Eigentlich kann man mit dem vergangenen Jahr doch ganz zufrieden sein. Der Zusammenbruch des Eurosystems blieb aus, genauso wie der angeblich von den Mayas prognostizierte Weltuntergang am 21. Dezember. Apropos Weltuntergang: Die Chancen, das Armageddon in den nächsten einhundert Jahren zu erleben, stehen besonders für junge Menschen gar nicht so schlecht:

  1.  aufgrund der immer weiter steigenden Lebenserwartung [1] und

  2. aufgrund der vielen noch gar nicht entdeckten massiven und durchaus gefährlichen Flugobjekte, die im Weltall ihre Bahnen ziehen.

Liegt beim Lotto 6 aus 49 die Wahrscheinlichkeit den Jackpot mit einem  Sechser plus Superzahl zu knacken bei einer Quote von 1:139.838.160, so beträgt die Chance auf das Ende der Menschheit in den nächsten einhundert Jahren laut einer Studie der Princeton University aus dem Jahr 2001 erstaunliche 1:5000. Das gilt übrigens nur für den Fall, dass es tatsächlich ca. 700.000 Asteroiden gibt, die einen Mindestdurchmesser von einem Kilometer haben und die Umlaufbahn der Erde kreuzen könnten. Die Wissenschaftler gingen auch schon mal von etwa zwei Millionen solch gefährlicher Riesenbrocken aus, was die Wahrscheinlichkeit für das Jüngste Gericht auf eine erstaunliche Quote von 1:1500 erhöhte. [2]

Die NASA sieht das Problem der gefährlichen Asteroiden weitaus optimistischer und entspannter. Zählt sie doch laut einer Studie aus 2010 nur etwa 5.000 Himmelskörper mit einem Durchmesser von mehr als einhundert Metern, die der Erde gefährlich werden könnten. Wobei jedoch ein weiteres, großes Problem darin besteht, dass die Umlaufbahnen von weit mehr als der Hälfte der gefährlichen Brocken unbekannt sind und oftmals erst sehr spät entdeckt werden können. Zusätzlich besteht die permanente Gefahr, dass ein Asteroid aus seiner herkömmlichen Bahn im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter herausgeschleudert werden könnte, um Kurs auf die Erde zu nehmen. Übrigens würde der Einschlag eines nur einhundert Meter großen Geschosses die Energie von ca. 2.500 Hiroshima-Bomben frei setzen und alles im Umkreis von ca. 70 – 100 Kilometern verwüsten. [3] [4]

Wenn man jetzt noch darüber nachdenkt, dass es im Jahr 2012 allein im kleinen Saarland drei Lottospieler gab, die sich über einen Sechser mit Superzahl freuen konnten, könnte einem hinsichtlich der Zukunft der Menschheit wahrlich Angst und Bange werden. Doch natürlich ist dieser Vergleich nicht korrekt. Denn die Chance, mit einer einzelnen Tippreihe den Jackpot zu knacken, liegt natürlich deutlich unter der Wahrscheinlichkeit, dass eine Zahlenreihe aller abgegebenen Lose den Jackpot knackt.

Trotz allem stellt sich jedoch nicht die Frage, ob die Erde einmal getroffen wird, sondern lediglich, wann es passieren wird. Übrigens ist gerade erst wieder – am 9. Januar 2013 – ein dreihundert Meter großes Geschoss namens Apophis in einer Entfernung von nur 14,5 Millionen Kilometern an der Erde vorbeigeflogen. In den Jahren 2011 und 2001 war es übrigens noch sehr viel knapper: Der Abstand der Erde zum Asteroiden 2001 YB5 mit 300 Metern Durchmesser betrug lediglich die doppelte Mondentfernung, was zunächst einmal recht beruhigend klingt, aber in kosmischen Dimensionen einem haarscharfen Vorbeischrammen entspricht. [5] Der Einschlag eines solchen Brockens in München, würde übrigens auch Berlin in Mitleidenschaft ziehen und hätte die Kraft ganze Länder völlig zu zerstören. Übrigens wurde man auf diesen Schlagetot seitens der Astronomen erst knappe zwei Wochen vorher aufmerksam. [6]

