"Als im Sommer die IKB deutsche Industriebank pleiteging, hätt' ich's wissen müssen!" sagte mir ein Jahr später (2008) der Vorstand einer Family-Office Gesellschaft. Den Einbruch 2007-2009 hatte er nicht kommen sehen. Jetzt geht die Düsselhyp pleite. Ist die Börsenparty vorbei und endet in einem schweren Kater?

Viele fragen sich, wann die Rallye an den Börsen vorbei ist. Ich weiß es nicht und bin auch gar nicht so pessimistisch. Aber die Parallele ist schon beunruhigend: Bankenpleiten haben den letzten großen Einbruch der Börsen eingeleitet und nun haben wir wieder welche. Die österreichische "Hypo Alpe Adria" schmierte ab und in der Folge nun auch noch die deutsche Düsselhyp mit einer Bilanzsumme von immerhin 11 Milliarden Euro.

Hier auf Cashkurs wurde bereits vermutet, dass deutsche Banken hier bald nachziehen könnten (Roman Baudzus), jetzt ist es der Fall. Natürlich ist das alles wieder nicht der Untergang. Möglicherweise kommt da aber noch mehr. Aber warum stecken sich Banken eigentlich so leicht aneinander mit Insolvenzen an?

Das liegt an einer einfachen Sache: Banken haben oft ein geringes, in Relation zur gesamten Aktiva geradezu lächerliches Eigenkapital. Sobald ein Posten ihrer Anlagen ausfällt, ist (Aufgrund der Gleichheit von Aktiva und Passiva - das heißt anders ausgedrückt: alle Mittel, die irgendwo verwendet werden, müssen auch irgendwo herkommen … und umgekehrt)  gleich das gesamte Eigenkapital weg und die Bank gerät in Schieflage. Verrückterweise investieren Banken gerne in andere Banken.

Bei der Düsselhyp waren zum Beispiel 348 Millionen in Papiere der Hypo Alpe Adria (der Name klingt wie irgendetwas zwischen völlig undurchsichtigem Finanzinstitut und unentschlossenem Sommerurlaub) in der Bilanz.

Dieselbe Bilanz weist (oder vielmehr "wies", denn inzwischen ist es weg) aber nur 230 Millionen Euro Eigenkapital auf (vieleicht war es auch noch weniger). Das sieht dann typischerweise so aus:

Auch die Düsselhyp musste bereits "in der Finanzkriese" (wie es in einer Reuters-Meldung heißt, so, als sei diese Finanzkrise bereits vorbei…) im März 2008 vom Einlagesicherungsfonds "gerettet" werden. Wie schön, dass sie gerettet wurde, so dass sie in der Folge weitere Risiken auf Kosten anderer Retter eingehen konnte und nun abermals gerettet werden kann.

"Retten" hört sich doch gut an, es ist eigentlich ein schönes Wort.  Schade, dass es immer wieder in diesem Kontext gebraucht wird und somit wohl bald nicht mehr so gut klingen wird. Nennen wir daher die Sache anders: verschieben. Der Untergang der Düsselhyp wurde heute verschoben. Das klingt realistischer.

Banker machen weltweit und hierzulande gute Arbeit. Eine gute, teilweise anstrengende, schwierige und vor allem volkswirtschaftlich sinnvolle Arbeit. Es ist schade, dass unsere Gesellschaft derzeit in einer Umgangsweise mit Risiken festgefahren zu sein scheint, die Unternehmungen und Unternehmungsbeendigungen immer weiter "verschiebt" ohne neue Wege zu finden.

Ich möchte nicht hinnehmen, dass die gute Arbeit vieler tausender Banker in Vorstandsetagen oder am Schalter durch verheerende Einzelfälle und ein verlangsamtes Lernen in Verruf gerät. Die erste Finanzkrise hat das bereits bewirkt, eine weitere Kriese (für mich ist es noch immer dieselbe) könnte das nochmals verstärken. Dabei wäre nur an wenigen Stellschrauben zu drehen. Viele bemühen sich darum. Im Ergebnis hat unsere Gesellschaft als Ganzes aber nur Widersprüchliches erreicht.  Welcher einzelne kann es überhaupt noch überblicken?  Mir persönlich drängt sich nur der Eindruck auf, dass die Risiken des Finanzsystems durch anfällige Banken eher größer zu sein scheinen als vor der Krise.

Das heißt nicht, dass deshalb etwa Aktien zu meiden wären. Immerzu gibt es Gründe, die Menschen davon abhalten, in Aktien zu investieren. Solche gab es vor  auch im Frühling 2009, als ich meinen ersten Artikel über Aktien mit dem Titel "Kaufkurse jetzt" veröffentlichte. Seither haben sich die Aktien mehr als verdoppelt. Allein in den letzten Monaten legten meine Aktien um roundabout 30% zu. Nur weil die Welt nicht perfekt ist und immer mal Einbrüche drohen, sollte man nicht die Finger von Aktien lassen. Aktien bringen auf lange Sicht gute Renditen. Aber: Bankaktien sollten meiner Meinung nach nicht mehr als 4% des Depots ausmachen. Die meisten meiner Aktien-Auswahl-Strategien meiden Finanztitel kategorisch, das heißt eine Bankaktie kann machen was sie will, sie wird niemals, höchstens durch eine spezielle Unterstrategie zur Diversifizierung ausgewählt. Noch kategorischer meide ich Anleihen, das (schlechte) Geschäft mit den Krediten.

Handlungsempfehlungen:

  • Bankaktien stark untergewichten
  • Keine Hebelprodukte auf allgemein steigende Märkte mehr einsetzen
  • keine größeren Guthaben bei typischen Banken mit wenig Eigenkapital halten
  • selbstverständlich keine Anleihen besitzen und auch keine Fonds oder Rentenpläne, die darin investieren
  • nur langfristig in Aktien investieren

Beste Grüße, Ihr

Robert Velten