Dr. Paul Craig Roberts hatte die potenzielle Panikmachekampagne nach erfolgtem Brexit durch Polit-, Medien- und Wirtschaftsestablishment in Europa bereits am gestrigen Montag angekündigt. Und diese Dinge lassen erwartungsgemäß auch nicht lange auf sich warten.

Als ob nicht bereits vor dem Brexit-Votum klar gewesen ist, dass die City of London ihr Geschäftsmodell würde umstellen und sich ein wenig neu würde erfinden müssen, um auch in Zukunft zu prosperieren, wird nun so getan, als stünde morgen der Weltuntergang bevor.

Werte Leser, all diese Dinge samt Panikmache, Drohungen und Warnungen sind uns aus den Zeiten des Bankenzusammenbruchs im Jahr 2008 noch sehr gut in Erinnerung. Auch im Zuge der aufziehenden Griechenland-Krise im Mai 2010 wurde dieser Schalter wieder betätigt. 

"Der Status der City of London als Weltfinanzzentrum ist bedroht." Wirklich?

Plötzlich wird in der britischen Öffentlichkeit das Argument gebetsmühlenartig wiederholt, dass der Brexit der City of London Verluste in Höhe von Milliarden von Pfund bescheren werde, während Tausende von Arbeitnehmern ihre Jobs verlieren dürften.

Darüber hinaus sei der Status der City of London als Weltfinanzzentrum bedroht. Und dieser Status basiere auf einem simplen Prozess, der sich allerdings nur schwierig rückabwickeln ließe. Dabei handelt es sich um das so genannte Passporting.

Wie unter dem obigen Link zur Seite der Bank of England beschrieben, erlaubt es dieser Mechanismus in Großbritannien ansässigen Banken, Kreditgebern, Versicherungen und Fonds deren Dienstleistungen und Produkte in den 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union ohne Einschränkungen anzubieten und zu verkaufen.

Dazu braucht es im gemeinsamen Markt keine regulatorischen Zusagen oder eine Gründung von Tochtergesellschaften in den einzelnen EU-Mitgliedsländern.

Nach dem in der letzten Woche erfolgten Brexit-Votum kam mit François Villeroy de Galhau sogleich ein hochrangiges Mitglied der Europäischen Zentralbank aus der Deckung, um in einem Interview gegenüber dem Guardian anzukündigen, dass London seinen Status als Finanzhochburg in Europa einbüßen wird.

Doch schon im Vorfeld des Brexit-Referendums waren sich die Londoner Hochfinanz und die Bankenindustrie in der City of London über die Auswirkungen im Klaren, die ein Verlust des Passporting im Falle eines Ausstiegs-Votums auf die Londoner Finanzwelt haben würde. Laut Gemini Investments sei klar gewesen, dass „es den Finanzplatz umbringen“ würde.

Londoner Akteuren wird im Falle des Bestands des Brexit-Votums nichts anderes übrig bleiben, als zur Tradition aus guten alten Tagen zurückzukehren, um mindestens in einem der verbleibenden 27 EU-Staaten eine Tochterfirma zu gründen und die Aufsichtsbehörden der einzelnen Länder um die Autorisierung einer Fondsgesellschaft zur Distribution der eigenen Produkte im EU-Raum zu ersuchen.

London ist und bleibt ein globales Finanzdrehkreuz

Umgekehrt nutzten in der EU ansässige Finanzunternehmen die City of London, um die internationalen Finanzmärkte mittels Passporting via London anzuzapfen. Gleichzeitig fungierte die City bislang auch als Drehkreuz für Finanzunternehmen und Banken aus Nicht-EU-Ländern, um Geschäfte mit den EU-Ländern zu tätigen.

Dazu gründeten diese Finanzunternehmen aus anderen Weltregionen typischerweise eine Tochterfirma in London, um sich darüber Marktzugang in der gesamten EU zu verschaffen.

Dazu gehörten insbesondere amerikanische und schweizerische Banken und Finanzakteure. Nicht von ungefähr führten die Banken die Liste der Großverlierer an den Börsen am letzten Freitag an. 

Egal ob UBS, Sberbank, Goldman Sachs, J.P. MorganChase oder Chinas ICBC Bank: die Kursabschläge beliefen sich bis zum Handelsschluss teilweise auf prozentual zweistellige Verluste.

Laut Analysten werde der Brexit eine ganze Reihe von negativen Auswirkungen auf das Finanzwesen in Großbritannien haben. Dazu zähle vor allem die Tatsache, dass ausländische Finanzunternehmen, die sich in der City of London niedergelassen haben, dort ihren Sitz abziehen werden, um ihre Aktivitäten in den gemeinsamen Markt der verbleibenden 27 Mitgliedsstaaten der EU zu verlagern.