Und auch im Jahr 2011 war es in Bezug auf kosmische Entfernungen betrachtet einmal mehr denkbar knapp:

[...] Er stammt aus der Entstehungszeit des Sonnensystems und kommt unserem Planeten ganz nah: [...] Der kosmische Brocken ist etwa so groß wie ein Flugzeugträger, und er wird nur knapp an der Erde vorbeischrammen: 2005 YU55 heißt der Asteroid, der gerade im Anflug ist. Kommenden Dienstag wird der 400-Meter-Brocken unseren Planeten im Abstand von nur gut 324.000 Kilometern passieren. So hat es die NASA berechnet. 324.000 Kilometer, das klingt nach viel, ist aber weniger als die Distanz zwischen Erde und Mond und nach astronomischen Maßstäben ein Streifschuss. Zuletzt ist 1976 ein Asteroid dieser Größe der Erde so nahe gekommen. Der Besuch von 2005 YU55 bietet Astronomen nun die seltene Chance, Urgestein aus der Entstehungszeit des Sonnensystems zu erforschen - ohne eine Raumsonde ins All schicken zu müssen. [...] [7]

Vielleicht hängt mein wahrscheinlich zu großer Pessimismus hinsichtlich der Asteroidengefahr damit zusammen, dass hier in meiner Heimatstadt Hagen ein recht einzigartiges Modell unseres Sonnensystems existiert. [8] Dieses Planetenmodell ist quasi in die Stadt einmontiert, wobei die Sonne im Maßstab von 1:1 Milliarde u.a. durch eine vergoldete Kugel im Rathaus symbolisiert wird. In einer Entfernung von 150 Metern befindet sich die Erde mit einem Durchmesser von 1,27 cm. In 5,91 Kilometern Entfernung findet sich maßstabsgetreu der Zwergplanet Pluto. Die Positionen aller Planeten werden durch Bronzeplatten dargestellt, die an vielen Stellen im Städtchen in die Gehwege eingelassen sind.  Der Mond mit seinen 3,5 mm Durchmesser umkreist in diesem Modell die Erde in einem Abstand von 38,4 cm.

Stellen Sie sich nun also einmal vor, Sie besuchten mich hier im Städtchen und irgendein kleines Geschoss aus dem Weltraum – beispielsweise eine winzige massive Gesteinskugel – würde sich nur 40 cm – also in besagter Mondentfernung – mit einer Geschwindigkeit von 50.000 km/h [9] neben Ihnen in den Boden bohren, während Sie gerade auf der Erdplatte stehen! Auch wenn man sagt, knapp daneben sei auch vorbei, bin ich mir fast sicher, dass Sie von nun an jedes Jahr zweimal Geburtstag feiern würden.

Wie es also weitergeht hier auf Erden steht in den Sternen. Nicht nur hinsichtlich gefährlicher Asteroiden, sondern auch in Bezug auf unser Geld- und Wirtschaftssystem. Einschläge und große Veränderungen hat es immer gegeben und es wäre naiv anzunehmen, dass solche Szenarien bzw. schwarze Schwäne in Zukunft ausbleiben werden. Die Frage, die sich stellt, ist darum niemals, ob solche – meistens im Vorfeld für unmöglich gehaltene – Begebnisse passieren, sondern nur wann ein schwarzer Vogel am Firmament auftaucht.

Fußnoten und Verweise

[1] Lebenserwartung steigt auf Rekordwerte

[2]  Einschlagsgefahr: Astronomen zählen Killer-Asteroiden

[3] Asteroiden auf Kollisionskurs

[4] Video: Asteroiden auf Kollisionskurs

[5] Beinahe-Kollision: Asteroid verfehlte Erde knapp

[6] Gefahr eines Asteroideneinschlags auf der Erde ist realistisch

[7] So groß wie ein Flugzeugträger: Asteroid rast an Erde vorbei

[8] Hagener Planetenmodell

[9] Die Geschwindigkeit eines 9mm Pistolenprojektils beträgt ca 400 m/s = 1440 km/h