Gastbeitrag der Cashkurs-Leserin Nicole Huber

In den letzten paar Jahren hat Dänemark mit seiner Vision Schlagzeilen gemacht, sich zur zur ersten bargeldlosen Gesellschaft zu machen. In skandinavischen Ländern ist es seit langem üblich sich statt dem Bargeldverkehr für digitale Geldüberweisungen zu entscheiden. Ob es darum geht den Busfahrer oder den Hot-Dog-Verkäufer zu bezahlen, die meisten der Schweden bevorzugen mit Karte zu zahlen. Mehrere norwegische Geschäfte haben sogar ganz ihre Kassen entfernt. Eine bargeldlose Gesellschaft ist „nicht mehr eine Illusion, sondern eine Vision, die innerhalb eines angemessenen Zeitrahmens erfüllt werden könnte“, sagte Michael Busk-Jepsen, Geschäftsführer der dänischen Bankers Association. Die Argumentation ist verständlich – digitale Geldüberweisungen sind bequem, hygienisch und leichter zu verfolgen. Obendrein erspart sich die Regierung das Geld drucken. Welche Nachteile bringt die bargeldlose Welt und was würde dies für unsere Finanzen bedeuten?

Ein kurzes Eintauchen in die Geschichte der digitalen Transaktionen und ihren Aufstieg könnte relevant sein. Die ersten Bank- und Kreditkarten wurden in den 60er Jahren eingeführt, erst in den 80er Jahren wurde der große Boom ausgelöst. Die Zahlungsmethode revolutionierte und immer mehr Geldautomaten traten in Erscheinung. Bis zum Jahr 2010 berichteten 55% der amerikanischen Verbraucher, dass sie Bank- oder Kreditkarten für mehr als die Hälfte ihrer Einkäufe verwendeten. Banken profitieren von geringen Gebühren für jede Kartentransaktion. Mit dem Fortschritt der Globalisierung, beginnen Großbanken die Ausgabe internationaler Zahlungskarten, die in mehreren Ländern verwendet werden können. Mit der Einführung des Internets bot sich ein zusätzliches Maß an Komfort, Kunden konnten von nun an ihre Kontoauszüge online überprüfen. Die moderne E-Commerce-Wirtschaft revolutioniert, Anwender können jetzt dank digitaler Geldtransfers mit einem Klick Produkte aus der ganzen Welt bestellen. Der Wechsel von Geld zur „virtuellen Währung“ hat unsere Denkweise stark beeinflusst.

In den letzten zehn Jahren haben sich Währungen speziell für Online-Geldgeschäfte stark weiterentwickelt, es kann von nun an nicht nur digital ausgegeben werden, sondern auch in Bargeld und physischen Geld umgewandelt werden. Mit anderen Worten: Ist der wesentliche Unterschied zwischen digitaler und virtueller Währung, dass die digitale Währung eine physische Währung darstellt, während virtuelle Währung nur online vorhanden ist. Virtuelle Währungen werden häufig mit „echten“ Währungen gekauft - in der Regel in Form einer Investition, da der Wert der Summe pro Satz in Zukunft ansteigen könnte. Im Reich der virtuellen Währung, sind so genannte Kryptowährungen stark gewachsen und sind auch jene die am häufigsten anerkannt werden, obwohl ihnen von den Regierungen auch Steuern auferlegt wurde. Bitcoin ist das bemerkenswerteste Beispiel.

Die Auswirkungen von Bitcoin sind umfassend. In erster Linie, die Idee, die es ermöglicht, für Einzelpersonen eine Form der Währung zu erstellen, welches wiederum Fragen hinsichtlich der Möglichkeit aufwirft, ob dies eine plötzliche Einführung neuer, steuerbarer Währungen für die Wirtschaft bedeuten könnte. Zweitens fehlt eine Vermittlerpartei, wie etwa Banken. Es besteht eine Chance, dass Macht und Kontrolle in der Zukunft weiter von zentralen Finanzinstitutionen entfernt werden. „Ob Bitcoin das überlebt oder nicht, die Technologie wird dennoch bestehen bleiben. Natürlich, wird diese Technologie immer mehr Einfluss erhalten, wenn Entwickler neuere, bessere Versionen und Klone schaffen“, schreibt das Wall Street Journal. Das unglaubliche Wachstum der Kryptowährung sieht die Einführung bestimmter Unternehmen, die ausschließlich in Bitcoin ihre Geschäfte abwickelt. Insbesondere seit dem Entstehen wird auch in mehreren Pokerräumen und Technologie-Marken, die Zahlung nur noch in Bitcoin akzeptiert.

M-Pesa: Ein innovatives Zahlungsmittel in Kenia

Kenia ist ein weiteres interessantes Beispiel für die Entwicklung der digitalen Transaktionen. Ab 2007 führte der größte Mobilfunkanbieter eine neue Zahlungsmethode im Land ein: M-Pesa: Es ist ein mobiles System, dass es den Menschen ermöglicht, Geld – in Form einer Währung – auf ihren Handys zu speichern und es zu versenden. Bis zum Jahr 2014 gab es in Kenia mehr als 17 Millionen M-Pesa-Konten, 43% fließen durch diese Zahlungsmethode in Kenias BIP. Die wichtigsten Vorteile von M-Pesa, in einer ansonsten weitgehend Cash-basierten Gesellschaft, sie tragen zur Verringerung der Kriminalität bei und geben den Menschen eine Art Finanzkontrolle - insbesondere, jene die sie vielleicht sonst nicht gehabt hätten und einen einfachen Zugang zu einer Bank. Ohne Zweifel hat M-Pesa als erfolgreichste Form von mobiler Währung in der Welt etabliert.

Wie das Beispiel Kenia als einzigartiges und erfolgreiches Projekt im bargeldlosen Zahlungsverkehr zeigt, gibt es mehrere Vorteile der digitalen Währungen. Die Verringerung der Kriminalität, der Komfort und die Effizienz sind nicht zu leugnen, aber was sind die Nachteile? Es gibt einige Punkte, die bei einer bargeldlosen Welt zu berücksichtigen sind. Dies hat in erster Linie mit der Anfälligkeit für Cyber-Attacken und Hacking zu tun. Während die Banken ihre Methoden gegen Fälschung und Betrug immer besser spezialisieren, besteht immer die Gefahr eines ausgeklügelten Angriffs auf eine große Finanzinstitution, deren Folgen großen Schaden anrichten könnten.

Das scheinbar unaufhaltsame Wachstum der digitalen Transkationen ist nicht aufzuhalten, die potenziellen Nutzer können in eine vielversprechende virtuelle Währung investieren, sollten dies allerdings nicht unterschätzen. Die allgemeine Sicherheit der Online-Banking-Methoden sollte immer im Vordergrund stehen.



Dieser Gastartikel gibt nicht unbedingt meine Meinung oder die der Cashkurs-Redaktion wieder. Es ist immer hilfreich sich auch mit alternativen Meinungen und Einschätzungen offen und konstruktiv auseinanderzusetzen und daran die eigenen Argumente immer wieder zu überprüfen. Nur so kann man eventuelle eigene Denkfehler erkennen, korrigieren und im Laufe der Zeit zu einem immer stimmigeren Bild gelangen. Daher stelle ich Ihnen an dieser Stelle immer gerne einmal alternative Sichtweisen zur konstruktiven Diskussion zur Verfügung und bedanke mich bei der Autorin für die Diskussionsimpulse.

Ihr Dirk Müller

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