender geldpolitischer Unterstützung fortsetzen.

Unterstützt wird dieses positive fundamentale Bild durch die Aktienkursentwicklung mittelständischer deutscher Unternehmen, die auch als konjunktureller Frühindikator ihren Wert hat: Bereits seit 2009 entwickeln sich die im MDAX gelisteten, deutlich konjunktur- und exportsensitiv ausgerichteten Unternehmen im Vergleich zum DAX im Trend eindeutig besser.

Fed-Chefin Yellen als Friedenstaube für die Finanzmärkte

Der vermutlich wichtigste weltkonjunkturelle Stützpfeiler - die US-Geldpolitik - bleibt stabil. So bekräftigte die neue Fed-Chefin Janet Yellen auf ihrer ersten Kongressanhörung zwar die maßvolle Fortführung des Tapering ihres Vorgängers, lässt sich aber alle Hintertüren für eine mögliche Verringerung bzw. sogar Aussetzung des Tapering - je nach ökonomischer Datenlage - offen. Schließlich weiß die Fed um die globalen Auswirkungen ihrer Geldpolitik, insbesondere für die Schwellenländer.

Von besonderer Bedeutung ist die Aussage Yellens, wonach der US-Arbeitsmarkt noch lange nicht das befriedigende Niveau erreicht hat, dass eine restriktive Zinspolitik nahe legt. Dies gelte selbst dann, wenn der bisherige Schwellenwert von 6,5 Prozent Arbeitslosenquote unterschritten werde. Ähnlich hat diese Woche die Bank of England argumentiert, die sich damit ein Alibi für die Beibehaltung der Niedrigzinsen geschaffen hat, ohne in Glaubwürdigkeitsprobleme zu geraten.

Im Übrigen deutete Frau Yellen mehrfach an, dass sie über die Hinzuziehung zusätzlicher Indikatoren für die Ausrichtung ihrer Geldpolitik nachdenkt. Diese gäben ihr weiteren Spielraum für die Beibehaltung des aktuellen Notenbankzinsniveaus.

Insgesamt sind damit die Befürchtungen der Finanzmärkte, dass spätestens nach dem Tapering Notenbankzinserhöhungen folgen, nicht gerechtfertigt. Sollte die Liquiditätszuführung im kommenden Sommer ihren Abschluss finden, wäre sogar das „Tapering“ als Negativargument für die Aktienmärkte verschwunden. Dann würden sich die Investoren an den dauerhaft niedrigen Notenbankzinsen orientieren.

Denn die Vergangenheit zeigt deutlich, dass erst Zinserhöhungen das positive Bild von Aktien eintrüben. So war es bereits im Vorfeld der Dotcom- und Immobilienblasen, denen die im Vorfeld stattgefundenen Zinsrestriktionen der Fed massiv zugesetzt haben.

Goldmarkt mit Stabilisierungstendenzen

Die international locker bleibende Geldpolitik ist ein Unterstützungsfaktor für die Edelmetalle. Gold konnte seit Jahresbeginn um rund 8,5 Prozent zulegen. Als Katalysator für eine Kapitalflucht in die sicheren Anlagehäfen der Edelmetalle wirkten auch die zuletzt auftretenden Unsicherheiten in den Schwellenländern sowie die italienische Regierungskrise und damit erneut aufkeimende Euro-Krisenängste.

Gold und Silber dürften 2014 das verheerende Jahr vergessen machen. Denn mit Überschuldung, Politikern, die sich gegenüber Reformen stur stellen und mangelnden Alternativrenditen beim Zinsvermögen sind solide Argumente für Edelmetalle durchaus vorhanden. Zwar werden die Notenbanken vorerst einem dramatischen Anstieg von Gold und Silber entgegen wirken. Denn die Rettung der Finanzwelt ist ja auf Dollar, Yen und Euro gebaut. Harte Ersatzwährungen wären da für die „Geld“-politische Rettung hinderlich. Aber mindestens in punkto Werterhaltungsfunktion werden Gold und Silber schon heute ihren Aufgaben gerecht.

