Wie genial muss man sein, um eine Notenpresse zu bedienen? Offenbar sehr, andernfalls würden sich Wirtschaftsnobelpreisträger, Politiker und Bankvorstände nicht mit Lob über den „Retter der Weltwirtschaft“, Ben Shalom Bernanke (Vorsitzender der US-Notenbank) überbieten.

Auch Präsident Barack Obama ist voll des Lobes und bestätigte den 55-jährigen ehemaligen Princeton-Professor am 25. August in seinem Amt, für weitere 4 Jahre. Damit sei für Kontinuität in der Geldpolitik gesorgt, so Obama. Über diese Art der Kontinuität freuen sich vor allem Anbieter von Goldinvestments. Am gleichen Tag, an dem Bernanke im Amt bestätigt wurde, verzeichnete der Gold-ETF von ETF Securities mit 7% Anstieg den größten Gold-Zufluss innerhalb eines Tages seit seinem Bestehen. Die Tresore füllten sich an diesem Spätsommertag um weitere 211.500 Unzen und summierten sich auf 3,190 Mio. Unzen. Laut Reuters hat der Fonds in der letzten August-Woche die höchsten Zuflüsse seit seiner Gründung verzeichnet. Bis zum Dienstag waren die Bestände im Vergleich zur Vorwoche um 18% angestiegen. Ja, „Helicopter-Ben“ darf weiterfliegen und wird zum heimlichen Held der Edelmetallinvestoren.

Ben Bernanke ist ausgewiesener Experte in Sachen große Depression der Dreißigerjahre des vergangen Jahrhunderts, die er ausführlich studierte. Auch damals wurde die Weltwirtschaftskrise durch Fehlspekulation und vor allem Schuldenexzesse ausgelöst und durch staatliches Versagen zügig verschlimmert. Allerdings ist die Lösung, die Bernanke anbietet, kein Ausweg aus der Überschuldung, sondern lediglich ein Umweg über die staatlich forcierte Inflation hin zum Kollaps des US-Dollar zentrischen Weltwährungssystems.

Ben Bernanke zum „Retter der Weltwirtschaft“ zu stilisieren ist so, als würde man einem Kapitän die Tapferkeitsmedaillie dafür verleihen, dass er von einem sinkenden Schiff die Crew gerettet hat und dabei tausende Passagiere ertrinken lies. Ben Bernanke ist kein Retter in der Not, er ist nicht einmal ein guter Ökonom, nur weil er das Instrumentarium der Notenbank aus dem Effeff beherrscht und neue „kreative“ Instrumente einsetzt. Kreativ ist in diesem Zusammenhang lediglich ein Euphemismus für das Anwerfen der Notenpresse auf digitalem Wege. Dafür muss man kein Top-Ökonom sein, das schafft auch ein VWL-Student mit Grundkenntnissen in Geldpolitik, der ein Praktikum bei der „Fed“ absolviert. Ein smarter Ökonom würde sich zumindest der Konsequenzen aus dieser geldpolitischen Sackgasse bewusst sein und sich, wie sein Vorgänger Allen Greenspan, zum richtigen Zeitpunkt zurückziehen und natürlich in Gold investieren.

Grundsätzlich haben die Krisenmanager wie Bernanke nichts gelöst, außer, dass die Staaten in Ost und West nun mit exzessiver öffentlicher Verschuldung die kreditabhängige Weltwirtschaft am Leben zu erhalten versuchen. Die Finanzierung wird dabei über die Notenpresse sichergestellt. Das ist keine Rückkehr zum ökonomischen Normalzustand, von dem sich die Credit-Driven-Economy Amerikas schon seit Jahrzehnten entfernt hat. Es ist lediglich eine kurze, strohfeuerartige Unterbrechung des Unvermeidlichen: einer globalen Schuldenzäsur. Allen voran in den USA.

Ja, Ben Bernanke wird von Main-Stream-Ökonomen gefeiert. Denselben Ökonomen, die die Krise nicht haben kommen sehen und ihre Ursachen bis heute nicht verstanden haben. Er hat geholfen, die Katastrophe etwas hinauszuzögern. Die Lobeshymnen auf ihn sind allerdings unangebracht und grotesk. Die Lage ist viel zu ernst um sich in Selbstzufriedenheit zu ergehen und dem Motto: „Weiter so – nur noch extremer“ zu folgen.

Eine wirklich nachhaltige Lösung der globalen Schuldenkrise ist nicht in Sicht. Die exponentiell steigende Gesamtverschuldung und der Zinseszinseffekt lassen nur einen Ausweg zu: Weginflationieren der steigenden Verbindlichkeiten - zum Schaden der Gläubiger, denn dabei wird leider auch der Wert des Geldes weginflationiert. Bernanke hat sich für diesen Weg entschieden. Bei jedem Anzeichen wirtschaftlicher Schwäche wird er konsequent gelpolitisch nachfeuern und seine Kollegen von der Fiskalseite zum Gleichtun auffordern. Bis über stark steigende Preise knapper Ressourcen die Inflation unkontrollierbar wird und der US$ in Anbetracht immer unkonventionellerer Maßnahmen auch noch das Restvertrauen der Investoren verliert. Die Goldinvestoren haben das erkannt, nicht erst seit der Wiederernennung des weltweit mächtigsten „Währungshüters“.

Ben Bernanke hat keine Exit-Strategie, weder für die US-Geldpolitik noch für sich selbst. Dafür ist es in beiden Fällen zu spät. Er ist aber ein verlässlicher Garant für stark steigende Goldpreise und der heimliche Held aller Edelmetallinvestoren.

www.ypos-consulting.de

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