Darmstadt, 23.08.2013 – Viele Anleger verfügen noch über Verlustvorträge, die aus dem Verkauf von Wertpapieren vor Einführung der Abgeltungsteuer zum 1. Januar 2009 stammen. Die Frist zur Nutzung solcher Spekulationsverluste nach altem Recht („Altverluste“) läuft Ende des Jahres ab. Anleger können Verluste also nur noch bis zum 31.12.2013 mit abgeltungsteuerpflichtigen Veräußerungsgewinnen verrechnen. Diese „Neugewinne“ können aus dem Verkauf von Wertpapieren, wie etwa Zertifikaten, Optionsscheinen, Aktien oder Anleihen stammen. Auch zeitanteilige Zinsansprüche, sogenannte Stückzinsen, aus dem Verkauf von Zertifikaten oder Anleihen zählen dazu.

Trotzdem macht die Realisierung der Verluste nicht für jeden Anleger Sinn.

Für einige werden die Verluste sogar wertvoller, wenn sie erst in den kommenden Jahren verrechnet werden. Der Grund ist einfach: Zwar fällt die Möglichkeit der Verrechnung gegen Gewinne aus Wertpapierverkäufen weg, gegenüber tariflich besteuerten Spekulationsgewinnen lassen sich die Verluste aber auch in Zukunft noch anrechnen. Solche Gewinne fallen bei Währungskassageschäften, dem Verkauf von Edelmetallen, der Veräußerung von Grundstücken oder vermieteten Immobilien innerhalb einer bestimmten Frist an.

Das Schöne dabei: Die Verluste werden wertvoller, da sie nicht gegen eine 25prozentige Steuerlast gerechnet werden, sondern gegen den persönlichen Steuersatz, der auch schon mal jenseits der 40 Prozent liegen kann.

Das Beispiel zeigt, dass vor der Entscheidung, was mit vorhandenen Altverlusten passieren soll, erst einmal die Frage zu klären ist, wie die eigene Vermögensstruktur aussieht und welche Finanzinstrumente in der Zukunft eingesetzt werden sollen. Anleger, die in den nächsten Jahren mit tariflich zu versteuernden Spekulationsgewinnen rechnen, sollten sich von der aktuellen Hysterie nicht anstecken lassen. Stattdessen sollten sie ihre Altverluste unangetastet lassen und sie einsetzen, wenn sie am wertvollsten sind. Investoren, die zukünftig ihr Geld vor allem in Wertpapiere wie Aktien, Zertifikate oder Anleihen stecken wollen, sollten dagegen bis zum Jahresende ihre Altverluste tatsächlich verrechnen.

Problematik:

Die Verrechnung der „Neugewinne“ erfolgt dabei zunächst auf Bankebene mit negativen Erträgen. Die Berücksichtigung der Altverluste muss im Rahmen der „Anlage SO“ beim Finanzamt eigens beantragt werden. Das geschieht in Verbindung mit der Jahressteuerbescheinigung der Bank, in der diese die Neugewinne bescheinigt. Anleger sollten also darauf achten, dass im laufenden Jahr möglichst keine oder nur geringe negative Kapitalerträge anfallen, um die realisierten Veräußerungsgewinne nicht unnötig zu schmälern. Als Konsequenz entsteht auf Bankebene erst einmal ein Liquiditätsnachteil für den Anleger, da die Bank auf die realisierten Kursgewinne die Abgeltungsteuer erhebt und die Verrechnung mit den Altverlusten erst im nächsten Jahr im Wege der Veranlagung erfolgt.

Lösungsansätze:

Zur optimalen Altverlustverrechnung bieten sich folgende Strategien an:

  • Immer mal wieder Gewinne realisieren
  • Realisierte Gewinne von negativen Kapitalerträgen trennen Entweder durch die Vermeidung der Realisierung von Verlustbringern in diesem Jahr und Verlagerung ins kommende Jahr oder durch die Auslagerung der Verlustbringer auf ein neues / separates Depot bei einer anderen Bank (2-Banken-Modell), um so die Veräußerungsgewinne im Hauptdepot nicht zu schmälern. Achtung: Aufgrund der Ehegattenverlustverrechnung (Voraussetzung: Vorlage eines gemeinsamen Freistellungsauftrages, auch wenn dieser über einen Betrag von 0 EUR gestellt wurde) ist dieses Vorgehen nicht nur bei allen Depots des jeweiligen Kunden sondern auch zwischen den Depots der Eheleute auf Bankebene zu beachten.
  • Eine populäre und zugleich risikomoderate Strategie der Generierung von Veräußerungsgewinnen im laufenden Jahr ist eine besondere Form des „2-Banken-Modells“, die sich in erster Linie auf die Erzielung von Stückzinsen begründet. Aufgrund der Tatsache, dass Stückzinsen wie Kursgewinne behandelt werden, können durch den Kauf, Übertrag und Verkauf von Anleihen, Aktienanleihen  oder anderen Wertpapieren mit hohem Stückzins steuerwirksam Veräußerungsgewinne erzielt werden. 
  • Wichtig bei alledem ist jedoch, dass sofern der Anleger in diesem Jahr Veräußerungsgewinne sowohl aus abgeltungsteuerpflichtigen Geschäften (§20 Abs. 2 EStG) als  auch aus privaten Veräußerungsgeschäften (§23 EStG) generiert, die „Altverluste“ zunächst mit den Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften (selbe Einkunftsart) verrechnet werden.

Grundsätzlich sollten der Steuerberater und der Finanzdienstleister in die Entscheidungsfindung einbezogen werden.