Laut den Angstmachern werde diese Entwicklung mit Verlusten in Höhe von Milliarden von Pfund für das Vereinigte Königreich einhergehen. Diese Verluste resultierten aus potenziellen Sitzverlagerungen ausländischer Banken in den EU-Raum, einem Umzug von Tausenden Mitarbeitern im Finanzgewerbe, aufzugebenden Büroräumlichkeiten in London sowie neuen Kapitalanforderungen.

Wollen britische Finanzunternehmen weiter Geschäfte in der EU betreiben, müssen sie sich denselben Gepflogenheiten unterwerfen. Laut Experten sei damit ein sündhaft teurer Prozess verbunden, da die Regularvorschriften in anderen EU-Staaten einen signifikanten Betrag an Kapital oder gehaltenen Vermögenswerten in den Bilanzen der Player voraussetzten.

Goldman Sachs in vorderster Front der "Bremain"-Unterstützer

Die in der gesamten EU gültigen Basel-III-Vorschriften verpflichten die Banken dazu, einen Kapitalpuffer von mindestens 8% in Relation zu deren gehaltenen Vermögenswerten vor zu halten. Zudem dürfte die Beantragung von Lizenzen in anderen EU-Ländern Monate, wenn in einzelnen Fällen nicht gar Jahre beanspruchen.

Da eine Rekapitalisierung oftmals sehr teuer sei, warnen Beobachter davor, dass sich einst geplante Investitionen in die Zukunft verschieben werden. Zudem werde es zu einem massiven Jobabbau auf der Insel kommen. Neben den Finanzplätzen Frankfurt und Paris könnte auch Dublin als einer der größten Gewinner aus der aktuellen Situation hervorgehen.

Bei Goldman Sachs hatte man im Vorfeld zur Brexit-Abstimmung nicht nur vor einer eigenen Sitzverlagerung gewarnt, sondern auch darauf hingewiesen, dass sich nicht absehen ließe, welcher Wirtschaftssektor die potenziell aus London abwandernde Bankenindustrie in Großbritannien ersetzen könnte.

Nicht von ungefähr erwies sich Goldman Sachs als einer der generösesten Spender zugunsten der Befürworterkampagne. Die US-Großbank hatte dem „Remain Camp“ rund £500.000 als finanzielle Unterstützung zukommen lassen. Auch Morgan Stanley, Citigroup und JPMorgan Chase erwiesen sich auf Basis von sechsstelligen Spendenbeträgen als äußerst großzügig.

Finanzprodukteexport: Rückgang um die Hälfte?

Beratungsfirmen, die sich mit einem potenziellen Verlust des Passporting im Vorfeld der Abstimmung beschäftigt hatten, gelangten zu dem Ergebnis, dass die Finanzproduktexporte Londons an den Rest der EU im Falle eines Brexit um rund die Hälfte sinken könnten. Dies würde sich auf einen Einbruch von £10 Milliarden belaufen, wenn man einer Studie von Capital Economics zu diesem Thema Glauben schenken darf.

Ein weiterer Bericht von PricewaterhouseCoopers kam zu dem Ergebnis, dass der Status des Vereinten Königreichs als globales und regionales Finanzzentrum einzig und allein an dem seidenen Faden eines Zugangs zum EU-Markt hänge. Laut PWC ließ sich im Jahr 2014 feststellen, dass mehr als 80% der ausländischen Direktinvestitionen in Großbritanniens Finanzsektor durch Unternehmen außerhalb der EU getätigt worden seien. 

Aus diesem Grund stünden nun bis zu 100.000 Jobs in Londons Finanzsektor auf der Kippe. Eine Reihe von Stimmen hält dem jedoch entgegen, dass die Brexit-Ängste übertrieben seien, da ein Austritt aus der Union London von EU-Regularien befreien und es dem britischen Finanzsektor erlauben würde, wettbewerbsfähiger zu werden.

EU-Mitgliedschaft Großbritanniens: Eine Bedrohung für die Prosperität Londons?

Dazu gehöre in erster Linie die Abschaffung der durch die EU auferlegten Kappung von Bonuszahlungen im Bankengewerbe. Wenn wieder exorbitant hohe Boni in der City gezahlt würden, werde dies die Finanzaktivitäten in London ankurbeln, wodurch viele der negativen Effekte kompensiert werden könnten. 

Dieser Sichtweise schlossen sich im Vorfeld des Brexit-Votums mehr als 100 Vorstände in der City of London an, darunter auch die Firmen Hargreaves Lansdown und CMC Markets, deren Chefs einen Brief unterschrieben hatten, der sich zugunsten eines Brexit aussprach.

Die den Brief unterzeichnenden CEOs hatten erklärt, dass eine EU-Mitgliedschaft ihres Landes eine Bedrohung mit Blick auf die Prosperität Londons sei, darauf hinweisend, dass die City die EU langfristig nicht brauche, um gute Geschäfte in aller Welt zu tätigen. Bilden Sie sich auf Basis dieser Informationen Ihre eigene Meinung, werte Leser!