Die physische Goldnachfrage zeigt sich robust. Diese ist allein in China laut Angaben des chinesischen Goldverbandes im vergangenen Jahr 2013 um 41 Prozent zum Vorjahr angestiegen. Und laut US-Münzanstalt liegt der Absatz von Goldmünzen nach einer kurzzeitigen Verschnaufpause im Sommer 2013 im Januar 2014 klar über dem langjährigen Monatsdurchschnitt seit 2007. Übrigens, auch die Notenbanken selbst kaufen Gold. Sie werden wissen warum.

Auch der Gegenwind vom Terminmarkt hat seit Ende 2013 zunehmend nachgelassen. So haben die spekulativen Netto-Longpositionen, die auf eine Befestigung des Goldpreises hindeuten, eine Trendwende nach oben vollzogen.

Aktuelle Marktlage und Charttechnik

Nachdem zu Jahresbeginn die für 2014 insgesamt optimistischen Konjunkturprognosen kritisch zu Lasten von Aktien und Devisen der Schwellenländer mit Störfeuer auch für die entwickelten Kernmärkte der Industriestaaten auf die Probe gestellt wurden, zeigt sich die aktuelle Lage an den Finanzmärkten wieder entspannter. Die Transformation der global wichtigen Kern-Schwellenländer von export- und investitionsgestützten hin zu nachhaltig wachsenden Binnenkonjunkturen setzt sich - wenn auch mit Reibungsverlusten - fort. Ebenso wird es zu keiner Wende der Geldpolitik kommen. Konjunktur und Geldpolitik sind damit keine Risiken, sondern Chancen für die Aktienmärkte.

Zudem bleibt Gegenwind von der Berichtsaison aus. In den Ausblicken für das aktuelle Jahr gehen die Unternehmen von keinen größeren Verwerfungen aus. So geht auch die Commerzbank von einem schneller als geplanten Abbau der ausfallbedrohten Kredite aus. Trotz unter dem Strich roter Zahlen - Sondereffekte fraßen die operative Gewinnverdoppelung im IV. Quartal 2013 auf - rechnet der Industriekonzern ThyssenKrupp mit einem anhaltenden Aufwärtstrend des operativen Ergebnisses, das 2014 um rund 65 Prozent zulegen soll. Zudem sind deutliche Kostensenkungen im problematischen US-Stahlwerk geplant.

Sicherlich bleiben vorerst Krisenängste Handicaps für die Anlegerpsychologie. Hohe Kursausschläge mit zwischenzeitlichen Korrekturen an den Aktienmärkten müssen vorerst einkalkuliert werden. Im II. Halbjahr wird die fundamentale Zuversicht die Oberhand gewinnen.

Und das passiert in der kommenden Woche

Die Quartalszahlen von Coca-Cola für das IV. Quartal 2013 dürften eine verbesserte Konsumlaune auf dem US-Heimatmarkt widerspiegeln. Auch die Zahlen des deutschen Konsumgüterherstellers Henkel werden von einer insgesamt gestärkten Konsumnachfrage profitiert haben, wohingegen Währungseffekte das Ergebnis belasten.

In den USA steht das Protokoll der letzten US-Notenbanksitzung auf dem Plan, dass Anleger auf weitere Informationen über den Fortgang des Tapering abklopfen werden. Fraglich ist wie stark der Einkaufsmanagerindex der Philadelphia Fed unter dem schlechten Wetter gelitten hat. Das gilt auch für Baubeginne und -genehmigungen.

In Euroland hat sich der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe gefestigt. Treibende Kraft ist die deutsche Wirtschaft, was neben dem deutschen Einkaufsmanagersubindex auch die ZEW Konjunkturerwartungen unterstreichen werden.

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